Maßnahmen bei hoch strittiger Elternschaft der Politik – VAfK

Video: Podiumsdiskussion in Kiel vom „Väteraufbruch für Kinder“ e.V. – Kiel am 20. April 2017

Teilnehmer:
SPD Bernd Heinemann MdL Dipl. Sozialpädagoge – Mietglied im Sozialausschuss des Landtages
CDU Robert Vollborn – Ratsherr in Kiel
FDP Anita Klahn MdL – Mitglied im Sozialausschuss des Landtages
Die Grünen – Dr. Marret Bohn MdL – Mitglied im Sozialausschuss des Landtages
SSW Lars Harms MdL – Vorsitzender des SSW im Landtag
Piratenpartei Wolfgang Dudda MdL – Mitglied im Sozialausschusss des Landtages
Die Linke Katjana Zunft – Erzieherin , systemisch e Familien Beraterin verlies während der Veranstaltung das Podium
AFD Jörg Nobis – Mitglied im Landesvorstand Schleswig-Holstein
Anwalt Martina Comberg – Fachanwältin für Familienrecht (Kieler Modell, Zwnagsgeld, Zwangshaft, Cochemer Modell)
Moderation Markus Witt – Bundesvorstand Väteraufbruch für Kinder eV.

Um das Kind zu schützen – Maßnahmen bei hoch strittiger Elternschaft
Podiumsdiskussion des Väteraufbruch für Kinder e.V. in Kiel.
Jedes Jahr trennen sich die Eltern von rund 200.000 Kindern. Kommt es dabei zum Streit zwischen den Eltern leiden vor allem die Kinder.
Welche präventiven, politischen Maßnahmen kann
die Landesregierung erlassen um Elternstreit zu reduzieren? Diese und weitere Fragen wurden im Vorfeld der Landtagswahl in Schleswig-Holstein mit Vertretern aus der Landespolitik diskutiert.

Tags: Politik – CDU – SPD – FDP – Piratenpartei – Grünen – Linke – SSW – AFD -Wechselmodell – Doppelresidenz – Europarat Resolution 2079- Scheidung – Trennung – Sorgerecht – VAfK – Gleichberechtigung Gleichstellung- Kinder brauchen beide Eltern

Richterin Täubel-Weinreich sollte auch die andere Seite erzählen . .

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Mag. Doris Täubel-Weinreich


Unterhaltszahler sind einer menschenunwürdigen Exekutionsordnung ausgesetzt in Österreich und werden behandelt wie Menschen 2.Klasse!!!

Unterhaltszahler sind die einzige Gruppe in Österreich welche 25% unter das Existenzminimum gepfändet werden.
Und mit 600 Euro Miete, Strom, etc. zu bezahlen geht sich bei sehr vielen Personen nicht aus. Dazu kommt oft noch Umgangsverweigerung, welche Viele in eine ausweglose Situation, bis zum Suizid treibt.
Die FPÖ hat im Okt.2016 dazu einen Entschließungsantrag eingebracht um die Exekutionsordnung so wie bei allen Anderen gleich zustellen.
http://wp.me/p4RGV9-1Wu
SPÖ und ÖVP haben es ignoriert.
Team Stronach hat zugestimmt.
Am Besten diese Egoisten nicht mehr wählen.
Posting leaksmouse, am 20-3-2017 
http://derstandard.at/2000054389888/Immer-mehr-Kinder-klagen-einen-Elternteil-auf-Unterhalt


Artikel >>>

Immer mehr Kinder klagen einen Elternteil auf Unterhalt

Familienmitglieder tragen ihre Probleme immer häufiger vor Gericht aus.
Das betrifft sowohl Unterhaltsstreite wie auch Konflikte über die Obsorge.
Ein Grund sind „aktivere Väter“, sagt eine Familienrichterin


Wien – Es ist ein Fall, wie ihn keine Familie erleben möchte, und doch trägt sich Ähnliches immer häufiger zu: Ein Vorarlberger, der in Innsbruck studiert, zog kürzlich bis zum Obersten Gerichtshof gegen seinen eigenen Vater. Nach Matura und Wehrdienst begann er ein Soziologiestudium, entschied aber nach kurzer Zeit, sich lieber einer Karriere als Profikletterer zu widmen, und erklärte dem Vater, er müsse vorerst keinen Unterhalt mehr zahlen. Es lief nicht wie geplant, nach einem Jahr nahm er ein anderes Studium auf und brauchte somit auch wieder Geld. Doch der Vater wollte nicht mehr zahlen. Schließlich entschied das Höchstgericht: Muss er aber, auch wenn der Sohn die Ausbildung zwischendurch unterbrochen hat.
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Immer mehr Unterhaltsforderungen Eine Auswertung des Justizministeriums für den STANDARD zeigt: Familienmitglieder zitieren einander immer öfter vor Gericht. Im Jahr 2012 wurden von volljährigen Kindern – zumeist handelt es sich um Studenten – österreichweit 4.923 Anträge auf Unterhalt eingebracht. Zwei Jahre später wurden bereits 5.240 Forderungen gegen Eltern gestellt. 2016 fielen 5.630 solche Anträge an. Ähnlich verhält es sich mit Unterhaltsforderungen, die – von zumeist einem Elternteil – für Kinder gestellt wurden: 79.773 Anträge im Jahr 2014, 87.992 im Folgejahr, immerhin 86.243 Anträge 2016. Wobei hier auch sämtliche Änderungen und Neubemessungen des Unterhalts hineinfallen.
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Familienstreitigkeiten „emotional“
Erklärungen gibt es dafür mehrere. Ganz generell lasse sich aber feststellen: „Familienstreitigkeiten werden mehr, und landen sie vor Gericht, werden sie sehr emotional geführt“, sagt Doris Täubel-Weinreich, Vorsitzende der Fachgruppe Familienrecht der Richtervereinigung, die als Juristin seit mehr als 18 Jahren in dem Bereich arbeitet. Hinzu komme auch: Die Ausbildungen dauern heute durchschnittlich länger als früher. Kinder sind somit auch länger finanziell auf ihre Erziehungsberechtigten angewiesen.

Der Sozialpädagoge Olaf Kapella vom Österreichischen Institut für Familienforschung glaubt nicht, dass in Familien grundsätzlich mehr gestritten wird als früher: „Kinder und ihre Rechte stehen heute einfach mehr im Fokus, und die Kinder sind sich ihrer Rechte bewusst“, sagt er. Dadurch sinke auch die Hemmschwelle, vor Gericht zu ziehen und diese Rechte einzufordern.
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„Aktivere Väter“
Die Familienrichterin Täubel-Weinreich erlebe darüber hinaus, dass Männer immer „aktivere Väter“ werden, was „natürlich grundsätzlich gut“ sei, aber neue Probleme aufwerfe: „Früher reichte den meisten Vätern ein 14-tägliches Besuchsrecht, damit geben sich inzwischen die wenigsten zufrieden.“ Die neuen Lebensmodelle seien aber eben auch schwieriger zu organisieren und böten mehr Konfliktpotenzial.

Wie die aktuelle Auswertung zeigt, steigen auch die strittigen Fälle in Bezug auf Obsorge und Kontaktrecht. Im Jahr 2014 landeten 35.226 solche Anträge bei Gericht, 2016 waren es bereits 40.310. „Darunter finden sich auch Fälle, in denen Eltern zum Beispiel streiten, ob ein Kind in den Fußballverein oder schwimmen gehen soll“, erläutert Rudolf Jocher vom Justizministerium.
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Weniger Scheidungen
In Bezug auf Unterhalt, wie lange und in welcher Höhe er bezahlt werden muss, stellt Täubel-Weinreich klar: „Im Endeffekt sind das immer Einzelfallentscheidungen. Im Gesetz steht bloß, dass Unterhalt ‚angemessen‘ sein muss, das ist juristisch nicht sehr befriedigend.“ Es herrsche dadurch eine gewisse Rechtsunsicherheit – aufseiten der Eltern wie auch der Kinder. Eine Reform des Unterhaltsrechts ist im Regierungsprogramm aus dem Jahr 2013 angedacht, wurde im Arbeitspapier 2017 allerdings nicht aufgegriffen.

Rückläufig sind jedenfalls die Zahlen der strittigen Scheidungen. 2014 waren es 6.214, 2016 nur noch 5.782. Auch einvernehmlich lassen sich die Österreicher immer seltener scheiden. Allerdings: „Das heißt nicht, dass sich die Leute weniger trennen – sie heiraten seltener“, sagt Täubel-Weinreich. – derstandard.at/2000054389888/Immer-mehr-Kinder-klagen-einen-Elternteil-auf-Unterhalt

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  (Katharina Mittelstaedt, 17.3.2017)

http://derstandard.at/2000054389888/Immer-mehr-Kinder-klagen-einen-Elternteil-auf-Unterhalt
Tags: Menschenrechtsverletzung – Justizopfer – leaks – family law – austria – Human rights violations – Fathers austria 

Menschenrechtverletzungen in Österreich – Kritischer Mitarbeiter wurde vom Jugendamt gefeuert !

Massive Vorwürfe gegen das Jugendamt Hallein: Langjähriger Betreuer gefeuert

Fast 18 Jahre lang arbeitete Tom Bullack mit schwierigen Familien im Tennengau. Im Mai 2014 kündigte ihm das Jugendamt Hallein alle seine Dienstverträge – was Protest unter Eltern und Kooperationspartnern auslöste.

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Der gefeuerte Sozialpädagoge Tom Bullack: „Das Jugendamt reißt ungerechtfertigt Kinder aus Familien heraus.“ Foto: Privat
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Helmut Fürst, Bezirkshauptmann: „Wenn es zum Schutz der Kinder nötig ist, erfahren die Eltern den Aufenthaltsort nicht.“ Foto:Neumayr

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Er sei „zu unbequem“ gewesen. „Kinder aus schwierigen Verhältnissen werden ungerechtfertigt aus ihren Familien herausgerissen“, wirft Bullack dem Jugendamt vor.

Tennengauer Mutter alle drei Kinder weggenommen

Die Mutter weiß nicht einmal, wo ihre Kinder untergebracht wurden. Das Jugendamt Hallein fahre über manche Problemfamilien einfach drüber, sagt ein gefeuerter Sozialpädagoge.

Was der Grund für Tom Bullacks Kündigung durch das Jugendamt Hallein war, will man in der Bezirkshauptmannschaft (BH) Hallein nicht preisgeben. „Das müssen wir auch nicht“, rechtfertigt Bezirkshauptmann Helmut Fürst das Vorgehen (Jugendamtsleiterin Angelika Radlegger war nicht erreichbar). „Schwierigkeiten“ zwischen den Sozialarbeiter/innen des Jugendamts und dem langjährigen Einzelbetreuer hätten die Vertrauensbasis zerstört, so der Bezirkshauptmann zum SF.

Kündigung stieß auf heftigen Protest

Ungewöhnlich stark war jedenfalls die Unterstützung, die der Sozialpädagoge anlässlich der Kündigung erhielt. „Das ist einer, der wirklich hilft. Der kann mit schwierigen Kids umgehen und hilft auch bei Schulden oder Arbeitssachen“, sagt ein Vater, dessen Kinder der Sozialpädagoge betreut hatte. „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet“, sagt Veronika Stolzlechner vom Verein Einstieg / Tennengauer Jugendcoaching, die mit Bullack einen Jugendlichen über Monate hinweg „gecoacht“ hat – mit Erfolg. In der „Kartworld Salzburg“, wo Bullack eine sozialpädagogische Motorsportgruppe aufgebaut hatte, heißt es: „Sozialpädagogen wie ihn sollte man unterstützen“ (Kristina Hornack). Die Kinder-Kart-Gruppe hat sich seit der Kündigung aufgelöst.

Für Klienten „zu viel“ getan?

Die BH ließen die persönlich vorgebrachten Proteste und Schreiben kalt. Der Einzelbetreuer habe diese angestoßen, sagt der Bezirkshauptmann. Auf den Erfolg oder Misserfolg seiner Arbeit geht Fürst nicht ein. „Ich war dem Amt zu unbequem, weil ich mich wirklich für meine Klienten eingesetzt habe“, mutmaßt dagegen Tom Bullack. Vor allem an Bullacks jahrelanger Betreuung der Tennengauerin Natalie Hofer (Name geändert) und ihrer drei Kinder hat sich das Jugendamt offenbar gestoßen. Schon als Bullack die Familie noch betreute, krachte es ordentlich zwischen ihm und dem Jugendamt.

Mutter landete in Nervenklinik

Die betroffene Mutter schildert: „Der damals zuständige Sozialarbeiter hat mir 2013 unter falschen Angaben mein ältestes Kind abgenommen“. „Wegen Husten“ sei das Kind zwei Wochen lang in ein Kriseninterventionszentrum gebracht worden – ohne die Möglichkeit eines Kontaktes zur Mutter.
Noch drastischer kam es heuer zu Ostern. „Sie haben mir alle drei Kinder weggenommen“, so die 33-Jährige, die daraufhin in der Christian Doppler-Klinik aufgenommen werden musste. Das Jugendamt habe ihr keine konkreten Gründe für die Kindesabnahmen genannt. „Und bei den zwei Kleinen erfahre ich nicht einmal, wo sie sind und wie lange sie dort bleiben“, zeigt sich die Mutter entsetzt. Erst im Mai gebe es den nächsten Gesprächstermin am Jugendamt.
Für „nahezu unmöglich“ hält Bezirkshauptmann Fürst, dass der Mutter nicht gesagt wurde, was sie denn getan oder unterlassen habe. Nur wenn schwerwiegende Gründe vorlägen, würden zum Schutz der Kinder Aufenthaltsorte verschwiegen. Zu dem Einzelfall gibt es aber keine Auskunft. Generell, so Fürst, stelle in solchen Fällen „jeder  seinen Standpunkt extrem subjektiv dar“.

Sabine Tschalyj

Tags: ÖVP – Familienministerin – Sophie Karmasin – Missbrauch mit dem Missbrauch – Justiz

Kommentare (3)
3.
Liebe Frau Tschalyj… – von tombulli (1) – Di, 21.04.15, 19:29
…vielen Dank für den sehr guten Artikel. Die Aussagen des Herrn Bezirkshauptmann sprechen ja für sich. Der Hochmut „Das müsse man ja auch nicht“ mag ja juristisch korrekt sein, die Umgangsform spricht aber für sich. Ebenso die „Vorstellung“, die Eltern und Kooperationspartner wären ja so unmündig, dass sie nur auf mein Anstoßen zum Protest bereit gewesen. Seltsam mutet auch an, dass ja das Vertrauensverhältnis ausgerechnet und ausschließlich mit „den Sozialarbeiterinnen des Jugendamts“ gestört gewesen sein soll. Natürlich erscheint es einfacher, den „Störenfried“ zu entfernen, als sich mit seiner eigenen Fachlichkeit auseinander zu setzen. Warum wurde denn dann den Sozialarbeitern ein Redeverbot erteilt?
Hier wird eindeutig der Kleinkrieg gegen meine Person über das Wohl der Kinder und Familien gestellt.
MfG
Mag. Tom Bullack
2.
Aufklärung dringend nötig! – von lamancha27 (4) – Di, 21.04.15, 18:57
Wenn ein Mensch von der Qualität eines Tom Bullack solche schwerwiegenden Vorwürfe vorbringt, sollten die Verantwortlichen die dargestellten Sachverhalte besonders genau prüfen.Danke, für die Arbeit mit den Hoffnungslosen und Bedeutungslosen.
Bedeutungslos in ihrer Rolle in der Gesellschaft und hoffnungslos im Blick nach vorn. Die Menschen, die durch verschiedene Lebensereignisse und oft auch durch Eigenverschulden das Wichtigste in ihrem Leben verlieren sollen oder bereits verloren haben, ihre Kinder, brauchen keine Verwaltungsbeamte, sondern Menschen mit Ecken und Kanten, mit viel Verständnis, einem großen Herz und dem Willen zu helfen. Solche, die ihnen mit Respekt und gegenseitiger Achtung begegnen.
Menschen wie Tom Bullack.

1.
TOM BULLACK – von Beccy23 (1) – Di, 21.04.15, 16:30
ich kenne Tom persönlich und er hat mir schon sehr oft geholfen und er sagt halt offen und ehrlich seine Meinung. Wir leben doch in einem Land mit freier Meinungsäußerung.. Darf man nich mehr seine Meinung sagen, weil man dann Angst haben muss.. gefeuert zu werden… TOM war (UND IST EINER DER BESTEN) VOM JUGENDAMT HALLEIN zu unrecht hat man ihn gefeuert !!!!!!http://www.salzburger-fenster.at/redaktion/aktuelle_berichte/massive_vorwuerfe_gegen_das_jugendamt_hallein_langjaehriger_betreuer_gefeuert_art8884/

Tags:  Justiz –  Missbrauch mit dem Missbrauch – ÖVP Sophie Karmasin – Hilfe – Opferanwalt – Menschenrechtsverletzung – in Österreich – Aufenthaltsort – Kontaktrecht

Sie haben eine Petition verfasst gegen die geschlossene Unterbringung (GU) junger Menschen im Rahmen der Jugendhilfe. Warum?

Hilfe für Jugendliche

„Es gibt null Untersuchungen“

Der Kriminologe und Sozialpädagoge Olaf Emig über die geschlossene Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge und Defizite der Bremer Jugendhilfeträger.

Olaf Emig fürchtet, dass sich durch das geplante Jugendheim wieder „eine unkontrollierte Form der Erziehung etablieren wird“.  Bild: Simone Schnase

taz: Herr Emig, Sie haben eine Petition verfasst gegen die geschlossene Unterbringung (GU) junger Menschen im Rahmen der Jugendhilfe. Warum?

Olaf Emig: Ich habe selber jahrelang in der Heimerziehung mit geschlossenen Teilsystemen wie der GU gearbeitet und weiß, dass hier dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet werden. Seit Jahrzenten beschäftige ich mit der Wirkung von Freiheitsentzug auf das Verhalten junger Menschen. Auch die jüngsten Beispiele aus der Haasenburg GmbH, zeigen,dass sich hier bis heute nichts geändert hat. Ich bin entsetzt darüber, dass Bremen eine GU für eine Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge plant – und das auch noch auf dem Gelände eines Gefängnisses. Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs.

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Inwiefern?

Bereits die Unterbringung eines Teils der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in zweifelhaften Hotels oder  in der Zast verletzt vorgeschriebene Jugendhilfestandards und verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Es kann bis zu drei Monate dauern, bis die Jugendlichen Amtsvormünder bekommen – das geht nicht, das muss unmittelbar nach deren Ankunft geschehen.

Unter anderem heißt es in Ihrer Petition, dass bei den Jugendlichen, die geschlossen untergebracht werden sollen, das Subsidiaritätsprinzip des Vorrangs der milderen Intervention nicht eingehalten worden ist. Was bedeutet das?

Das heißt in diesem Fall, dass vor staatlicher Zwangsintervention wie einem gerichtlichem Unterbringungsbeschluß weniger eingriffsintensive Maßnahmen wie Betreutes Wohnen oder ähnliches im ausreichendem Maße ausprobiert worden sein müssen. Einsperren ist immer ultima ratio, also wenn vermeintlich nichts anderes mehr geht. Es gibt immer Jugendliche, die fallen auf, sowohl sozial als auch strafrechtlich. Da denkt sonst niemand an eine geschlossene Unterbringung. Aber nun gab es in einer Bremer Jugendnotaufnahmestelle in der Tat massive Schwierigkeiten mit Jugendlichen, Sicherheitsdienste wurden eingesetzt und es entstand die Idee einer intensiven und robusten Betreuung in einer Geschlossenen Unterbringung der Jugendhilfe. Allerdings sind ja nur unzureichend und lückenhaft zuvor andere pädagogische Maßnahme ausprobiert worden – und das muss normalerweise immer getan werden.

Olaf Emig

68, der Kriminologe und Sozialpädagoge war Lehrbeauftragter unter anderem an der Hochschule Bremen, Koordinator zur Vermeidung von Jugendarrest und U-Haft in Bremen und wissenschaftlicher Mitarbeiter der grünen Bürgerschaftsfraktion im Untersuchungsausschuss „Kindeswohl“.

Laut Sozialsenatorin Anja Stahmann handelt es sich bei den Jugendlichen um „sehr schwierige Jugendlichen, die mit den Instrumenten des Jugendhilfesystems nicht zu erreichen sind.“ Was macht diese Jugendlichen denn so schwierig?

Das weiß keiner: Es gibt null Untersuchungen über diese Jugendlichen, keine Dokumentation, einfach nichts. Wir wissen nicht, was man ihnen in ihrer Heimat und während ihrer Flucht angetan hat, weil immer nur darüber gesprochen wird, was sie getan haben sollen – und das ist nicht viel: Der allerkleinste Teil dieser ungefähr dreißig Jugendlichen, die wiederholt in Bremen in Erscheinung getreten sind, ist strafrechtlich verurteilt worden. Dennoch werden alle als kriminell oder sogar als „Intensivtäter“ betitelt. Die Jugendlichen sind häufig mangels Betreuung in Cliquen unterwegs, aus denen heraus es auch zu Straftaten und Ordnungswidrigkeiten kommt. Oftmals werden dann alle Cliquenmitglieder als Tatverdächtige registriert, und schon nach wenigen Wochen avanciert man zum Mehrfach- oder Intensivtäter in der Polizeistatistik, obwohl noch nicht einmal eine Anklage vorliegt. Wir wissen nur, dass es sich wohl um Jugendliche aus den Maghreb-Staaten, also vorwiegend aus Tunesien, Marokko und Algerien, handeln soll.

Sie haben an einer Evaluation sogenannter Sozialer Trainingskurse in Bremen mitgewirkt, in der unter anderem rassistische Unterscheidungspraxen im Kontext von Jugendkriminalität kritisch beleuchtet werden. Lothar Kannenbergs Einrichtung in Rekum und auch das geplante Heim sind explizit für Flüchtlinge…

Es gibt Etikettierungen, die sind einfach unzulässig. Es ist einfach nicht richtig zu sagen, dass ein „Migrationshintergrund“ ein Kriterium dafür ist, dass jemand eher straffällig oder auffällig wird oder eingesperrt gehört. Das Problem ist, dass Jugendhilfeträger oft nur dann Geld für ihre Arbeit bekommen, wenn sie explizit Konzepte für Jugendliche „mit Migrationshintergrund“ oder mit anderen Etikettierungen anbieten. Was die Jugendlichen angeht, die nun geschlossen untergebracht werden sollen, könnte sich aufgrund ihrer Herkunft allerdings eine ganz andere Chance ergeben.

Wie das?

Neulich hat ein Jugendhilfevertreter des St. Theresienhauses in Bremen-Nord gesagt, dass man das Wissen um deren gemeinsamen kulturellen und sprachlichen Hintergrund doch wunderbar nutzen kann, um ihnen effektiv zu helfen. Das wäre doch viel einfacher als bei Jugendlichen, die aus vielen völlig völlig unterschiedlichen Ländern kommen. Das finde ich einen guten und sinnvollen Ansatz, der noch zusätzlich gegen die angebliche Notwendigkeit spricht, diese Jugendlichen geschlossen unterzubringen.

Wie lässt sich der geplante Rückschritt in die „Fürsorgeerziehung“ überhaupt erklären?

Im Moment natürlich mit Überforderung angesichts der steigenden Zahlen unbegleiteter Minderjähriger, andererseits aber auch mit einer gesellschaftlichen Entwicklung, die von Verunsicherung, Zukunftsängste und Vertrauensverlust geprägt ist – und man glaubt im Bereich von sozialen und störenden Auffälligkeiten von Jugendlichen durch normative Anforderungen einen Ordnungsrahmen setzen zu können. Das allgemeine Straf- und Sanktionsbedürfnis ist trotz sinkender Kriminalität gestiegen. Deswegen erfreuen sich Erziehungscamps, Anti-Agressivitäts-Trainings oder fragwürdige isolierende Auslandaufenthalte in Kirgisien oder Sibirien großer Beliebtheit. Jemand wie Lothar Kannenberg ist da ein gutes Beispiel: Der setzt auf Sport, Regelwerk und Gruppensanktion und meint, eine professionelle pädagogische Ausbildung sei für diese Arbeit nicht notwendig. Übersehen wird dabei, dass beispielsweise Boxcamps oftmals einfacher zu bewältigen sind als Maßnahmen einer pädagogisch-orientierten Jugendhilfe. Wobei ich eine sportliche Ausrichtung in pädagogischen Projekte sehr begrüße, aber sie ist eben nicht ausreichend.

Demütigung soll für die Jugendlichen einfacher sein?

Ja. Es ist für einen Jugendlichen viel leichter, einfach das zu sagen und zu tun, was ihm oktroyiert wird als selbst Verantwortung übernehmen zu müssen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Denn diese Prozesse dauern natürlich ein bisschen länger – und da stößt die gesellschaftliche Akzeptanz manchmal an ihre Grenzen.

Anders als Bremen möchte der potentielle Hamburger Träger das Heim generell für Minderjährige nutzen. Glauben Sie, dass es von Bremer Seite aus dabei bleibt, nur die Flüchtlingsjugendlichen einzusperren?

Nein, ich sehe ganz klar die Gefahr, dass sich damit in Zukunft wieder eine unkontrollierte Form der Erziehung etablieren wird. Neue Zielgruppen findet man immer.

Die Sozialbehörde behauptet, kein Bremer Jugendhilfeträger habe sich bereit erklärt, die Verantwortung für die Jugendlichen zu übernehmen und deswegen Kannenberg hergeholt. Auch einen Träger für das geplante Heim hat man nicht gefunden und deswegen nun Hamburg ins Boot geholt. Lässt das Bremer Jugendhilfesystem mit ihrer Verweigerung die jungen Flüchtlinge ins offene Messer laufen?

Nein, das sehe ich nicht so. Die Jugendhilfe in Bremen ist in der Lage, diesen Jugendlichen zu helfen, sie macht das seit Jahren und hat immer wieder mit Jugendlichen in ähnlichen Problemlagen, die in Bremen zyklisch auftauchen, zu tun. Die Träger gehen aber meiner Meinung nach momentan zu wenig offensiv mit dem um, was sie können. Sie reagieren auf die Behörden und zeigen da auch eine klare Haltung, aber sie sollten vielmehr mit Konzepten und Forderungen nach vorne gehen. Sie sollten Flagge zeigen und wieder das Zepter des Handelns in die Hand nehmen.

13. 04. 2015
http://www.taz.de/!158055/
Tags: Jugendamt –