Jugendamt Köln: Immer mehr Kinder in Obhut

Wenn Kinder geschützt werden müssen, kann das Jugendamt eine Unterbringung in einer Pflegefamilie oder einer Aufnahmeeinrichtung anordnen. (Symbolfoto)  Foto: dpa
2922 Kinder mussten 2014 in Köln vom Jugendamt in eine Aufnahmeeinrichtung oder Pflegefamilie gebracht werden. Die Gründe reichen von häuslicher Gewalt bis zu Missbrauchsverdacht. Die Zahl ist im Vergleich zu 2013 gestiegen. Von Martina Windrath

Im vergangenen Jahr mussten in Köln viele Kinder vom Jugendamt wegen häuslicher Gewalt, Missbrauchsverdachts oder anderer Notlagen aus ihren Familien geholt werden. Die Zahl der „Inobhutnahmen“ durch die Stadt ist gestiegen. Waren es im Jahr 2013 genau 2412 (manche Jungen und Mädchen mehrfach), die von zu Hause in eine Aufnahmeeinrichtung oder Bereitschaftspflegefamilie kamen, betrug die Zahl vergangenes Jahr 2922. Die Zunahme führt die Verwaltung vor allem auf immer mehr unbegleitet nach Köln eingereiste Flüchtlinge über 14 Jahre zurück; bei jüngeren Kindern bleibe die Lage stabil, erläutert Klaus-Peter Völlmecke, stellvertretender Leiter des Jugendamtes.

Die Entwicklung hänge auch mit der gesteigerten Sensibilität für Probleme in Familien zusammen. „Vor einer Inobhutnahme erhalten wir ja zum Beispiel Meldungen von häuslicher Gewalt durch die Polizei, Meldungen von einem Missbrauchsverdacht aus Kitas, Hinweise von Nachbarn“, so Völlmecke. In zwei Drittel der Fälle werden die staatlich in Obhut genommenen Kölner Kinder dann von beauftragten Freien Trägern der Jugendhilfe betreut, die Aufenthalte in Einrichtungen oder Pflegefamilien organisieren. Die Kosten werden mit den Ämtern abgerechnet. Die anderen Kinder werden in der städtischen „Kids“-Einrichtung mit 250 Plätzen betreut.

In einem ARD-Beitrag wurden am Montag unter dem Titel „Mit Kindern Kasse machen“ Einzelfälle aus anderen Städten gezeigt, die Autoren übten Kritik an mangelnder Betreuung durch einige genannte Träger. „Der Markt der stationären Einrichtungen wächst und ist lukrativ“, hieß es in der Sendung. In einem Fall gab es Kritik an der in Köln sitzenden „Stiftung Leuchtfeuer“. Die Stiftung weist Vorwürfe detailliert zurück und hat einen Anwalt eingeschaltet. Als gemeinnützige Stiftung dürfe sie keine Gewinne erwirtschaften und unterliege einer strengen Überwachung. Ein ausführliches Statement dazu steht auf der Homepage http://www.stiftung-leuchtfeuer.de.

Der stellvertretende Leiter des Kölner Jugendamtes sagte zum Thema „Hilfen zur Erziehung“, dass es in Köln klar festgelegte Rahmenbedingungen und Kontrollen gebe. Die Kommune arbeitet, so Völlmecke, mit zahlreichen freien Trägern zusammen, mit „Leuchtfeuer“ im Rahmen ambulanter Hilfen durch Fachkräfte, die in Köln eingesetzt werden.

Die Kölner Jugendverwaltung ist grundsätzlich bei allen entfernten Unterbringungen und Betreuungen über Träger „sehr zurückhaltend. Wir versuchen in der Regel, die Kinder in Köln zu platzieren und in der direkten Umgebung zu lassen“, so Völlmecke. Neben pädagogischen Gründen spielen auch Aspekte der besseren Kontrolle eine Rolle. „Bei der Zusammenarbeit legen wir sehr großen Wert auf die Qualität und arbeiten gezielt daran, dass unsere Vorgaben auch eingehalten werden.“ So müsse auch stets gewährleistet sein, dass die untergebrachten Kinder bei Beschwerden oder Fragen immer direkt die zuständigen Mitarbeiter ansprechen können. Es gibt eine Reihe weiterer Maßnahmen, die aus den Treffen des Runden Tischs Heimerziehung resultieren, und regelmäßige „Hilfeplangespräche“ mit den Einrichtungen vor Ort.

Das Risiko, an schwarze Schafe in der Branche zu geraten, liegt nach Meinung von Jugendhilfeexperten im Promillebereich, doch auch Einzelfälle gelte es bereits im Vorfeld zu verhindern.

Köln, Erstellt 25.02.2015

http://www.rundschau-online.de/koeln/jugendamt-koeln-immer-mehr-kinder-in-obhut,15185496,29972968.html

Tgas:  Inobhutnahmen – DE

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