Ein Berliner Junge verschwindet, ein belgisches Mädchen stirbt – die Fälle wirken bis heute nach

Artikel vom  / Ausgabe 28 / Seite 18

 

1993

24. Juli 1993: Manuel Schadwald, damals 12 Jahre, verschwindet an einem Samstagvormittag. Er sagte seiner Mutter, er wolle in einen Berliner Freizeitpark. Dort kam er allerdings nie an

1994

16. Juni 1994: Ein Mann ruft bei einer Berliner Beratungsstelle an und sagt, Manuel sei in Amsterdam gestorben. Die Berliner Polizei bittet die Kollegen dort um Hilfe

1995

Die Polizei ermittelt einige Monate in der Rotterdamer Kinderprostitutionsszene – zunächst erfolglos. Im Juni 1995 gibt es einen neuen Hinweis. Demnach wurde Schadwald nach Holland verschleppt

1996

13. August 1996: Die belgische Polizei nimmt in einem Dorf bei Charleroi zwei Männer fest, sie sollen ein 14-jähriges Mädchen entführt haben. Ihre Namen: Marc Dutroux (Foto) und Michel Lelièvre

September 1996: Auf einem Grundstück von Dutroux gräbt die Polizei die Leichen zweier Mädchen aus: Eine der beiden ist Eefje Lambrecks (19, Bild rechts)

1997

November 1997: Im niederländischen Fernsehen läuft eine Dokumentation zum Fall Manuel Schadwald. Erstmals wird darüber berichtet, dass der Junge im Kinderpornomilieu verschwunden sein soll

1998

April 1998: Medien in Deutschland und Holland berichten übereinstimmend, dass niederländische Polizisten Schadwald schon 1994 an der Seite eines Rotterdamer Kinderbordellbesitzers gesehen hätten. So steht es in einem Polizeivermerk. Foto: das Fahndungsplakat der Rotterdamer Polizei

Juni 1998: Der Belgier Robby van der P. behauptet gegenüber Medien, er habe Schadwald von Berlin aus in die niederländische Kindersex-Szene gebracht – zunächst in ein Bordell in Rotterdam. Von dort sei der Junge nach Amsterdam gebracht worden

Juli 1998: Der mutmaßliche Entführer des vermissten Berliner Jungen Manuel Schadwald erschießt seinen Liebhaber Gerrit Ulrich (Foto). In dessen Wohnung in Holland finden Ermittler kurz darauf Zigtausende kinderpornografische Fotos und Filme

November 1998: Eine belgische Sozialarbeiterin rast mit ihrem Auto ungebremst gegen einen Brückenpfeiler. Sie hatte Medien gegenüber gesagt, sie besitze einen Film, der den Mord an einem Kind zeige – angeblich handelt es sich um Schadwald

1999

Sommer 1999: Ein hochrangiger, mit den Ermittlungen betrauter Amsterdamer Polizist sagt im vertraulichen Gespräch mit den Reportern dieser Zeitung, der Fall Schadwald sei eine heikle Sache. Selbst der niederländische Geheimdienst habe seine Finger im Spiel

2004

1. März 2004: In Belgien beginnt der Prozess gegen Marc Dutroux und drei Mitangeklagte. Sie müssen sich wegen der Entführung und des Todes von vier Mädchen verantworten

22. Juni 2004: Der Gerichtsprozess gegen Dutroux und seine drei Mittäter endet. Das Urteil: lebenslänglich für Dutroux, 30 Jahre für seine Ex-Frau, 25 Jahre für Lelièvre und fünf Jahre für einen weiteren Komplizen, Michel Nihoul. Dieser allerdings wurde wegen Handels mit Drogen und Menschen schuldig gesprochen, er saß nur zwei Jahre im Gefängnis

2011

April 2011: Recherchen der „Welt am Sonntag“ ergeben: Ein Kinderbordell-Besitzer aus Amsterdam ist in den Fall Schadwald verwickelt. Angeblich ist der Junge auf einer Segelyacht im Ijsselmeer bei gewaltsamen Sexspielen gestorben. Da es sich nur um eine Quelle handelt, veröffentlichen wir diese Information nicht

2015

Anfang 2015: Der Vater des Dutroux-Opfers Eefje Lambrecks und seine Lebensgefährtin wenden sich an die „Welt am Sonntag. Sie haben jahrelang selber Informationen gesammelt. Nun erzählen sie von einem Verdacht: Dutroux sei Teil eines großen europäischen Netzwerks von Kinderschändern – dem auch Schadwald zum Opfer gefallen sei

Februar 2015: Ein ehemaliger Ermittler der niederländischen Polizei erzählt der „Welt am Sonntag“ von einem Bericht des niederländischen Geheimdienstes AIVD (Logo siehe Abbildung unten). Demnach war „ein deutscher Junge“ – mutmaßlich Schadwald – in die Fänge eines Kinderporno-Rings geraten

März 2015: Ein Enthüllungsjournalist der niederländischen Tageszeitung „AD“ („Algemeen Dagblad“), der zum Fall Schadwald recherchiert, findet neue Hinweise, die den Kinderporno-Verdacht erhärten

Juli 2015: Nach Jahren des Schweigens berichtet ein Mann des niederländischen Geheimdienstes der „Welt am Sonntag“ und dem Enthüllungsjournalisten des „AD“: Schadwald sei tatsächlich auf einer Yacht (siehe Foto) im Ijsselmeer umgekommen

Artikel vom  / Ausgabe 28 / Seite 18
http://www.welt.de/print/wams/article143858453/Eine-Chronik.html

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