KESB der beste Feind

«Man führte einen Krieg gegen uns»: Autorin Zoë Jenny
 Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) ist in kurzer Zeit zur meistgehassten Behörde geworden. Wie konnte das nur passieren?

Kritik funktioniert richtig gut, wenn man sie in eine Ge­schichte verpackt. Beim «Stern» geht das so: Am 4. Juni besteigt der 88-jährige Klaus Seidel, begleitet von seinem Neffen Fritz, in Flüelen klammheimlich den 12.10-Uhr-Zug. Seidel flüchtet, weil die ­Urner Kesb ihn in ­einem Heim versorgen will. Knapp zwei Stunden später überqueren sie bei Basel unerkannt die deutsche Grenze. Im deutschen Asyl erklärt Klaus ­Seidel dem Reporter, er habe nur diese Wahl gehabt: «entweder in einem Heim völlig zu ­verblöden. Oder: Flucht».

Dafür habe er seine Frau zurücklassen müssen, die er wohl nie wiedersehen werde. Es sei vermutlich ein Abschied ohne Wiederkehr, wie damals bei den DDR-Flüchtlingen. Wer einmal gehe, der gehe für immer. Schuld daran sei die Urner Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, die Kesb.

Die Geschichte vom guten Herrn Seidel und der bösen Schweizer Behörde hat einen Haken: Sie schildert nur die eine Seite der Wahrheit. Die Geschichte des Urner Obergerichts zeigt die andere Seite. Nämlich die: Nach einem Schlaganfall kann der an Demenz und Alzheimer erkrankte Klaus Seidel nicht mehr für sich und seine Frau sorgen. Deshalb sollen die beiden in eine Pflegewohngruppe verlegt werden. Seidel und seine Familie wehren sich. Doch sie reichen trotz Aufforderung kein Konzept ein, wie sie ­Seidels Pflege sicherstellen wollen. Bedingung wäre eine Bezugsperson mit Pflege­erfahrung gewesen. Deshalb sei der Kesb nichts anderes übrig­geblieben, als das Paar in ein Heim einzuweisen.

«Das war reinster Psychoterror!»

Zoë Jenny, Schriftstellerin und Mutter

So funktionieren viele Kesb-Geschichten. Sie handeln von einer selbstherr­lichen Behörde, die durch Fehlentscheide ohnmächtige Menschen ins Elend stürzt und Unsummen an ­Steuer
geldern verschleudert. Es sind Tragödien, die von einer himmelschreienden Ungerechtigkeit berichten. Schuld ist immer die Kesb. Sie ­ist zum per­fekten Ziel für Wut und Hass gegen den Staat geworden. Man kann sie verhöhnen und verteufeln, als Stasi-­Behörde abstempeln, den Inbegriff ­des Unrechtsstaats. Die Kesb, das anonyme Monster, das Familien zerstört.

Eine Kritikerin der ersten Stunde ist die Schriftstellerin Zoë Jenny. Sie will die Kesb abschaffen, weil sie ihr das Leben zur Hölle gemacht und sie aus der Heimat vertrieben habe. Die Kesb, sagt Jenny, wolle ihr die Tochter wegnehmen. Der «Schweizer Illus­trierten» schilderte sie in drei Sätzen, was Sache ist: «Man führte einen Krieg gegen uns – so habe ich es empfunden. Daher spreche ich auch von Exil. Das war reinster Psychoterror!» Jenny, die besorgte Mutter, verteidige nur ihre Familie gegen die übermächtige Kesb. Die Methode: ins Ausland fliehen und von dort aus zurückschlagen, um den Drachen zu töten. Jennys Waffen sind nicht die Schwerter, sondern Interviews und die Androhung einer Volksinitiative.

Der Vater reist aus Bali an

Was seine Familie zerstöre, sei nicht die Kesb, sondern Zoë Jenny, sagte ihr Exmann Matthew Homfray in der «SonntagsZeitung», nachdem er lange geschwiegen hatte. Jenny verhindere mit allen Mitteln, dass er das gemeinsame Sorgerecht für die Tochter ausüben könne. Alle zwei Monate fliege er von Bali nach Wien, um wenigstens ein paar Stunden mit seiner Tochter verbringen zu können. Mehr toleriere seine Exfrau nicht. Sobald eine ­Behörde seine Besuchszeiten auf die Nacht ausweite, wechsle Jenny den Wohnsitz. Deshalb sei sie vom Kanton Basel ins italienische Grosseto, in den Kanton Zürich, weiter nach Schwyz und schliesslich nach Wien umgezogen. Seine Einschätzung ist diametral anders als diejenige seiner Exfrau: «Die Kesb muss im Interesse des Kindes handeln. Genau das hat sie in meinem Fall immer getan.»

Das Muster ist immer dasselbe: Hört man sich eine Seite an, ist die Empörung gewiss. Vernimmt man die andere, empört man sich gleich nochmals. Und bleibt konsterniert zurück.

Eigenartig am Kesb-Bashing ist: Experten, die mit der Sache vertraut sind, schildern die Arbeit der Kesb fast durchwegs als positiv. Sie kritisieren einzelne Entscheide und verweisen auf Probleme, mit denen die Behörde kämpft. Alle sagen jedoch: Die Kam­pagne, die gegen die Kesb laufe, sei nicht repräsentativ.

Behörde KESB Schweiz
Behörde KESB Schweiz
«Die Behörde ekelte uns aus der Schweiz»: Zoë Jenny bekämpft die Kesb auch noch von Wien aus.

Eine Einschätzung, die die Experten des Beobachter-Beratungszen­trums teilen, die fast täglich Klagen über die Kesb zu hören bekommen. «Unter dem alten System waren wir immer wieder mit Willkür­entscheiden lokaler Behörden konfrontiert, die mitunter gegen geltendes Recht verstiessen», sagt Walter Noser. «Inzwischen beschränkt sich unsere Beratung fast ausschliesslich darauf, den Betroffenen Entscheide der Kesb zu erklären; etwa, was ein gemein­sames Sorgerecht für die getrennten ­Eltern und ihre Kinder konkret be­deutet.» Das Verrückte dabei sei: «Die meisten verstehen das dann auch.»

Selbstverständlich gibt es gewich­tige Kritik. So bemängeln Experten das Fehlen von Pikettdiensten rund um die Uhr, zu knapp bemessene ­Stellenpläne, die hohe Personalfluk­tuation oder die Tendenz, Entschei­dungs­gremien personell aufzublähen, damit am Schluss niemand für einen Entscheid geradestehen muss.

Dass die Kesb Kritik auf sich zieht, liegt in der Natur ihrer Aufgabe. Sie muss von Gesetzes wegen einschreiten, wenn jemand schutzbedürftig oder gefährdet ist. Und Entscheide fällen, die tief ins Private hineinreichen und einschneidende Konsequenzen für das Leben der Betroffenen haben können. Dass es immer wieder solche gibt, die nicht alle Parteien zufriedenstellen, versteht sich von selbst.

Das José-Mourinho-Prinzip

In diesem Klima der Kesb-Hetze kann es leicht passieren, dass Täter zu ­Opfern werden. Wie beim Fussball, wenn ein Spieler wegen eines üblen Fouls rotsieht und der Schiedsrichter hinterher schuld an der Niederlage ­gewesen sein soll. Ein Meister solcher Verdrehungen ist Startrainer José Mourinho, der alles und jeden beleidigt, der dem Erfolg im Weg steht.

Das Mourinho-Prinzip der Diffamierung ist in der Schweiz angekommen. Das geht dann so: Eine Behörde nimmt den Eltern die Kinder weg. Die Mutter kämpft mit allen Mitteln gegen diesen Entscheid. Über die Feiertage können die Kinder heim zu ihr.

An Silvester teilt der Bezirksrat der Anwältin der Mutter schriftlich mit, dass ihre Beschwerde abgewiesen worden sei und die Kinder zurück ins Heim müssten. Die Mutter erfährt am Neujahrstag per E-Mail davon. Am Nachmittag berät sie sich mit ihren 
Eltern. Sie kommen zum Schluss, dass Mutter und Kinder untertauchen müssen. In der Nacht, allein zu Hause, sieht die Mutter keinen Ausweg mehr. Die Grosseltern berichten hinterher, die Mutter habe ihre zweijährige 
Tochter und ihren fünfjährigen Sohn vom Kinderheim «erlösen» wollen. Ein halbes Jahr später begeht die Mutter in der Untersuchungshaft Suizid. Ein schreckliches Drama.

Diese Geschichte, der sogenannte Fall Flaach, ist für Kesb-Gegner wie Zoë Jenny der Beweis, dass man die Kesb abschaffen sollte. Für sie trägt allein die Behörde die Schuld daran, dass Alessia und Nicolas sterben mussten. Die Mutter habe nicht anders gekonnt.

Da wird eine Täterin zum Opfer verklärt und mit einer Tragödie Politik gemacht. Solche Geschichten, die beweisen sollen, wie unmenschlich die Kesb agiert und dass sie besser heute als morgen abgeschafft gehört, funk­tionieren nur, wenn man sich mit der halben Wahrheit zufriedengibt.

 Autor: Martin Vetterli, Bild, Jürgen Bauer / Süddeutsche Zeitung Photo

Zoë Jenny über ihre Flucht aus der Schweiz «Man führte einen Krieg gegen uns»

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Zoë Jenny lebt mit ihrer Tochter Naomi und Freund Manfredo Iazzetta in Wien.

Seit Januar wohnt Zoë Jenny, 41, mit ihrer Tochter Naomi, 5, und ihrem Lebenspartner Manfredo Iazzetta, 53, in Wien. Nicht freiwillig. «Wir leben hier im Exil», sagt die Schriftstellerin, die im Alter von 22 Jahren mit «Das Blütenstaubzimmer» einen Bestseller landete, zur «Schweizer Illustrierten». «Die Behörden haben uns aus der Schweiz geekelt!»

Im Oktober trat Jenny in der SRF-Sendung «Arena» zum Thema «Kinderschutz oder Behördenwahn?» auf und kritisierte dort die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) scharf. Genau eine Woche später sei ein Brief der KESB in ihr Haus in Schwyz geflattert.

Mittels diverser Gutachten sollte die Erziehungsfähigkeit der Autorin geprüft werden. «Das war offensichtliche Einschüchterungstaktik, um Kritiker wie mich mundtot zu machen», ist sich Zoë Jenny, die sich im Dezember 2011 vom Vater ihrer Tochter trennte, sicher. Ihr war sofort klar: Sie wird mit ihrer Familie die Schweiz verlassen. Drei Monate nach ihrem Umzug nach Wien stellt die Behörde ihre Abklärungen dann ein – allerdings erst nachdem SVP-Nationalrat und KESB-Kritiker Pirmin Schwander, 53, die sofortige Einstellung verlangte.

«Man führte einen Krieg gegen uns – so habe ich es empfunden. Daher spreche ich von Exil. Das war reinster Psychoterror», so die Baslerin. Ihren Kampf gegen die Schweizer Behörde gibt Jenny nicht auf. Gemeinsam mit Pirmin Schwander und Frauenrechtlerin Julia Onken, 73, stellte sie am 19. Juni die Volksinitative «Stopp KESB» vor. Die Initianten verlangen, dass künftig wieder die Gemeinden für Kindes- und Erwachsenenschutz zuständig sind – nicht mehr die Kantone. Und niemand soll gegen den Willen der Betroffenen und deren Familienangehörigen einen Entscheid durchsetzen.

KESB Jugendamt „ungenügende Ausbildung – fehlender Empathie – viel zu viel Macht“

Wie schuldig ist die Kesb?

Kesb Schweiz Kritik Obhutsentzug Kindesentzug Blog Rechte Eltern Kinder
© Getty ImagesKinder brauchen jemanden, der sich für sie einsetzt, schreibt Sandra C.

Ein Vater bringt zwei Mädchen nach einem Besuch nicht zurück ins Heim, sondern schickt sie mit deren Mutter auf die Philippinen. Die Zustände bei der Familie wurden von der Kinder­- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb als unzumutbar für die Kinder eingeordnet, sie wurden fremdplatziert. Noch schlimmer ist der Fall von Flaach, in dem zwei kleine Kinder sterben mussten. Umgebracht von der eigenen Mutter, welche der Obhutsentzug durch die Kesb offenbar dermassen verzweifeln liess. Umgekehrt stirbt in Zürich ein zehn Wochen altes Baby, erstickt vom Vater. Eine Nachbarin hat die Sozialen Dienste zwar auf die Familie aufmerksam gemacht, diese sahen allerdings keinen Anlass für eine Meldung an die Behörde.

Diese und andere Fälle geistern seit geraumer Zeit durch die Medien und lösen heftige Diskussionen über die Kesb aus. Sie treffe Fehlentscheide, sei überfordert, inkompetent und handle willkürlich, ist auf der Internetseite «Stopp der Kesb-Willkür» zu lesen. Eine der prominentesten Kesb-Gegnerinnen ist Bestsellerautorin Zoe Jenny. «Anstatt den Obhutsentzug als allerletzte Massnahme anzuwenden, macht die Kesb das Gegenteil und trennt Kinder viel zu schnell von ihren Eltern», sagt sie in einem Interview. Und: «Politiker kreierten ein Bürokratie­-Monster. Bei dieser Behörde haben Menschen mit ungenügender Ausbildung und oftmals fehlender Empathie viel zu viel Macht.»

Vor zweieinhalb Jahren wurde die damalige Vormundschaftsbehörde, welche aus Laien bestand, von der professionellen Kesb abgelöst. Laut Homepage hat sie die Aufgabe, «den Schutz von Personen sicherzustellen, die nicht selbstständig in der Lage sind, die für sie notwendige Unterstützung einzuholen. So beispielsweise wenn sie noch minderjährig sind und die Eltern sich nicht kümmern können… In besonderen Fällen kann die Behörde die Unterbringung in einem Heim anordnen.» Vor einigen Monaten untersuchte das Schweizer Kompetenzzentrum für Menschenrechte SKMR im Auftrag des Bundes in einigen Kantonen, wie sich die damalige Gesetzesrevision auf das Wohl der Kinder ausgewirkt hat. Und fand tatsächlich einige Mängel.
So fehle es bei den Richtern, welche Kinder anhörten, an einer spezifischen Ausbildung. Zudem werde die Meinung der Kinder nicht in ausreichendem Masse berücksichtigt.

Was die Fälle, die in den Medien veröffentlicht wurden, betrifft, muss man zugunsten der Kesb sagen, dass die Berichterstattung oft sehr einseitig ausfällt, da sich die Behörde zu konkreten Fällen nicht äussern darf.

Nun, Fakt ist: Heutzutage müssen zwar Hundehalter einen Fähigkeitstest ablegen, Kinder haben darf jeder. Kinder werden geschlagen, missbraucht, vernachlässigt. Auch von den eigenen Eltern. Auch in unserem Land. Diese Kinder brauchen jemanden, der sich für sie einsetzt. Diesen Leuten dabei generell Bürokratie und Herzlosigkeit vorzuwerfen, finde ich unangebracht. Klar gibts auch bei der Kesb Bürokraten, so wie überall. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass jemand, der oder die sich entscheidet, bei einer solchen Behörde zu arbeiten, ganz grundsätzlich schon mal mehr Einfühlungsvermögen hat als viele andere.

Vielleicht ist es ein ganz blöder Vergleich, aber mit den Entscheidungen der Kesb ist es ein bisschen so wie mit dem Impfen. Entscheide ich mich dagegen, und mein Kind stirbt an einer Hirnhautentzündung, verzeihe ich mir das nie! Entscheide ich mich dafür, muss ich mir bewusst sein, dass manchmal auch Nebenwirkungen vorkommen. Und ja, ab und zu auch fatale.

Fakt ist aber auch: Eltern lieben ihre Kinder. Egal, wie überfordert sie mit ihnen sind. Und Kinder lieben ihre Eltern. Egal, wie überfordert diese mit ihnen sind. Eltern und Kinder voneinander zu trennen, ist etwas vom Schlimmsten, was man beiden antun kann. Selbst wenn es manchmal unausweichlich ist. Vielleicht (und auch hier geht es um Einzelfälle, nicht um die Regel) unterschätzt die Kesb manchmal die Ohnmacht und Wut, welche ein Obhutsentzug in einem ­ sowieso schon labilen ­ Elternteil auslöst. Man fühlt sich hilflos, allein gelassen, unverstanden. Ist nicht mehr zum Dialog bereit. Und irgendwann kommt es zum Äussersten. Aus purer Verzweiflung.

Die beiden Kinder von Flaach würden vermutlich noch leben, wären die Behörden nicht eingeschritten (unter welchen Umständen auch immer). Und das Baby von Zürich würde vermutlich auch noch leben, hätten sie die Chance gehabt, einzuschreiten.

Im Dossier: Alle «Der ganz normale Wahnsinn»-Beiträge

Eine Mutter brachte ihre beiden Kinder um, weil sie nicht wollte, dass die Kleinen zurück ins Heim mussten.

R.I.P. Nicolas (5) und Alessia (2) – Flaach am 1. Januar 2015

Diese Gruppe steht dahinter – Jetzt kommt die Volksinitiative gegen die Kesb

Die Initianten wollen die Macht der Kesb beschneiden und Betroffene stärken.

Seit ihrer Gründung am 1. Januar 2013 stehen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) in der Kritik. Die Gegner sagen, die Kesb eröffneten zu viele Fälle, entschieden über die Köpfe der Betroffenen hinweg – und verursachten immense Kosten.

Der Fall Flaach ZH befeuerte die Kritik: Eine Mutter brachte ihre beiden Kinder um, weil sie nicht wollte, dass die Kleinen zurück ins Heim mussten.

Nun organisiert sich der Widerstand. Eine Gruppe um Schriftstellerin Zoë Jenny (41), SVP-Nationalrat Pirmin Schwander (53) und Frauenrechtlerin Julia Onken (73) lanciert eine Volksinitiative. Im Juni soll sie der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Den Text hat die Bundeskanzlei bereits geprüft.

Die Kesb abschaffen will die Initiative nicht: Hauptziel ist, dass die Behörden weniger Macht haben und die Aufsicht verbessert wird.

«Die Kesb haben sich zu einer Art vierter Gewalt im Staat entwickelt, die keiner beeinflussen kann», sagt Schwander. «Es wird über die Köpfe von Kindern, Eltern und Senioren hinweg entschieden, ohne dass sie sich unmittelbar wehren könnten.»

Das wollen die Initianten ändern. Neu soll im Gesetz der Satz stehen: «Gegen den Willen der Betroffenen oder der ihnen nahestehenden Personen dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen Entscheide getroffen werden.» Solche Ausnahmefälle seien zum Beispiel sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, psychische oder physische Misshandlung.

Initiative will Willkür stoppen

«Wir sind dafür, dass die Behörden eingreifen, wo Kinder in Gefahr sind», betont Zoë Jenny. Doch die Kesb griffen heute ohne Not in Familien ein, träfen viele Entscheide superprovisorisch. «Dagegen gibt es keine Rechtsmittel.» Diese Willkür wolle die Initiative stoppen.

Die Kesb sollten künftig Dienstleister sein, die im Sinne der Bürger arbeiten. «Es braucht mehr Transparenz – gerade in diesem sensiblen Bereich, wo es um Kinder und Familien geht.»

Am 19. Juni präsentieren Jenny, Schwander und Onken ihre Initiative in Küssnacht SZ. Nach den Sommerferien wollen sie mit der Unterschriftensammlung beginnen.

Sie sind zuversichtlich, dass die nötigen 100000 Unterschriften zusammenkommen. Jenny: «Ich habe schon heute täglich Anfragen von Leuten, die einen Unterschriftenbogen möchten.»

Pirmin Schwander stand dem neuen Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz von Anfang an kritisch gegenüber. Als einer von nur zwei Parlamentariern stimmte er 2008 gegen die Einführung. «Leider bewahrheiteten sich meine Zweifel», sagt er.

Auch im Kanton Schwyz macht er gegen die Behörden mobil: mit einer Volksinitiative, die die Stellung der Gemeinden gegenüber den Kesb stärken soll.

Lesen Sie auch Julia Onkens Kolumne im SonntagsBlick Magazin.

Von Katia Murmann

http://www.blick.ch/news/politik/diese-gruppe-steht-dahinter-jetzt-kommt-die-volksinitiative-gegen-die-kesb-id3812414.html

Tränen und Wut an KESB – Mahnwache

Tränen an der Mahnwache gegen «Kesb-Willkür»

Die Kesb-Gegner hielten ihre Tränen nicht zurück – und mit ihrer Kritik an der Kindeschutzbehörde nicht hinterm Berg.

Die Mahnwache für die getöteten Kinder wird zur Anti-Kesb-Demonstration. (Video: Roland Schäfli/Vincent Freigang)

Zahlreich waren am Freitagnachmittag dem Aufruf zur Mahnwache für die getöteten Kinder von Flaach nur die Medien gefolgt. Ansonsten stiess die Anti-Kesb-Veranstaltung auf vergleichsweise wenig Interesse. Mit auf dem Podium in Zürich: die Grosseltern der getöteten Kinder.

Dem Grossvater, Björn Kaiser, ist es ein Anliegen, dass der Fall nicht in Vergessenheit gerät. Trugen die Grosseltern still ihr Anliegen vor, so schrie Zoë Jenny ihre Anklage gegen die Kesb und ihre Kritik an der zuständigen Bundesrätin Simonetta Sommaruga förmlich heraus.

Die Basler Bestsellerautorin hat die Website www.kindergerechte-justiz.ch ins Leben gerufen und ruft jetzt öffentlich zum Widerstand gegen Behördenwillkür auf. Als Mutter einer vierjährigen Tochter fühlt sie sich von den Kesb-Beamten schikaniert, ist mit dem Besuchsrecht des Vaters nicht einverstanden.

Die Kin­des- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) stehen nicht erst seit dem Fall Flaach in der öffentlichen Kritik. «Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht», lautet der kämpferische Slogan einer Gruppe von Initianten, bestehend aus zwei Müttern und einem Vater, die die Entmachtung der Kesb fordert.

Die Gruppe schart nun via Facebook Gleichgesinnte um sich und konnte auch prominente Kesb-Gegner wie Julia Onken und Regula Stämpfli für ihre Sache gewinnen. Musiker Chris von Rohr, der die Behörde als «lebensfremde Institution» kritisiert, hatte sich angekündigt, musste der Veranstaltung aber wegen einer Wurzelbehandlung fernbleiben.

(ros), 13. März 2015 17:02; Akt: 13.03.2015 17:14

http://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/Traenen-an-der-Mahnwache-gegen–Kesb-Willkuer–30670603
Tags: Jugendamt Schweiz

Jugendamt – KESB – Autorin Zoë Jenny setzt sich mit ihrer kleinen Tochter Naomi (5) ins Ausland ab

Autorin Zoë Jenny setzt sich mit ihrer kleinen Tochter Naomi (5) ins Ausland ab – Flucht vor der Kesb!

SonntagsBlick: Frau Jenny, warum haben Sie die Schweiz verlassen?
Zoë Jenny:
Ich habe die Kindes-und Erwachsenenschutzbehörden öffentlich kritisiert und auf Missstände hingewiesen. Kurz nach meinem Auftritt in der TV-«Arena» erhielt ich einen Brief von der Kesb Ausserschwyz, dass man mir einen Erziehungsbeistand zur Seite stellen wolle. Als ob ich, weil ich mich gewehrt habe, eine schlechte Mutter wäre und nicht für meine Tochter sorgen könnte! Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht und gezeigt, wie diese Behörde Kritiker konsequent einschüchtert. Ich lasse mich aber weder terrorisieren noch mundtot machen.

Sie hatten Angst, dass man Ihnen Ihre Tochter wegnimmt?
Die Obhut ist schnell entzogen. Aber ich war auch entsetzt. In ­einem Land, wo man so mit ­Familien umgeht, will ich nicht leben. Man hat mich behandelt wie eine Kriminelle und mein Bild der Schweiz zerstört. Das macht mich sehr traurig.

Wie sehen Sie Ihr Heimatland heute?
Friedrich Dürrenmatt hat die Schweiz einmal als Gefängnis beschrieben. Ich sage: Mittlerweile ist die Schweiz eine Anstalt, und die Bevölkerung ist nach Ansicht der Behörden schwer erziehbar. Der Staat hat kein Vertrauen mehr in seine Bürger. Er mischt sich ungefragt und unbegründet in das Leben von Tausenden Familien ein. So ein Staat hat keine Zukunft.

Sie kritisieren die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden massiv. Aber auch das alte System der Vormundschaftsbehörden war nicht perfekt. Und bei verschiedenen Kesb heisst es, die Zahl der Obhutsentzüge sei zurückgegangen. 
Ich habe noch keine Zahlen gesehen, die mir das gezeigt hätten. Fakt ist: Seit Einführung der Kesb werden Fälle kreiert. Die Behörden nehmen Eltern heute viel zu schnell die Kinder weg. Das ist hochgefährlich und verwerflich. Gleichzeitig spriessen Firmen aus dem Boden, die Kinder an Heime und Pflegefamilien vermitteln und die Gutachten erstellen. Heime müssen schwarze Zahlen ­schreiben. Das viel zitierte Kindeswohl wird zur Geldmacherei missbraucht. Das sind Missstände, die ich nicht hinnehmen kann.

Es gibt durchaus Fälle, wo die Kesb eingreifen muss. Wenn die Eltern ihre Kinder misshandeln, alkohol- oder drogenabhängig sind.
Das stimmt. Aber in meinem Fall hätte man gar nichts machen müssen. Man hätte teure Arbeitsstunden und sinnlosen Papierkrieg sparen können. Aber sobald sich die Kesb einmischt, geht die Hölle los. Sie spielen ­Eltern systematisch gegeneinander aus, das habe ich auch mit meinem Ex-Mann erlebt. Dann sagen sie, die Eltern könnten nicht mehr miteinander kommunizieren und man müsse ­ihnen das Kind wegnehmen. Die Kesb entfremdet Kinder von den Eltern, sie zerstört Kindheiten.

Wo steht Ihr eigener Fall heute?
Grundsätzlich ist die Kesb nicht mehr zuständig, seit ich im Ausland lebe. Meine Anwältin hat nach meinem Wegzug vergeblich versucht, das Verfahren einzustellen. Stattdessen drohte man mir mit Sanktionen. Erst als sich SVP-Nationalrat Pirmin Schwander mit einem Brief an die Behörde wandte und ein Strafverfahren ankündigte, wurde der Fall augenblicklich geschlossen. Wenn das keine Willkür ist! Seit ich in Wien lebe und die Kesb nicht mehr involviert ist, habe ich übrigens wieder ein sehr gutes Verhältnis mit meinem Ex-Mann. Wir brauchen keine Anwälte mehr und regeln die Dinge selbst.

In Wien lebt Zoë Jenny zusammen mit ihrem Partner Manfredo (53). Er kommt aus Wien, auch seine Eltern und seine beiden Töchter aus erster Ehe leben dort. Jenny will in der österreichischen Hauptstadt glücklich werden – und führt ihren Kampf gegen die Kesb von dort aus weiter. Am nächsten Freitag organisiert sie eine Mahnwache in Zürich, an der auch die Psychotherapeutin Julia Onken (72) und der Rock-Musiker Chris von Rohr (63) teilnehmen. Dort will Jenny Unterschriften für eine Volksinitiative zur Abschaffung der Kesb sammeln. Der Text wird derzeit von Staatsrechtlern geprüft.

«Gefangen in der Anstalt Schweiz»

Gleichzeitig will Jenny den Fall Flaach ZH bis an den Euro­päischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg ziehen – und in Artikeln ausländischer Medien auf die Missstände in der Schweiz hinweisen. «Ich kämpfe auch aus dem Exil weiter», sagt Jenny. «Das bin ich den über 1000 Menschen, die mir bisher ihre unglaublichen Geschichten geschrieben haben, schuldig. Denn die meisten können es sich nicht leisten, auszuwandern wie ich. Sie sind gefangen in der Anstalt Schweiz. Es tut mir von Herzen leid für dieses schöne Land.»

Zoë Jennys Kinderrechts-Projekt: www.kindergerechte-justiz.ch

Mahnwache am 13. März 2015 von 14.00 – 17.30
in der Stadthausanlage Zürich

Wir trauern um die verstorbenen Kinder im Fall Flaach und fordern die Entmachtung der KESB. 

Publiziert: 08.03.2015, Von Katia Murmann (Text) und Regina Hügli (Fotos)

http://www.blick.ch/news/schweiz/autorin-zoe-jenny-setzt-sich-mit-ihrer-kleinen-tochter-naomi-5-ins-ausland-ab-flucht-vor-der-kesb-id3547707.html

Autorin Zoë Jenny setzt sich mit ihrer kleinen Tochter Naomi (5) ins Ausland ab: Flucht vor der Kesb! | Blick