Unfassbar – „Nach Freispruch bleiben Trümmer“ – Landesgericht Salzburg Gutachter Prozess

Nach Freispruch bleiben Trümmer


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Gutachter am Prüfstand. Zehn Jahre wurde gegen Psychologen nach Vorwürfen von Kollegen und Betroffenen ermittelt

Zehn Jahre lang dauerten die Ermittlungen gegen einen Salzburger Sachverständigen. Die Einschätzung des Psychologen war vor allem in Obsorge- und Sachwalterschaftsfällen gefragt. Doch seine Expertisen stießen auf Widerstand. So warf ihm unter anderem ein Berufskollege vor, der Gutachter habe die Mindeststandards nicht eingehalten, mit Textbausteinen gearbeitet und Väter benachteiligt.

In der Vorwoche wurde der Sachverständige vor Gericht freigesprochen; nicht rechtskräftig. Was bleibt, sind Trümmer.

13 Betroffene, die sich als Opfer des Mannes sehen, verstehen die Welt nicht mehr. Sie fühlen sich nun

vom Rechtsstaat im Stich gelassen.

Auf der anderen Seite ist die Karriere des ehemaligen Gutachters ein Trümmerhaufen. „Wenn Sie zehn Jahre lang ein Verfahren führen müssen, in dem Sie dann freigesprochen werden, bleibt trotzdem etwas hängen. Da tut man sich dann in jedem Job schwer“, sagt sein Anwalt. An eine Rückkehr als Sachverständiger sei eher nicht zu denken.

Gutachter in der Kritik. Karl Mahringer wurde von der Liste gestrichen. Psychiatern werden Fließband-Gutachten vorgeworfen

Auswirkungen

Mediatorin Tews begleitet Betroffene seit Jahren – © Bild: Atelier Mozart Linz

Aber auch die Betroffenen kämpfen mit den Folgen. „Niemand kann nachvollziehen, was das Wirken dieses Gutachters bei Familien und Kindern ausgelöst hat, welche gravierenden Auswirkungen das auf das Leben dieser Menschen hatte“, sagt Margreth Tews. Die Mediatorin hat einige Betroffene über Jahre hinweg begleitet. Im KURIER erzählen zwei davon ihre Geschichte.

Herr M. sieht seine Existenz ruiniert. Nach einer Scheidung stritt er mit seiner Frau über die Obsorge der beiden gemeinsamen Kinder. „Zwei Mal war ich bei dem Gutachter“, erzählt Herr M. „Aber die Tests, die er laut Gutachten mit mir gemacht hat, haben gar nicht stattgefunden.“ Das Gutachten hätte das angespannte Verhältnis nach der Scheidung zum Eskalieren gebracht.

Die Kinder durfte er kaum noch sehen, schildert er. „Sie waren die wirklich Leidtragenden. Ihr Schulweg hat an meinem Haus vorbei geführt. Aber sie sollten einen Umweg machen, um ja nicht bei mir vorbei zu kommen.“

Das Verhältnis zu den Kindern ist auch Jahre später noch schwierig. Die Distanz hat Narben hinterlassen. „Eine Tochter habe ich zu ihrem 18. Geburtstag kurz gesehen. Das war’s“, sagt Herr M. resigniert.

Frau K. lernte den Sachverständigen kennen, als sie beschuldigt wurde, ihren autistischen Sohn vernachlässigt zu haben – sie wurde von den Vorwürfen in einem Verfahren übrigens freigesprochen. Das Gutachten allerdings sprach gegen sie. „Mir wurde vorgeworfen, ich sei Alkohol- und Männer-abhängig. Völlig grotesk – ich lebe seit Jahrzehnten ohne Mann. Aber man hat mich dargestellt wie eine Gewerbsmäßige.“

Das hätte sie nicht nur psychisch schwer getroffen. Auch finanziell. Frau K. ist selbstständig. „Das hat sich herumgesprochen im Ort. Plötzlich hatte ich um 60 Prozent weniger Umsatz.“

Ein zweites Mal trat der Gutachter in ihr Leben, als sie um die Sachwalterschaft für den Sohn kämpfen musste. „Da wurden die verleumderischen Aussagen aus dem ersten Verfahren – die ja nachweislich falsch waren – ins Gutachten eingefügt.“
Wiedersehen

Schlussendlich wurde die Sachwalterschaft ihrem zweiten Sohn übertragen. Eine Lösung, mit der Frau K. gut leben kann. Sie sieht ihren kranken Sohn nun wieder regelmäßig.

Doch der Kampf hat Spuren hinterlassen. Frau K. erlitt einen Schlaganfall. Sie hat sich wieder davon erholt. „Aber ich verstehe, wenn sich Leute so etwas nicht antun. Das hat mich so viel Nerven, Kraft und Energie gekostet. Das kann sich niemand vorstellen.“

( kurier.at ) | 26.09.2018 | Autor:
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Tags: Obsorge – Familienrecht – Strafprozess – Egon Bachler – Sachverständige – Missbrauch mit dem Missbrauch –  -Gutachter – StGB – Justiz  – Rechtsbeugung – Gesetze Österreich – Kindesabnahme 

Kinderhandel – Flüchtlingskinder – Jugendamt – Adoption – Pflegeeltern – Vormundschaft von Ehrenamtliche

In dem Artkel wurde leider ein wesentlicher Punkt vergessen.
Der gesetzliche Vormund muss sich auch mit eventuellen Gerichtsakten von  strafbaren Handlungen dieser minderjährigen Flüchtlinge auseinander setzen.

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Minderjährige Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt – Wie werde ich Vormund?

Manche Flüchtlingskinder kommen ohne Eltern und sonstige Begleitung.


(BILD: dpa)

Die Städte und Kreise in Sachsen-Anhalt müssen spätestens ab dem 1. November auch zahlreiche unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen. Vormünder nehmen dabei eine zentrale Rolle im Betreuungsprozess ein. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Ab dem 1. November 2015 werden auch minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern auf die Bundesländer verteilt. Etwa 800 von ihnen sollen auch in Sachsen-Anhalt aufgenommen und betreut werden, so Sozialstaatssekretärin Anja Naumann (SPD).

Unbegleitete, minderjährige FlüchtlingeUnbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche, die ohne Begleitung erziehungsberechtigter Erwachsener aus ihren Heimatländern fliehen. Die Minderjährigen werden beispielsweise alleine von ihren Familien nach Europa geschickt, haben ihre Angehörigen zuvor im Krieg verloren oder verlieren sie während ihrer Flucht, wie die Diakonie Deutschland in einer Pressemitteilung erklärt. In Deutschland suchen sie Schutz vor Verfolgung, Krieg oder anderen Notsituationen. Dabei handelt es sich vor allem um männliche Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 17 Jahren.

Flüchtlinge
Neue Regelung für Flüchtlinge ab 1. November
800 Kinder ohne Eltern kommen nach Sachsen-Anhalt

Jugendämter in Deutschland sind verpflichtet, Vormünder zu bestimmen, die die Kinder und Jugendlichen in ihre Obhut nehmen. Aufgrund der steigenden Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge werden auch in Sachsen-Anhalt dringend ehrenamtliche Vormünder gesucht.

Was macht ein Vormund?Vormünder nehmen eine zentrale Rolle im Betreuungsprozess von minderjährigen Flüchtlingen ein. Unbegleitete Flüchtlingskinder brauchen einen Vormund, weil sie aufgrund ihrer Minderjährigkeit gesetzlich von einem Erwachsenen vertreten werden müssen. Die gesetzliche Vertretung umfasst dabei unter anderem die Verwaltung des Vermögens des Kindes, das Stellen eines Antrages auf Aufenthaltsgenehmigung, das Unterschreiben verschiedener Dokumente und auch das Einwilligen in Operationen.

Wer ist als Vormund geeignet?

Ein guter Vormund sollte Lebenserfahrung haben und fähig sein, mit Kindern und Jugendlichen zu kommunizieren. Besonders im Hinblick auf die kulturellen Besonderheiten und die Herkunft der jungen Menschen, sollte er über Einfühlungsvermögen verfügen. Ein Vormund sollte weiterhin Verhandlungs- und Organisationsgeschick besitzen und sich mit Verwaltungen und Behörden auseinandersetzen wollen. Es ist zudem wichtig, dass er über die erforderliche Zeit verfügt, die professionelle Distanz zum Mündel wahrt und sich beim Auftreten von Problemen nicht davor scheut, rechtzeitig Hilfe zu suchen.

Was wird von einem Vormund erwartet?

Ein Vormund soll einen Teil seiner Freizeit für das Mündel aufwenden und mit ihm verbringen. Dabei ist es besonders wichtig, dass das Flüchtlingskind seine Meinung gemäß Artikel 12 der UN-Kinderkonvention frei äußern kann, angehört und beteiligt wird. Der Vormund sollte sich mit der Situation von Flüchtlingskindern vertraut machen und sich in speziellen Schulungen umfassend auf die Aufgaben eines Vormundes vorbereiten lassen.

Da die jungen Menschen vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak kommen, können sie zunächst kein Deutsch sprechen und nur einige wenige Flüchtlingskinder können ein wenig Englisch. Die Kommunikation ist daher zuerst schwer, doch auch in diesen Fällen werden Lösungen und Hilfen angeboten.

Als Vormund sind Sie für ihr Mündel: ein persönlicher Ansprechpartner, ein gesetzlicher Vertreter, ein Hilfeplaner und erster Ansprechpartner in asyl- und ausländerrechtlichen Fragen. Zudem helfen Sie beim Entwickeln von Lebensperspektiven.

Sie haben zum Beispiel: das Recht für ihr Mündel Jugendhilfeleistungen zu beantragen; an Hilfeplangesprächen teilzunehmen und bei der Hilfeplanung mitzuwirken; medizinische, ärztliche und schulische Informationen über ihr Mündel einzuholen; Ausbildungsverträge, Zeugnisse und andere Dokumente zu unterzeichnen sowie die Zustimmung zu medizinisch notwendigen Operationen zu erteilen.
Was wird nicht von einem Vormund erwartet?

Als Vormund müssen Sie keine Vorkenntnisse in Rechtsfragen und keine detaillierten Kenntnisse über das Herkunftsland ihres Mündels haben. Sie sind nicht verpflichtet, das Flüchtlingskind in ihrer Familie aufzunehmen oder finanziell für ihr Mündel aufzukommen. Die täglichen Aufgaben der Erziehung, Bildung und Betreuung werden von Pflegefamilien oder Jugendeinrichtungen, in denen die unbegleiteten Minderjährigen untergebracht werden, übernommen.

Wie werde ich Vormund?

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ruft geeignete Personen dazu auf, aktiv über die Übernahme einer Vormundschaft nachzudenken. Bis einschließlich 15. November dieses Jahres können sich Personen, die eine oder auch mehrere Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernehmen wollen, beim Kinderbeauftragten des Landes, Gerd Keutel, melden. Bitte richten Sie Ihre Anfrage an diese Mailadresse: Kinderbeauftragter@ms.sachsen-anhalt.de.

Bitte übersenden Sie Ihren vollständigen Namen (Name, Vorname), Ihre Privatanschrift, Ihren Heimat-Landkreis sowie eine Telefonnummer, unter der Sie zu erreichen sind.

Von Elisabeth Krafft , (mz),  Mitteldeutschland – Mitteldeutsche Zeitung, 23.10.2015 13:11 Uhr | Aktualisiert 23.10.2015 13:11 Uhr
http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/minderjaehrige-fluechtlinge-in-sachsen-anhalt-wie-werde-ich-vormund-,20641266,32236698.html#plx1754526907