Jugendamt Monheim will Erwachsenen in Obhut nehmen

Dieser Erwachsene hat von der „Hilfe“ des selbsternannten Wächteramtes endgültig genug. Wir fragen uns, ob ein Heimaufenthalt in Rumänien geeignet ist, einen deutschen Heranwachsenden fit zu machen für den Start in den deutschen Berufsalltag. Oder ging es doch nur darum ein jugendliches Opfer von seiner Familie fernzuhalten? Ein abschreckendes Beispiel dafür, was Kinder in der Obhut des deutschen Staates durchmachen.

TheStudebaker1955

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Tags: Jugendamt – Kinderklau – Kindesabhnahme – Video – Familienrecht

Baby Verkauf von Flüchtlingen um 5000 Euro – Menschenhandel

Kinderhandel

Foto: eBay Kleinanzeigen

Deutsche Polizei holt Baby aus Flüchtlingswohnung

13.10.2016, 16:37

Nachdem am Dienstag in Deutschland ein 40 Tage junges Mädchen auf eBay Kleinanzeigen für 5000 Euro zum Verkauf angeboten worden war, haben die deutschen Behörden schnell reagiert: Die Anbieter wurden als in Duisburg lebende Flüchtlinge identifiziert, deren Wohnung durchsucht und das Baby dem Jugendamt übergeben.

Kind, 40 Tage alt, namens Maria, für 5000 Euro zu verkaufen„,
stand in dem Inserat. Daneben waren Bilder zu sehen, auf denen das kleine Mädchen aufgeweckt in die Kamera schaut. Dieses Angebot hatte in Deutschland einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, bereits wenige Minuten nach der Veröffentlichung des Inserats gab es scharfe Proteste zahlreicher fassungsloser User.

eBay Kleinanzeigen handelte vorbildlich und nahm die Anzeige nach einer halben Stunde wieder offline. „Wir haben sehr viele Nutzer- Hinweise bekommen, sind der Sache sofort nachgegangen. In so einem Fall stellen wir den Behörden sofort alle uns vorliegenden Daten zur Verfügung. Diese Anbieter haben wir sofort gesperrt. Wir haben speziell geschulte Teams, die solchen Fällen nachgehen und schnell reagieren“, sagte ein Sprecher von eBay Kleinanzeigen.

Maria nun in Obhut des Jugendamts

Auch die Polizei wurde verständigt. Sie nahm wegen des Verdachts auf Menschenhandel Ermittlungen auf.
Noch am Mittwochabend durchsuchten die Beamten die Wohnung der Flüchtlinge und beschlagnahmten Beweismaterial.
Die Eltern wurden vernommen, die kleine Maria kam anschließend in die Obhut des Jugendamts.

13.10.2016, 16:37
 http://www.krone.at/nachrichten/deutsche-polizei-holt-baby-aus-fluechtlingswohnung-zum-kauf-angeboten-story-534234

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – Jugendamt – Bundespolizei

14-Jähriger fuhr mit ICE allein durch ganz Deutschland

Bundespolizei greift vermisste Flüchtlingskinder auf

München – Die Bundespolizei hat zahlreiche, als vermisst gemeldete junge Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof aufgegriffen. Ein 14-Jähriger war allein mit dem ICE durch ganz Deutschland unterwegs.

In der Nacht von Sonntag auf Montag haben die Beamten der Bundespolizei zahlreiche minderjährige, unbegleitete Migranten an Münchner Bahnhöfen aufgegriffen. Zum Teil haben sich die Jugendlichen selbst an die Polizei gewandt – allerdings eigentlich nicht, um Obhut zu suchen.

In einer Münchner Unterkunft endete die Nacht noch für einen 14-jährigen Algerier. Er war mutterseelenallein ohne Fahrkarte mit dem ICE von Dortmund nach München unterwegs. Der Zugbegleiter verständigte die Bundespolizei.

kg, Aktualisiert: 07.03.16 – 15:02

http://www.tz.de/muenchen/stadt/bundespolizei-greift-vermisste-fluechtlingskinder-6187698.html
Tags: Kinderrechte –  Kinderschutz – Kindesmissbrauch – Menschenrechte – Jugendamt – Kindeswohlgefährdung – Kindeswohl – Menschenrechtsverletzung – Obsorge – Sorgerecht – 

Bub von Mama getötet – „Seit Jahren bat ich das Jugendamt, ihr den Buben wegzunehmen“

„Ich wollte, dass Alesio ins Paradies kommt“

19.07.2015, 07:53
"Ich wollte, dass Alesio ins Paradies kommt" (Bild: Andi Schiel, Martin Jöchl)
Foto: Andi Schiel, Martin Jöchl
Weil böse Stimmen ihr das befahlen, tötete Tamara K. ihren kleinen Sohn. „Seit Jahren bat ich das Jugendamt, ihr den Buben wegzunehmen“, sagt nun die Mutter der Frau.

Biljana M. ist eine hübsche Frau mit sehnigen Händen und einem gutmütigen Blick. „Mein Mann und ich“, sagt die Bosnierin, „haben hart geschuftet, um uns in Österreich eine gesicherte Existenz aufzubauen.“ Lange schien es, als hätte das Ehepaar das geschafft.

Ihre zwei Töchter waren fleißige Schülerinnen, und als Tamara, die Ältere, mit 18 Jahren Marinel S. – einen gebürtigen Rumänen, Lkw- Fahrer von Beruf – kennenlernte und bald mit ihm Hochzeit feierte, „hatten wir nichts dagegen“.

Schnell wurde die junge Frau schwanger. Am 25. August 2008 kam Alesio zur Welt. Die kleine Familie zog in eine 60- Quadratmeter- Wohnung in der Braunspergengasse in Wien- Favoriten. „Einige Zeit waren Tami und Marinel dort wirklich glücklich miteinander.“

Zwei Jahre später kamen die ersten groben Probleme

Als ihr Bub zwei Jahre alt war, fingen die Schwierigkeiten an. Der junge Vater ging plötzlich abends häufig alleine aus. „Tami kränkte das.“ Sie reagierte mit Seitensprüngen. Verbale Auseinandersetzungen, Schlägereien. 2013 die Scheidung. „Kurz darauf heiratete Tami noch einmal.“ Jasmin K., einen Bosnier, ein Wettbüro- Angestellter, „den wir“, so Biljana M., „nie leiden konnten.“ Weil er regelmäßig in seine Heimat fuhr, zu der Ex- Gattin und seinem Sohn, „und weil Alesio ihn nicht mochte.“

Sie sprach oft von schwarzer Magie

Laut Angaben der Großeltern wären an dem Kleinen ab 2014 Anzeichen von Misshandlungen zu sehen gewesen: „Und es kam nicht selten vor, dass Tami ihn über Wochen bei uns ließ, ohne sich zwischendurch nach ihm zu erkundigen.“

„Überhaupt“, berichtet Biljana M.,“hat sich unsere Tochter in den vergangenen zwei Jahren sehr verändert.“ Sie kündigte ihre Stelle als Empfangsdame. Sprach von schwarzer Magie und einem mächtigen Gott, mit dem sie kommuniziere. Sie begann, Cannabis zu konsumieren.

25- Jährige litt unter manisch- depressiven Verstimmungen

Im Sommer 2014 zog sie sich auf der Triesterstraße splitterfasernackt aus. Danach wurde sie für sechs Tage stationär in einer Psychiatrie aufgenommen. Diagnose: manisch- depressive Verstimmungen. Fortan musste Tamara K. Pillen einnehmen. „Was sie“, sagt Biljana M., „mitunter nicht tat. Und dann verschlechterte sich ihr seelischer Zustand massiv.“

Die Eltern der Frau wiesen „das Jugendamt wiederholt darauf hin, dass Tami nicht fähig wäre, ihren Buben adäquat zu versorgen. Dass es besser wäre, ihn in unsere Obhut zu übergeben. Doch die Behörden nahmen unsere Bedenken nicht ernst.“

Seltsames Verhalten beim letzten Treffen

Am Nachmittag des 4. Juli sah Biljana M. ihren Enkel zum letzten Mal in ihrem Leben.  „Tami und ich waren vor ihrem Haus verabredet, eigentlich sollte der Kleine ja das Wochenende bei mir verbringen. Doch meine Tochter weigerte sich, ihn mir zu übergeben.“ Ihr Gatte befinde sich in Bosnien, erklärte die 25- Jährige ihrer Mutter, und dass sie nicht allein sein wolle.

Welchen Eindruck machte Tamara K. bei dem Treffen? „Einen seltsamen“, sagt Biljana M., „sie übergab mir eine Marien- Statue und einen Parfümflakon. Diese Dinge brauche sie nicht mehr, meinte sie, weil jetzt Allah ihr Gott wäre. Und sie nahm T- Shirts, die ich für Alesio gekauft hatte, nicht an. Schenk sie einem anderen Kind, fauchte sie.“

„Bring Alesio ins Paradies!“

24 Stunden später brachte Tamara K. ihren Sohn um. „Ich saß auf der Couch und sah mir einen Film an“, so die Frau im Vehör: „Die Stimmen, die aus dem Fernseher kamen, waren so eindringlich und laut. Irgendwann befahlen sie mir: Bring Alesio ins Paradies!“

Tamara K. zwang ihren Sohn, ein Fläschchen Beruhigungstropfen zu trinken, er erbrach, „also löste ich stärkere Pillen in Saft auf und gab ihm die Mischung zu trinken. Er wurde müde, ich drückte einen Polster gegen sein Gesicht. Bis er sich nicht mehr bewegte. Ich wusste aber nicht, ob er tatsächlich tot war. Deshalb holte ich ein Stanley- Messer aus der Küche.“

Die 25- Jährige fügte damit ihrem Kind zahlreiche Verletzungen zu, an den Armen, am Hals, im Bauch- und Brustbereich.“Und dann wollte ich mir die Pulsadern aufschneiden. Doch ich schaffte das nicht.“ In der Folge packte sie Schmerz- , Abführmittel, Psychopharmaka, den Koran und Kleidung in eine große Tasche. Sie warf noch eine Decke über Alesios Leiche – und verließ ihre Wohnung.

Jetzt fragt sie: Was habe ich getan?

Wenige Stunden später – „was ich in der Zwischenzeit gemacht habe, weiß ich nicht mehr“ – quartierte sie sich in einer Frühstückspension in Wien- Liesing unter dem Namen Elisabeth Müller ein: „Dort, im Zimmer 11 im ersten Stock, nahm ich 100 Tabletten ein. Aber ich starb nicht. Sondern bekam bloß Durchfall.“

Am 7. Juli fuhr sie mit einem Taxi zum Kahlenberg. Irrte dort ziellos umher. Polizeibeamte griffen sie schließlich auf: „Ich glaube, ich habe meinen Sohn umgebracht. Sie sollten mich verhaften“, erklärte sie ihnen. 

Tamara K. befindet sich nun in Untersuchungshaft. Nicht in einem Gefängnis, sondern in der geschlossenen Psychiatrie eines Spitals. „Was habe ich bloß getan?“, fragt sie ständig die Justizbeamten, die sie rund um die Uhr bewachen.

„Ich werde den Tod meines Enkels niemals verkraften“

Biljana M. sitzt in ihrer Wohnung, auf dem Bett, in dem Alesio so oft geschlafen hat, wenn seine Mama ihn nicht bei sich haben wollte. Die Großmutter drückt eines seiner geliebten Stofftiere an sich: „Ich werde den Tod meines Enkels niemals verkraften“, schluchzt sie. Ihre Tochter hat sie bislang noch nicht besucht: „Ich habe keine Ahnung, ob ich ihr jemals vergeben kann.“

19.07.2015, 07:53, Martina Prewein, Kronen Zeitung
 http://www.krone.at/Oesterreich/Ich_wollte._dass_Alesio_ins_Paradies_kommt-Bub_von_Mama_getoetet-Story-463051


Jugendamt – Warum sollten Jugendliche (Heimkinder) bis 21 Jahren bei der Jugendwohlfahrt bleiben ?

Derzeit ist es leider so, dass oft diese Heimkinder vom Jugendamt ab 18 Jahren durch einen Vormund besachwaltet werden , welches ich für sehr bedenklich halte.

Diese jungen Erwachsenen haben dann mit 18 Jahren keinen Zugriff auf ihre Erbschaften. Dieses Vermögen wird vom Sachwalter sehr oft für  diverse Ausgaben herangezogen oder verkauft.

Wenn diese Hilfe bis zum 21 Lebensjahr auf völlig freiwilliger Basis passiert, ohne juristische Rechtsvertretung bzw. Vormund, dann könnte man es eventuell positive Bewerten ?

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Jugendwohlfahrt: Zwischen Absprung und Absturz

Jacqueline

Jacqueline / Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Während die meisten Österreicher erst mit mehr als 20 Jahren das Elternhaus verlassen, müssen Kinder in der Jugendwohlfahrt mit 18 auf eigenen Beinen stehen. Nicht alle schaffen den Absprung.

06.06.2015 | 18:03 |   (Die Presse)

Wenige Monate vor ihrem 18.Geburtstag ist Jacquelines Zukunft ungewiss. Nicht wie bei anderen jungen Erwachsenen, die nach der Schule nicht wissen, ob sie ins Ausland gehen, Jus oder Ethnologie studieren sollen. Jacqueline weiß nicht, ob sie nach ihrem 18. Geburtstag noch eine Wohnung hat, ob sie bis dahin eine Lehrstelle hat und ob sie dann nicht raschest um Mindestsicherung ansuchen muss.

Dabei ist Jacquelines Leben eigentlich in Ordnung. Sie wohnt in Wien, hat die Aussicht auf eine Lehrstelle, Freunde – und ihr Leben ist nach schwierigen Jahren wieder im Gleichgewicht. Dank des österreichischen Staates, der sie mit 15 Jahren aufgefangen hat. Jacqueline wohnt im SOS-Kinderdorf. Sie ist damit ein Mündel der Jugendwohlfahrt. Doch just die Hand, die sie vorher aufgefangen hat, droht jetzt, ihr wieder den Boden unter den Füßen wegzureißen. Denn mit 18 Jahren müssen die Jugendwohlfahrts-Kinder das System verlassen. Ganz egal, ob sie dafür schon bereit sind oder nicht.

„Im Grund sind es zwei Töpfe: Bis 18 Jahre ist die Jugendhilfe zuständig, danach die Sozialhilfe“, erklärt Jacquelines Betreuer Dieter Schrattenholzer. Wenn die Jugendlichen in seine Obhut kommen, vielleicht mit 12, 13, 14 Jahren, oder früher, denkt er schon an deren 18. Geburtstag. Bis dahin gibt es viel zu tun: Er muss die Jugendlichen stabilisieren, mit ihnen ihr Trauma verarbeiten, sie gleichzeitig für ihr Leben nach der Volljährigkeit fit machen: eine Wohnung suchen, Arbeit, Rechtliches klären. „Für Jugendliche sind zwei Jahre eine lange Zeit, für uns Betreuer sind zwei Jahre nichts.“ Wenn die Jugendlichen das Kinderdorf mit 18 Jahren verlassen, muss alles aufgearbeitet sein – auch die Geschichte, die sie erst ins Kinderdorf gebracht hat.

Nicht alle schaffen das. Schrattenholzer erzählt von Jugendlichen, die nach ihrem 18.Geburtstag auf der Straße landen. Obdachlos werden, weil sie es nicht geschafft haben, ihre Wohnung zu halten, auf der Straße landen, kriminell werden. Andere gehen zurück zu ihrer Familie, aus der sie der Staat Jahre davor zu ihrem eigenen Schutz geholt hat. „Dort haben sie die gleichen Probleme wie vorher“, sagt er. Missbrauch, Gewalt, Sucht, Gleichgültigkeit.

Zwar könnten die meisten Jugendlichen um Mindestsicherung ansuchen, doch auch das schaffen viele nicht. Sie scheitern an den komplizierten Behördengängen, an den zwei bis drei Monaten, die die Bearbeitung dauert. Hinzu käme noch falscher Stolz. Wer will schon mit 18 Jahren ein Sozialfall sein?

Deswegen fordern Organisationen wie das SOS-Kinderdorf oder die Diakonie das Recht für Jugendliche, bei Bedarf länger in der Jugendwohlfahrt zu bleiben. Bis maximal 21 Jahre. Das ist schon jetzt möglich. Allerdings immer nur mit Ausnahmegenehmigungen. Und die sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Wien wird um ein Jahr verlängert, wenn man in Ausbildung steht. In der Steiermark bekommt auch jemand eine Verlängerung, der in keiner Ausbildung ist. In manchen Bundesländern (Salzburg) wird fast immer verlängert, in anderen ist es schwieriger. Auch werden die Verlängerungen nur für einen kurzen Zeitraum vergeben. Ein Jahr gibt es nur einmal in Wien, danach muss alle drei, vier Monate neu angesucht werden. „Man mutet den Jugendlichen zu, immer wieder zu beschreiben, warum sie ein Problem haben, anstatt sie zu erinnern, was sie schon können“, sagt Elisabeth Hauser, Leiterin des Fachbereichs Pädagogik bei SOS-Kinderdorf.

Die Aussicht, mit einer laufenden Ausbildung im System bleiben zu dürfen, ist auch der Grund, warum die Kinderdorf-Betreuer mantraartig ihre Jugendlichen beschwören, eine Lehre anzufangen: „Ohne Lehre kannst du nicht bei uns bleiben“, sagt Schrattenholzer. Was ihn ärgert: „Studien zeigen, dass Österreicher zwischen 22 und 25 beginnen, von zu Hause auszuziehen. Unsere Kinder müssen es mit 18 schaffen.“

Keine Mindestsicherung. Noch dazu, weil nicht für alle Jugendwohlfahrtskinder danach das Sozialsystem bereitsteht. Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling ins Land gekommen und ohne Staatsbürgerschaft, hätte der 21-jährige Raymond nicht einmal einen Anspruch auf Mindestsicherung gehabt. In seinem Fall hätte das bedeutet: Straße, vielleicht auch zurück zum Vater, zu dem er nicht wollte. „Es hätte schlimm ausgehen können“, sagt er und die Stimme des schlanken, großen jungen Manns wird kurz brüchig.

Dabei hat Raymond alles richtig gemacht. Nachdem er mit seinem Vater von Sierra Leone nach Wien geflohen ist, lernt er Deutsch, geht zur Schule. Sofern es die komplizierte Situation in seiner Familie zulässt. Seit er 14 ist, lebt er im Kinderdorf, bemühte sich um eine Lehre, bekam sie. Trotzdem saß er kurz vor seinem 18.Geburtstag da, gerade einmal im ersten Lehrjahr, und zitterte um eine Verlängerung. „Das war eine schwierige Zeit“, sagt er. Auch wenn ihm seine Betreuer sagten, dass alles gut gehen würde. „Aber man weiß ja nicht, was die (Behörden, Anm.) denken.“ Mehrere Male musste er verlängern, und immer wieder hatte er Angst.

Rund 270 Jugendliche betrifft diese Situation in Wien jedes Jahr, schätzt das Kinderdorf. Das Wiener Jugendamt spricht von 50 bis 80 Jugendlichen, die tatsächlich jährlich verlängert werden. Das Familienministerium weiß von 1250 Jugendlichen zwischen 18 und 21 österreichweit. Eine Zahl, die seit 2008, damals waren es 860, gestiegen ist. Erst vor Kurzem hat das Kinderdorf Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) eine Petition für ihre Forderung mit 5200 Unterschriften überreicht. Langfristig soll die Verlängerung – sie soll nur in Kraft treten, wenn der Jugendliche es braucht – dem Staat Kosten sparen helfen. Ein 18-Jähriger, der zum Sozialfall wird, ist teuer, weil er lang im System bleibt.

Die Notwendigkeit für einen verlängerten Rechtsanspruch sieht das Wiener Jugendamt übrigens nicht. „Jeder, der es braucht, kann länger bleiben“, sagt Jugendamtssprecherin Herta Staffa. „Die Frage ist halt immer, hilft die längere Unterbringung überhaupt“, sagt sie. Wenn jemand in keiner Ausbildung sei und/oder kein Interesse daran zeige, sei die Frage, ob eine Verlängerung eine geeignete Maßnahme sei.
Runder Tisch im Herbst. Im Familienministerium weist man darauf hin, dass die Verlängerung Ländersache sei. Die Familienministerin werde aber einen runden Tisch im Herbst mit den Ländern organisieren, erklärt ein Sprecher. Ob auch eine Gesetzesnovellierung zu einer einheitlichen Praxis beitragen könne, werde sich erst nach der Evaluierung des Gesetzes zeigen. Die Ergebnisse werden für 2017 erwartet.

Raymond jedenfalls hat Glück gehabt. Jeder seiner Verlängerungen wurde stattgegeben. Jetzt ist er 21 und aus dem System entlassen. „Mit gutem Gefühl“, wie Schrattenholzer sagt. Seine Lehre ist fast abgeschlossen, er hat eine Wohnung, bald die Staatsbürgerschaft. Ein Vorzeigefall. Auch, weil so viel hätte schiefgehen können.

Jacquelines Geschichte ist noch offen. Eine Lehre hat sie noch nicht, auch wenn die Chancen gut stehen. Die Zusage für die Verlängerung gibt es erst wenige Wochen vor dem 18. Geburtstag. „Klar habe ich Angst, aber es wird schon alles gut gehen“, sagt sie. Mehr als hoffen bleibt ihr ohnehin nicht.

18 plus

Die „18plus-Problematik“,wie sie im Fachjargon genannt wird, betrifft Jugendliche, die mit 18 Jahren noch nicht bereit sind, das Jugendwohlfahrtssystem zu verlassen. Organisationen, die Jugendliche betreuen, fordern den Rechtsanspruch für Jugendliche, bis 21 Jahre im System zu bleiben, sollten sie es benötigen. Derzeit muss um eine Verlängerung angesucht werden. Die Kriterien dafür sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Wien ist eine Lehre de facto notwendig.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 07.06.2015)

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/4748651/Jugendwohlfahrt_Zwischen-Absprung-und-Absturz
Tags: Sachwalterschaft – Jugendamt – Vormund – Mündl – Jugendwohlfahrt – Justiz – Jugendliche – Beruf – Wohnung – Selbständiges Leben –

 

 

2013 ein Drittel mehr Inobhutnahmen als im Vorjahr

Landkreis Giessen16.08.2014

Die Gewaltbedrohung von Kindern im Gebiet des Landkreises Gießen steigt: In 68 Fällen musste das Jugendamt 2013 einschreiten. Dieses Jahr sind es bisher schon wieder 30.	<br />
Foto: red

Die Gewaltbedrohung von Kindern im Gebiet des Landkreises Gießen steigt: In 68 Fällen musste das Jugendamt 2013 einschreiten. Dieses Jahr sind es bisher schon wieder 30.
Foto: red

 KREIS GIESSEN – (red). 42 100 Kinder und Jugendliche haben die Jugendämter in Deutschland 2013 in Obhut genommen. Das Jugendamt des Kreises musste in 68 Fällen die Notbremse ziehen und ein Kind aus einer Familie nehmen: „Kinder von ihren Eltern zu trennen, ist immer das äußerste Mittel. Unsere Aufgabe ist es, die Kinder zu schützen. Unser Ziel ist es, dies zu erreichen, ohne die Mädchen und Jungen in Obhut nehmen zu müssen“, sagt Dirk Oßwald, Erster Kreisbeigeordneter und Jugenddezernent: „Leider ist das nicht immer möglich.“ Jugendamtsleiterin Claudia Warnat unterstreicht, wie schwer es sich die Mitarbeiter machen: „Leicht fällt dieser Schritt nie. Diese schwerwiegende Entscheidung fällt auch niemals am Schreibtisch“, erläutert sie. „Wir gehen raus und machen Hausbesuche. Schließlich müssen wir uns ein genaues Bild verschaffen, um zum Wohl des jeweiligen Kindes entscheiden zu können.“ Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass immer mehr Kinder diese Hilfe brauchen.

2012 verzeichnete das Jugendamt des Kreises 43 Inobhutnahmen, ein Jahr zuvor waren es 34. Allerdings steigt seit den vergangenen Jahren nicht nur die absolute Zahl, sondern auch der Gießener Anteil der Inobhutnahmen in der deutschlandweit geführten Statistik. Während er 2011 noch bei unter 0,1 Prozent lag, machen die Inobhutnahmen im heimischen Landkreis mittlerweile 0,16 Prozent der Fälle in Deutschland aus.

Zum ersten Halbjahr 2014 liegen für den Kreis noch keine belastbaren Daten vor, in mindestens 30 Fällen mussten die Mitarbeiter des Jugendamts beim Landkreis Gießen bislang einschreiten und ein Kind in Sicherheit bringen. Hinweise auf mögliche Misshandlungen bekommt das Jugendamt von aufmerksamen Nachbarn, Bekannten, Kinderärzten, Schulen und Kindertagesstätten. Einige Kinder und Jugendliche melden sich aber auch selbst. Die Mitarbeiter des Jugendamts kümmern sich um jeden einzelnen Fall. 68 stuften sie im vergangenen Jahr nach reiflicher Überlegung als so schwerwiegend ein, dass sie die Mädchen und Jungen aus ihren Familien herausholen mussten. In solchen Fällen leiden Kinder und Jugendliche unter akuten Gefahren. Sie erleben schwere Konflikte in der Familie, Misshandlungen, sexuelle Gewalt. Dann ist die Inobhutnahme der letzte Ausweg.

 

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/landkreis/2013-ein-drittel-mehr-inobhutnahmen-als-im-vorjahr-notwendig-gewesen_14456080.htm