Mehrfacher Kindesmissbrauch in Pfreimd -7,5 Jahre Haft für Kaminkehrer

Missbrauch in Pfreimd 56-Jähriger muss siebeneinhalb Jahre in Haft

Im Amberger Missbrauchsprozess ist der 56 Jahre alte Angeklagte vom Landgericht zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Damit blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Stand: 20.08.2015

Der Angeklagte (Mitte) mit seinen Verteidigern Tim Fischer (links) und Dieter Spieß. | Bild: BR/Martin Gruber

Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Strafe von zehn Jahren plädiert. Die Verteidigung hatte viereinhalb Jahren Haft vorgeschlagen. Der 56-Jährige hatte sich über Jahre hinweg in seinem Privathaus in Pfreimd im Landkreis Schwandorf immer wieder an Kindern und Jugendlichen vergangen. Das Landgericht Amberg verurteilte den Mann am Mittwoch (19.08.15) unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen und sexuellen Missbrauchs von Kindern in neun Fällen zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren.

Richterin rät zur Therapie

In ihrer Urteilsbegründung sagte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber, das umfassende Geständnis habe dem Verurteilten eine noch härtere Gefängnisstrafe erspart. Aber angesichts der vielen Fälle und des langen Zeitraums, in dem die Missbrauchsfälle passiert seien, hätten die Taten entsprechend geahndet werden müssen. Dem Angeklagten riet Stöber, sich dringend einer Sexualtherapie zu unterziehen.

Tausende Kinderpornos sichergestellt

In dem Verfahren wurden lediglich 18 Einzelfälle verhandelt. Die Gesamtzahl der Missbrauchsfälle dürfte allerdings deutlich höher sein. Das wurde nach der Aussage der Beamtin klar, die die kriminalpolizeilichen Untersuchungen geleitet hatte. Sie sei auf einige Fälle gestoßen, die vor dem Jahr 2000 stattgefunden hätten und somit verjährt seien. Außerdem gehen die Ermittler davon aus, dass sich viele Opfer nicht „outen“ und aus Scham keine Angaben machen wollten.

In der Wohnung des ehemaligen Kaminkehrers wurde zudem kinderpornografisches Material gefunden. Auf einem Computer, einem Notebook und auf USB-Sticks fanden die Ermittler ingesamt 48.000 kinderpornografische Bilder und Videos, etwa 1.000 davon hatte der Verurteilte selbst gemacht.

 

Jugendtreff im Keller

Um in Kontakt mit seinen Opfern zu kommen, lud der Mann die Jungen in seinen Partykeller ein. Sein Haus führte er wie einen inoffiziellen Jugendtreff. Einige der missbrauchten Jungen sind auch Jahre nach den Taten noch traumatisiert.

Revision nicht ausgeschlossen

Der 56-jährige alleinstehende Rentner machte vor Gericht detaillierte Angaben zu den sexuellen Übergriffen. „Ich schäme mich zutiefst“, sagte er. Trotzdem versuchte er, die Taten zu rechtfertigen. Zum Beispiel sagte er: Vieles sei im Spaß entstanden, da sei Alkohol im Spiel gewesen, die Jungs hätten mitgemacht.

Der Verteidiger des Verurteilten kündigte an, mit seinem Mandanten eine mögliche Revision zu besprechen.

Bayerischer Rundfunk  – ‎19.08.2015‎

http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/prozess-amberg-sexueller-missbrauch-pfreimd-100.html

Missbrauch in Pfreimd

Missbrauch in Pfreimd
Bislang fünf mögliche Opfer bekannt

Im Missbrauchsfall von Pfreimd sind der Polizei bislang fünf mögliche Opfer bekannt. Bei allen Betroffenen handelt es sich um Jungen, die jünger als 14 Jahre sind, sagte ein Polizeisprecher.

In diesem Haus in Pfreimd trafen sich Kinder und Jugendliche. | Bild: Johannes Liedl / BR

Beschuldigt wird ein 55 Jahre alter Mann, der über viele Jahre hinweg in seinem Privathaus eine Art inoffiziellen Jugendtreff führte und so Kontakt zu Kindern und Jugendlichen suchte. Die Ermittler gehen weiterhin davon aus, dass es noch viele weitere Betroffene gibt, die über die Jahre mit dem Mann Kontakt hatten und möglicherweise auch sexuell missbraucht wurden.

Mann war polizeibekannt

Der Mann war der Polizei offenbar bekannt. Laut Staatsanwaltschaft Amberg machte der Mann bei seiner Haftvorführung bereits entsprechende Angaben. So sagte der Mann, „dass Mitte der neunziger Jahre etwas ähnliches gewesen seil“. Die Akten zu dem möglichen Vorfall sind laut Staatsanwaltschaft aber nicht mehr verfügbar, da die vorgeschriebene Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Die Aussage des Beschuldigten könne somit nicht verifiziert werden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Amberg dem Bayerischen Rundfunk.

Bürgermeister ruft zur Aufklärung auf

Der Vorfall schockiert die ganze Gemeinde. Bürgermeister Richard Tischler (Freie Wähler) zeigte sich tief betroffen. „Dies ist für mich eine Extremsituation“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Er kenne den Verdächtigen persönlich und sei im gleichen Alter. „Natürlich ist immer wieder spekuliert worden“, sagte Tischler. Es sei aber aus der Bevölkerung niemals ein konkreter Verdacht gegen den Mann geäußert worden. Tischler richtete einen dringenden Appell an die Einwohner von Pfreimd.

„Ich hoffe, dass sich jetzt wirklich alle, die etwas dazu beitragen können, dass die Geschichte aufgeklärt wird, den Mut haben, sich zu melden.“

Bürgermeister Richard Tischler

Ein Dutzend Kinder und Jugendliche melden sich als Zeugen

Der Missbrauchsfall zieht immer weitere Kreise. Mittlerweile haben sich mehr als ein Dutzend Kinder und Jugendliche als Zeugen gemeldet, sagte Polizeisprecher Michael Rebele dem BR. Der 55 Jahre alte Mann soll in Pfreimd über viele Jahre hinweg Kontakt zu Jugendlichen gesucht haben. In seinem Haus unterhielt der alleinstehende Mann offenbar eine Art inoffiziellen Jugendtreff, in dem die Jugendlichen regelmäßig zusammenkamen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es in Pfreimd noch viele weitere Betroffene gibt, und bitten dringend um Hinweise.

Beweismaterial sichergestellt

Der 55-Jährige sitzt seit 8. September in Untersuchungshaft. In seinem Haus wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, darunter diverse Datenträger, wie Polizeisprecher Rebele sagte. Von der Auswertung erhoffen sich die Ermittler neue Erkenntnisse zu möglichen sexuell motivierten Straftaten im Haus des Mannes.

Stand: 19.09.2014
http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/missbrauch-kinder-pfreimd-100.html