«Das nennt man Eltern-Kind-Entfremdungssyndrom»

«Der Kampf für die Jungs hat sich gelohnt»

Weil er sich von den Behörden übergangen und als Vater diskriminiert fühlte, wandte sich ein geschiedener Vater vor 20 Jahren an den «Landboten».
Das Sorgerecht für seine beiden Söhne, das ihm damals verwehrt wurde, erhielt er später doch noch. Rückblick auf eine Lebens- und Leidensgeschichte.

 

Vor zwanzig Jahren entschied ein Gericht, das Sorgerecht seiner Ex-Frau zu übertragen. Von da an durfte Manuel Rossi* seine Söhne, die damals 7 und 8 Jahre alt waren, nur noch an zwei Wochenenden im Monat sehen, von Samstag 14 Uhr bis Sonntag 20 Uhr. Für Rossi war das viel zu wenig, er kämpfte und argumentierte, aber vergeblich. Rossi fühlte sich weder vom Richter noch vom Erziehungsbeistand verstanden, und als Vater nicht respektiert. Ende Dezember 1996 erzählte Rossi sein Schicksal im «Landboten». Er wolle nicht nur ‹Zahlvater› sein, sagte er damals. «Wenn ich da gewusst hätte, wie glücklich ich jetzt bin – ich hätte es nicht geglaubt», sagt er heute.

Hörstürze und ein Herzinfarkt

Aber von vorne: 1996 verliert der damals 52-jährige Vater mit der Scheidung das Sorgerecht für seine zwei Söhne. Und das, obwohl seine Ex-Frau alkoholabhängig war. Unter den zwei Wochenenden im Monat, die er seine Kinder sieht, leidet die Beziehung, er hat Angst, seine Kinder zu verlieren. Die zwei Buben wollen nicht ans Telefon, wenn er anruft. Nach einem Wochenende bei ihm, wollen sie aber auch seine Hand nicht wieder loslassen. «Das nennt man Eltern-Kind-Entfremdungssyndrom», sagt Rossi. Das habe er herausgefunden, als er nach Erklärungen für das Verhalten seiner Kinder suchte. Weil Kinder nach der Trennung ihrer Eltern Boden unter den Füssen brauchten, wiesen sie einen Elternteil von sich, umreisst Rossi das Verhalten. «Mich hat die Situation damals zerrissen», sagt er. Zu seinem Kummer, die Kinder öfter sehen zu dürfen, kamen die immer häufigeren spontanen Besuche des jüngeren Sohnes. «Er hat regelmässig vor der Schule bei mir geklingelt, weil er kein Frühstück gekriegt hatte und jemanden brauchte, der ihm zuhört», sagt Rossi. Der Stress und die Sorgen wirkten sich auf seine Gesundheit aus. Er hatte mehrere Gehörstürze und dann einen schweren Herzinfarkt.

Mit Hungern Gehör verschafft

«Als ich im Spital lag, sagte ich mir: Das reicht.» Er esse erst wieder, wenn der Erziehungsbeistand ihn für ein Gespräch besuche, sagte Rossi. Tatsächlich kam dieser im Spital vorbei. Er hörte sich Rossis Version an, las die Tagebucheinträge, die der Vater seit Jahren führte. «Da hat er zum ersten Mal die Aussagen meiner Ex-Frau, die Kinder wollten mich gar nicht sehen, angezweifelt.» Kurz nachdem Rossi aus dem Spital entlassen wurde, seien die Söhne mit ihren Rucksäcken vor seiner Tür gestanden: «Wir ziehen zu dir», hätten sie gesagt. Rossi wollte, dass die zwei das auch dem Richter mitteilten. Die Buben, damals 12 und 13 Jahre alt, erklärten also in einem Brief, dass sie beim Vater wohnen wollten. «Doch das reichte nicht», erzählt Rossi. «Der Richter misstraute mir erneut. Er dachte, ich manipuliere die Buben.» Dann wurde das Sorgerechtsverfahren aber neu aufgerollt. Rossi verlangte das gemeinsame Sorgerecht. «Weil die Mutter aber derart die Fassung verlor und sagte, ich sei ein Spinner, sprach der Richter am Ende mir das Sorgerecht zu», sagt er und schiebt nach: «Meiner Ex-Frau werfe ich nichts vor; sie ist krank.» Das war 2004. Rossi suchte für den älteren Sohn eine Lehrstelle. «Er hatte Pech mit den Lehrern und landete in der Sek B.» Heute habe er eine gute Position bei der SBB, er sei stolz auf seinen Sohn.

«Zwei Buben, denen es so gut geht – das ist mehr als zwei Sechser im Lotto»Manuel Rossi*

Der jüngere Sohn hat vor Kurzem mit einem Doktorat begonnen. Als er den positiven Bescheid von der ETH Zürich erhielt, weilte der Sohn in Kopenhagen in den Ferien. Rossi stieg, als er davon erfuhr, in seinen Cinquecento fuhr schnurstracks in die dänische Hauptstadt, um ihm zu zeigen, wie stolz er auf ihn ist. «Zwei Buben, denen es so gut geht – das ist mehr als zwei Sechser im Lotto», sagt er heute. Aber der Kampf ums Sorgerecht habe bleibende Spuren hinterlassen. Er sei depressiv gewesen und habe sich zweimal selbst in eine Klinik eingewiesen. Vor drei Jahren sei er zusammengebrochen. «Ein halbes Jahr vor meiner Pensionierung wurde ich ein IV-Fall.» Nun fühle er sich gut. Antidepressiva nehme er keine mehr. Der 69-Jährige hat Winterthur vor Kurzem verlassen, die Stadt verknüpft er mit viel Negativem, vor allem die Vormundschaftsbehörde und das Gericht. «Ich will, dass kein Kind und kein Vater dasselbe erleben muss, wie ich.»

*Name geändert. (Landbote)

(Erstellt: 22.08.2016, 17:47 Uhr)
http://www.landbote.ch/front/der-kampf-fuer-die-jungs-hat-sich-gelohnt/story/25674741

Kesb-Mann ergaunerte Millionen-Erbschaft

 Kesb-Mann ergaunerte Millionen-Erbschaft

Ein Mitarbeiter der Kesb St. Gallen soll das Vermögen einer fast blinden 92-jährigen Frau und IV-Geld erschlichen haben.

Dafür soll er vier Jahre ins Gefängnis.

storybild

Ende Oktober muss sich der mutmassliche Betrüger vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten.

Zum Thema

Die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter der St.Galler Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) wiegen schwer: Mit einem gefälschten Testament soll sich der 58-Jährige das Erbe einer fast blinden 92-jährigen Frau ergaunert haben. Wie die «St. Galler Nachrichten» schreiben, sei der Mann kurz nach dem Tod der Frau im Februar 2014 Amtsnotariat St.Gallen vorstellig geworden.

Dort habe er ein in zittriger Schrift verfasstes Testament vorgelegt. Der Kesb-Mann war Beistand der Verstorbenen. In dem Testament sei ihm das ganze Vermögen Frau vermacht worden, berichtete die Zeitung weiter; rund eine Million Franken sei auf sein Konto überwiesen worden. Zudem habe der Mann den Haushalt der Frau aufgelöst und Schmuck und Bargeld an sich genommen.

Ein Mercedes CLK und ein Motorboot

Da die drei gesetzlichen Erben davon ausgegangen seien, dass das Testament rechtens sei, hätten sie die Erbschaft nicht angefochten. Der mutmassliche Betrüger habe es sich derweil gutgehen lassen: Laut Anklageschrift kaufte er sich einen Mercedes CLK und ein Motorboot.

Doch damit hatte der 58-Jährige offenbar noch nicht genug: Er soll auch eine IV-Rente bei der SVA Zürich beantragt haben, heisst es weiter. Nach einem Bandscheibenvorfall, einem Magenbypass und einem Magenbruch leide er an Schmerzen, die es ihm eine Arbeit verunmöglichen würden, argumentierte er.

Vier Jahre Haft gefordert

Im März 2014 wurde ihm dann eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit und ein Invaliditätsgrad von 66 Prozent attestiert. Und obwohl er angegeben habe, dass er kein Einkommen habe und er sich tagsüber im Bett entspannen müsse, erledigte er fleissig administrative Arbeiten für Nachbarn und arbeitete auch weiterhin für die Kesb als privater Beistand. Schliesslich bekam SVA Zürich Wind von der Sache: Sie sistierte die Rente im November letzten Jahres.

Nun muss sich der Mann vor dem Kreisgericht St. Gallen wegen mehrfacher Veruntreuung, mehrfachen Betrugs, Urkundenfälschung und Erschleichen einer Falschbeurteilung verantworten. Er soll das Testament der 92-jährigen Frau selber geschrieben haben, glauben die Untersuchungsbehörden. Mit verstellter, zittriger Schrift habe er das Notariat und die Angehörigen der Verstorbenen getäuscht. Ihm droht eine Haftstrafe von vier Jahren.

(rar)

St. Gallen, 24. September 2015 16:29; Akt: 25.09.2015 13:01Print
http://www.20min.ch/schweiz/ostschweiz/story/Kesb-Mann-ergaunerte-Millionen-Erbschaft-15784385

KESB Jugendamt „ungenügende Ausbildung – fehlender Empathie – viel zu viel Macht“

Wie schuldig ist die Kesb?

Kesb Schweiz Kritik Obhutsentzug Kindesentzug Blog Rechte Eltern Kinder
© Getty ImagesKinder brauchen jemanden, der sich für sie einsetzt, schreibt Sandra C.

Ein Vater bringt zwei Mädchen nach einem Besuch nicht zurück ins Heim, sondern schickt sie mit deren Mutter auf die Philippinen. Die Zustände bei der Familie wurden von der Kinder­- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb als unzumutbar für die Kinder eingeordnet, sie wurden fremdplatziert. Noch schlimmer ist der Fall von Flaach, in dem zwei kleine Kinder sterben mussten. Umgebracht von der eigenen Mutter, welche der Obhutsentzug durch die Kesb offenbar dermassen verzweifeln liess. Umgekehrt stirbt in Zürich ein zehn Wochen altes Baby, erstickt vom Vater. Eine Nachbarin hat die Sozialen Dienste zwar auf die Familie aufmerksam gemacht, diese sahen allerdings keinen Anlass für eine Meldung an die Behörde.

Diese und andere Fälle geistern seit geraumer Zeit durch die Medien und lösen heftige Diskussionen über die Kesb aus. Sie treffe Fehlentscheide, sei überfordert, inkompetent und handle willkürlich, ist auf der Internetseite «Stopp der Kesb-Willkür» zu lesen. Eine der prominentesten Kesb-Gegnerinnen ist Bestsellerautorin Zoe Jenny. «Anstatt den Obhutsentzug als allerletzte Massnahme anzuwenden, macht die Kesb das Gegenteil und trennt Kinder viel zu schnell von ihren Eltern», sagt sie in einem Interview. Und: «Politiker kreierten ein Bürokratie­-Monster. Bei dieser Behörde haben Menschen mit ungenügender Ausbildung und oftmals fehlender Empathie viel zu viel Macht.»

Vor zweieinhalb Jahren wurde die damalige Vormundschaftsbehörde, welche aus Laien bestand, von der professionellen Kesb abgelöst. Laut Homepage hat sie die Aufgabe, «den Schutz von Personen sicherzustellen, die nicht selbstständig in der Lage sind, die für sie notwendige Unterstützung einzuholen. So beispielsweise wenn sie noch minderjährig sind und die Eltern sich nicht kümmern können… In besonderen Fällen kann die Behörde die Unterbringung in einem Heim anordnen.» Vor einigen Monaten untersuchte das Schweizer Kompetenzzentrum für Menschenrechte SKMR im Auftrag des Bundes in einigen Kantonen, wie sich die damalige Gesetzesrevision auf das Wohl der Kinder ausgewirkt hat. Und fand tatsächlich einige Mängel.
So fehle es bei den Richtern, welche Kinder anhörten, an einer spezifischen Ausbildung. Zudem werde die Meinung der Kinder nicht in ausreichendem Masse berücksichtigt.

Was die Fälle, die in den Medien veröffentlicht wurden, betrifft, muss man zugunsten der Kesb sagen, dass die Berichterstattung oft sehr einseitig ausfällt, da sich die Behörde zu konkreten Fällen nicht äussern darf.

Nun, Fakt ist: Heutzutage müssen zwar Hundehalter einen Fähigkeitstest ablegen, Kinder haben darf jeder. Kinder werden geschlagen, missbraucht, vernachlässigt. Auch von den eigenen Eltern. Auch in unserem Land. Diese Kinder brauchen jemanden, der sich für sie einsetzt. Diesen Leuten dabei generell Bürokratie und Herzlosigkeit vorzuwerfen, finde ich unangebracht. Klar gibts auch bei der Kesb Bürokraten, so wie überall. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass jemand, der oder die sich entscheidet, bei einer solchen Behörde zu arbeiten, ganz grundsätzlich schon mal mehr Einfühlungsvermögen hat als viele andere.

Vielleicht ist es ein ganz blöder Vergleich, aber mit den Entscheidungen der Kesb ist es ein bisschen so wie mit dem Impfen. Entscheide ich mich dagegen, und mein Kind stirbt an einer Hirnhautentzündung, verzeihe ich mir das nie! Entscheide ich mich dafür, muss ich mir bewusst sein, dass manchmal auch Nebenwirkungen vorkommen. Und ja, ab und zu auch fatale.

Fakt ist aber auch: Eltern lieben ihre Kinder. Egal, wie überfordert sie mit ihnen sind. Und Kinder lieben ihre Eltern. Egal, wie überfordert diese mit ihnen sind. Eltern und Kinder voneinander zu trennen, ist etwas vom Schlimmsten, was man beiden antun kann. Selbst wenn es manchmal unausweichlich ist. Vielleicht (und auch hier geht es um Einzelfälle, nicht um die Regel) unterschätzt die Kesb manchmal die Ohnmacht und Wut, welche ein Obhutsentzug in einem ­ sowieso schon labilen ­ Elternteil auslöst. Man fühlt sich hilflos, allein gelassen, unverstanden. Ist nicht mehr zum Dialog bereit. Und irgendwann kommt es zum Äussersten. Aus purer Verzweiflung.

Die beiden Kinder von Flaach würden vermutlich noch leben, wären die Behörden nicht eingeschritten (unter welchen Umständen auch immer). Und das Baby von Zürich würde vermutlich auch noch leben, hätten sie die Chance gehabt, einzuschreiten.

Im Dossier: Alle «Der ganz normale Wahnsinn»-Beiträge

Jugendamt – KESB – Autorin Zoë Jenny setzt sich mit ihrer kleinen Tochter Naomi (5) ins Ausland ab

Autorin Zoë Jenny setzt sich mit ihrer kleinen Tochter Naomi (5) ins Ausland ab – Flucht vor der Kesb!

SonntagsBlick: Frau Jenny, warum haben Sie die Schweiz verlassen?
Zoë Jenny:
Ich habe die Kindes-und Erwachsenenschutzbehörden öffentlich kritisiert und auf Missstände hingewiesen. Kurz nach meinem Auftritt in der TV-«Arena» erhielt ich einen Brief von der Kesb Ausserschwyz, dass man mir einen Erziehungsbeistand zur Seite stellen wolle. Als ob ich, weil ich mich gewehrt habe, eine schlechte Mutter wäre und nicht für meine Tochter sorgen könnte! Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht und gezeigt, wie diese Behörde Kritiker konsequent einschüchtert. Ich lasse mich aber weder terrorisieren noch mundtot machen.

Sie hatten Angst, dass man Ihnen Ihre Tochter wegnimmt?
Die Obhut ist schnell entzogen. Aber ich war auch entsetzt. In ­einem Land, wo man so mit ­Familien umgeht, will ich nicht leben. Man hat mich behandelt wie eine Kriminelle und mein Bild der Schweiz zerstört. Das macht mich sehr traurig.

Wie sehen Sie Ihr Heimatland heute?
Friedrich Dürrenmatt hat die Schweiz einmal als Gefängnis beschrieben. Ich sage: Mittlerweile ist die Schweiz eine Anstalt, und die Bevölkerung ist nach Ansicht der Behörden schwer erziehbar. Der Staat hat kein Vertrauen mehr in seine Bürger. Er mischt sich ungefragt und unbegründet in das Leben von Tausenden Familien ein. So ein Staat hat keine Zukunft.

Sie kritisieren die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden massiv. Aber auch das alte System der Vormundschaftsbehörden war nicht perfekt. Und bei verschiedenen Kesb heisst es, die Zahl der Obhutsentzüge sei zurückgegangen. 
Ich habe noch keine Zahlen gesehen, die mir das gezeigt hätten. Fakt ist: Seit Einführung der Kesb werden Fälle kreiert. Die Behörden nehmen Eltern heute viel zu schnell die Kinder weg. Das ist hochgefährlich und verwerflich. Gleichzeitig spriessen Firmen aus dem Boden, die Kinder an Heime und Pflegefamilien vermitteln und die Gutachten erstellen. Heime müssen schwarze Zahlen ­schreiben. Das viel zitierte Kindeswohl wird zur Geldmacherei missbraucht. Das sind Missstände, die ich nicht hinnehmen kann.

Es gibt durchaus Fälle, wo die Kesb eingreifen muss. Wenn die Eltern ihre Kinder misshandeln, alkohol- oder drogenabhängig sind.
Das stimmt. Aber in meinem Fall hätte man gar nichts machen müssen. Man hätte teure Arbeitsstunden und sinnlosen Papierkrieg sparen können. Aber sobald sich die Kesb einmischt, geht die Hölle los. Sie spielen ­Eltern systematisch gegeneinander aus, das habe ich auch mit meinem Ex-Mann erlebt. Dann sagen sie, die Eltern könnten nicht mehr miteinander kommunizieren und man müsse ­ihnen das Kind wegnehmen. Die Kesb entfremdet Kinder von den Eltern, sie zerstört Kindheiten.

Wo steht Ihr eigener Fall heute?
Grundsätzlich ist die Kesb nicht mehr zuständig, seit ich im Ausland lebe. Meine Anwältin hat nach meinem Wegzug vergeblich versucht, das Verfahren einzustellen. Stattdessen drohte man mir mit Sanktionen. Erst als sich SVP-Nationalrat Pirmin Schwander mit einem Brief an die Behörde wandte und ein Strafverfahren ankündigte, wurde der Fall augenblicklich geschlossen. Wenn das keine Willkür ist! Seit ich in Wien lebe und die Kesb nicht mehr involviert ist, habe ich übrigens wieder ein sehr gutes Verhältnis mit meinem Ex-Mann. Wir brauchen keine Anwälte mehr und regeln die Dinge selbst.

In Wien lebt Zoë Jenny zusammen mit ihrem Partner Manfredo (53). Er kommt aus Wien, auch seine Eltern und seine beiden Töchter aus erster Ehe leben dort. Jenny will in der österreichischen Hauptstadt glücklich werden – und führt ihren Kampf gegen die Kesb von dort aus weiter. Am nächsten Freitag organisiert sie eine Mahnwache in Zürich, an der auch die Psychotherapeutin Julia Onken (72) und der Rock-Musiker Chris von Rohr (63) teilnehmen. Dort will Jenny Unterschriften für eine Volksinitiative zur Abschaffung der Kesb sammeln. Der Text wird derzeit von Staatsrechtlern geprüft.

«Gefangen in der Anstalt Schweiz»

Gleichzeitig will Jenny den Fall Flaach ZH bis an den Euro­päischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg ziehen – und in Artikeln ausländischer Medien auf die Missstände in der Schweiz hinweisen. «Ich kämpfe auch aus dem Exil weiter», sagt Jenny. «Das bin ich den über 1000 Menschen, die mir bisher ihre unglaublichen Geschichten geschrieben haben, schuldig. Denn die meisten können es sich nicht leisten, auszuwandern wie ich. Sie sind gefangen in der Anstalt Schweiz. Es tut mir von Herzen leid für dieses schöne Land.»

Zoë Jennys Kinderrechts-Projekt: www.kindergerechte-justiz.ch

Mahnwache am 13. März 2015 von 14.00 – 17.30
in der Stadthausanlage Zürich

Wir trauern um die verstorbenen Kinder im Fall Flaach und fordern die Entmachtung der KESB. 

Publiziert: 08.03.2015, Von Katia Murmann (Text) und Regina Hügli (Fotos)

http://www.blick.ch/news/schweiz/autorin-zoe-jenny-setzt-sich-mit-ihrer-kleinen-tochter-naomi-5-ins-ausland-ab-flucht-vor-der-kesb-id3547707.html

Autorin Zoë Jenny setzt sich mit ihrer kleinen Tochter Naomi (5) ins Ausland ab: Flucht vor der Kesb! | Blick

Sie wollte die Kinder nicht ins Heim bringen

Familien-Drama in Flaach ZH
Sie wollte die Kinder nicht ins Heim bringen

FLAACH – ZH – Horror-Fund in einer Wohnung im Kanton Zürich: Beamte fanden gestern die Leichen zweier Kinder. Die Mutter wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen.

Familiendrama in Flaach ZH: Die beiden Kinder Alessia (2) und Nicolas K.* (5) sind gestern Abend getötet worden. Unter dringendem Tatverdacht: ihre Mutter Natalie K.* (27).

Die Mutter hat habe um 21.30 Uhr der Einsatzzentrale der Polizei gemeldet, dass ihre beiden Kinder tot seien, teilt die Zürcher Kantonspolizei heute mit.

«Die genaue Todesursache ist noch ungeklärt», sagt Kapo-Sprecher Werner Schaub zu Blick.ch. Das Institut für Rechtsmedizin werde die entsprechenden Untersuchungen durchführen.

Die ersten Polizisten vor Ort hätten unverzüglich mit Reanimationsbemühungen begonnen, sagt ein Polizeisprecher. Der beigezogene Notarzt habe die Wiederbelebungsversuche fortgesetzt.

Auch ein Team der Rega sei alarmiert worden. Alle Bemühungen seien aber vergebens gewesen. Die beiden Kinder seien noch in der Wohnung verstorben.

Der Vater sitzt im Gefängnis

Bei der Tötung scheint es sich um eine Verzweiflungstat zu handeln. Die Frau hätte ihre Kinder am Sonntag zurück in ein Zürcher Heim bringen müssen. Sie waren seit dem 19. Dezember bei ihrer Mutter.

Im Heim waren sie wegen einer Polizeiaktion am 4. November, bei der die Eltern wegen Betrugsverdachts festgenommen wurden. Die Mutter wurde wenige Tage später wieder auf freien Fuss gesetzt, Vater Mike K.* (28) sitzt nach wie vor hinter Gittern.

Natalie K. wollte verhindern, dass die Kinder am Sonntag wieder in das Heim zurückkehren mussten. «Ich war die letzten 6 Jahre Hausfrau und Mutter und immer da für meine Kinder. Und nur weil mein Mann nun im Gefängnis sitzt, müssen meine Kinder dafür bezahlen?», schrieb sie vor wenigen Tagen in einer E-Mail an Blick.ch und andere Schweizer Medien – beigelegt der Entscheid der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), die den Eltern die Ohbut über die Kinder entzogen hatte.

«Zur Beruhigung der Situation», wie die Kesb schrieb, wurde der Mutter über die Feiertage ein grosszügiges Besuchsrecht gewährt.

«Hatte nichts mit den Betrügereien meines Mannes zu tun»

Die Untersuchungen der Polizei hätten gezeigt, «dass ich nichts mit den Betrügereien meines Mannes zu tun hatte und ebenfalls ein Opfer seiner Lügen war», schreibt Natalie K.

Es spreche gar nichts dagegen, ihr die Kinder zurückzugeben. «Aber trotzdem will die Kesb die Kinder weiterhin ins Heim stecken.» Dort seien sie doch nur «verängstigt und verstört». Darüber, dass sie plant, ihren Kindern etwas anzutun, schrieb die Mutter nichts.

Blutüberströmt festgenommen

Die Mutter war noch vor dem Eintreffen der Polizei aus dem Wohnhaus geflohen. Im Zuge der sofort eingeleiteten Fahndung habe sie jedoch kurze Zeit später in der Nähe des Tatorts verhaftet werden können.

«Sie kam blutüberströmt aus dem Wald», sagt eine Augenzeugin zu Blick.ch. Hinter der 27-Jährigen sei ein Kastenwagen der Polizei gefahren. «Legen Sie das Messer weg» hätten die Beamten gerufen. Mit auf sie gerichteter Waffe hätten die Polizisten die Frau dann überwältigt.

Das Paar wohnte laut einem Nachbarn seit August in der Wohnung in Flaach, habe dabei offensichtlich aber Probleme gehabt, die Miete bezahlen zu können. Auf Ende November hätten die beiden die Wohnung wieder gekündigt, aber keine neue Bleibe gefunden.

«Wir sind sehr betroffen»

Die Menschen in der Zürcher Gemeinde sind ob der Tat erschüttert. «Wir sind sehr betroffen», sagt Gemeindepräsident Walter Staub (47).

Die Familie hatte offensichtlich finanzielle Probleme. «Die Gemeinde hat der Frau Ende November noch Nothilfe geleistet», sagt Staub.

Mutter ist tatverdächtig – Befragung muss warten

Aufgrund der bisherigen Ermittlungen habe sich ein dringender Tatverdacht gegen die Mutter ergeben, erklärt die Polizei. Sie habe sich aber selber Verletzungen zugefügt. Sie habe deshalb noch nicht zur Tat befragt werden können. Die Verletzungen seien nicht lebensbedrohlich, sagt der Sprecher weiter. Die Frau werde voraussichtlich erst in einigen Tagen befragt werden können.

Die Mutter sei der Polizei nicht wegen Gewaltdelikten oder psychischer Auffälligkeit bekannt gewesen, sagt der Polizeisprecher. Weitere Angaben macht er mit Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht.

Fall erinnert an Zwillingsmord von Horgen

Die weiteren Abklärungen in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich seien im Gang. Weitere Einzelheiten sowie die Hintergründe der Tat seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Der Fall weckt Erinnerungen an das Tötungsdelikt an zwei Kindern im zürcherischen Horgen in der Nacht auf Heiligabend 2007. Die beiden siebenjährigen Zwillinge waren damals von ihrer Mutter in ihren Betten erstickt worden. Die Mutter wurde im Dezember 2013 wegen mehrfachen Mordes vom Zürcher Obergericht zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. (SDA/noo/bme/eg/spi)

Beliebteste Kommentare

  • Markus  Koch , Rupperswil , via Facebook

    „Laut dem Gemeindepräsidenten hat sich die Kesb mit der Familie beschäftigt.“Ach ja? Genau, die KESB, die immer weit Weg von den Geschehnissen ist. Früher regelten solche Sachen die Gemeinden selber, denn die Leute vor Ort können die Situation besser einschätzen, als ein „Weit-Weg-Amt“ mit 100ten anderen Fällen! Tragisch, traurig und beschämend, dass wieder die Schwächsten Opfer wurden!

  • RONALD  Lack , Basel

    Immer wenn sich die Kesb in Familienangelegenheiten einmischt passiert etwas. Leider hat es in dieser Organisation nur Leute die Geld beziehen und kein Fachwissen haben. Die Kesb gehört aufgelöst und die Gemeinden sollen wieder wie früher das übernehmen.

Alle Kommentare (37)

  • Hansruedi  Meister , St. Gallen

    Seit diese KESB im Amt ist geht alles schief. Diese Leute haben keine Ahnung sind Chaoten! Das sind alle nur Theoretiker haben keine Ahnung was in einer Familie abgeht! Sie haben ja auch keine Beziehung zu den Leuten was soll sie das Schicksal von anderen kümmern!
    • heute, 10:48 Uhr
    • 135
    • 6
  • Bianca  Wiss

    Warum muss die KESB immer mit der Holzhammermethode vorgehen. Die Mutter war total verzweifelt, da gilt es doch herrgott nochmals zu helfen, aber nicht in Form von alles wegnehmen, vor allem das Liebste. Ich kann nicht begreifen, warum man so gefühlskalt einfach in solche heiklen Situationen eingreifen muss, da ja auch noch liebende Grosseltern vorhanden waren. Es gilt doch, zusammen mit einer Familie Lösungen zu suchen und nicht einfach zu bestimmen, wie es den Ämtern grad so passt. Katastrophe
    • heute, 09:26 Uhr
    • 154
    • 6
  • wolff  roger , engishofen

    diese moralische schuld der zuständigen Behörden die durch ihre Fehler und Unkompetenz entstandene Tragödie kann und wird ihnen niemand Abnehmen!!!!
    • heute, 09:02 Uhr
    • 110
    • 5
  • Silvia  Fischer , Zürich

    Es ist nur zu hoffen, dass die verantwortlichen Leute, die einer liebenden Mutter und liebenden Grosseltern die Kinder / Enkel entziehen wollten und die Mutter so in den Wahnsinn getrieben haben, zur Rechenschaft gezogen werden. Dieser Entscheid bezahlten zwei Kindern mit ihrem Leben, machte eine Frau für immer unglücklich, zerstörte ihr Leben und den Familienfrieden mehrerer Familien.
    • heute, 01:38 Uhr
    • 141
    • 11
  • Daniel  Kohler , Wohlen

    Wie viele Familientragödien braucht es eigentlich noch, bis man das KESB abschafft?