Kein Geldesel vorhanden – Als Vater nicht ernst genommen von Behörden . . .

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Vater wünscht sich Ruhe

Streit um Umgangsrecht - Gespräch mit betroffenem Vater

Wenn Zeit für ein Ehrenamt ist, will Basler sich für andere Väter engagieren und will, dass mehr über ihre Rolle in der Familie nachgedacht wird. (Christina Kuhaupt)

Schließlich ist Tom Basler* den Weg doch nicht gegangen. Die Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen. „Ich habe sehr lange überlegt und mit meiner Familie gesprochen. Wie gehen wir damit um?“ Zusammen mit seiner Ex-Partnerin teilt er sich das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder. Abwechselnd sind sie bei ihrer Mutter oder ihrem Vater.

Doch es gab Streit um den Montag mit seiner Tochter alle 14 Tage. Seit einem Gespräch im Jugendamt fehlt Basler der Tag mit ihr, weil die Fallmanagerin und seine Ex-Partnerin das für richtig hielten. Der Vater fühlte sich damals gedrängt, dem Vorschlag zustimmen zu müssen, obwohl er ihn für nicht sinnvoll hält: „Ich war so in Aufruhr. Mir flossen die Tränen.“

Tom Basler erzählte dem WESER-KURIER von seiner Geschichte. Davon, dass er seine Tochter plötzlich weniger sehen sollte. Davon, dass er sich von der Fallmanagerin nicht gehört fühlte. Davon, dass ihm das Treffen wie eine geheime Absprache zwischen den beiden Frauen schien. „Ich konnte nur verlieren.“

Sommer in Hessen
Deshalb überlegte der Bremer, juristische Schritte zu ergreifen und das Familiengericht anzurufen. Das ist zuständig, wenn Eltern sich über die Besuche ihrer Kinder nicht einig werden oder sich vom Jugendamt benachteiligt fühlen. Basler glaubt nicht, dass seine Geschichte ein Einzelfall ist.

Heute ist der Vater erleichtert, dass er doch „keine Welle gemacht hat“. Seine Familie komme gerade zur Ruhe: „Das ist wichtig. Ich und meine Partnerin sind einfach froh, dass es momentan ganz gut läuft und den Kindern gut geht.“ Die vergangenen Wochen sind für ihn gesundheitlich nicht leicht gewesen. Davon erholt er sich noch. „Ich hatte keine Kraft mehr zu kämpfen.“

Das Streitthema Montag will er derzeit nicht wieder angehen – nicht juristisch, nicht im Jugendamt. Ein Rechtsfall koste schließlich: „Klar, ich könnte zum Anwalt gehen, wenn ich einen Dukatenesel im Keller hätte.“ Und ohnehin habe er in der Vergangenheit immer wieder Zweifel gehabt, ob der Weg zum Gericht etwas bringe: „Das ist eine Mischung aus Hoffnungslosigkeit und auch einfach der Frage: Nützt das jetzt was, meine Kraft aufzuwenden?“

Kein Gleichstellungsbeauftragter für alle

Tom Basler wünscht sich Ruhe. Es gebe außerdem viele Situationen, die ihm zeigten, dass er und seine Ex-Partnerin meistens an einem Strang ziehen. „Ich habe Vertrauen, weil ich weiß, dass sie eine gute Mama ist.“ Für das Jugendamt hat er Verständnis. Dennoch bleibt es für ihn ein Fehler, dass die Fallmanagerin sich seine Argumente damals nicht angehört hat.

Basler ist sich sicher: In bestimmten Ämtern gibt es alte verfestigte Rollenbilder. Das sei problematisch, gerade weil viele Eltern getrennt lebten und viele Kinder von den Entscheidungen betroffen sind. Laut einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach in den Jahren 2016 und 2017 sind fast ein Viertel der Mütter und Väter mit minderjährigen Kindern Trennungseltern. 84 Prozent der Kinder sind laut dieser Untersuchung nach der Trennung bei der Mutter gemeldet.

In dem Bericht heißt es weiter: „22 Prozent der Väter geben an, sie fühlten sich von der Erziehung des Kindes aus der früheren Partnerschaft ausgeschlossen.“ Basler fragt sich, warum es in Bremen bis heute eine Frauenbeauftragte gibt, aber keinen Gleichstellungsbeauftragten für alle. „Das war vielleicht zu einer Zeit wichtig und richtig, ist es aber nicht mehr.“

Das Bedürfnis nach Ruhe überwiegt

Als Reaktion auf den Artikel im WESER-KURIER über Basler meldeten sich auch andere Väter, die ihre Kinder gerne länger oder überhaupt sehen möchten, die sich vom Jugendamt oder der Kita als Mann nicht ernst genommen, die sich als Vater benachteiligt fühlen. Basler hat mittlerweile von vielen solchen Geschichten gehört und sammelt Artikel zum Thema.

Der Bremer ist froh, dass er mit seiner Ex-Partnerin im Prinzip eine Lösung für die beiden gemeinsamen Kinder gefunden hat: „Uns geht es eigentlich ziemlich gut. Ich darf meine Tochter aufwachsen sehen, sie ist nicht weggezogen.“ Im Alltag, zusammen unterwegs mit seiner Tochter und dem Sohn, erlebe er zudem keine Benachteiligung. „Deswegen hat mich das Erlebnis im Amt vielleicht auch so desillusioniert.“

Wenn Zeit für ein Ehrenamt ist, will Basler sich für andere Väter engagieren und will, dass mehr über ihre Rolle in der Familie nachgedacht wird. Wichtig ist es ihm, sich mit anderen Eltern auszutauschen. „Ich glaube, es kann immer helfen, wenn man unterschiedliche Geschichten hört, weil dadurch Lasten losgelassen werden.“ Kontakte möchte er zum Beispiel über „Mein Papa kommt“ suchen. In diesem privaten Netzwerk kann Vätern, deren Kinder weit weg wohnen, ein Schlafplatz in der Nähe angeboten werden. Basler möchte ein Zimmer dafür bereitstellen.

Irgendwann will Basler den Montag wieder ansprechen. Dafür brauche es noch mehr Abstand, um sich der Sache sachlicher zu nähern. „Das ist ein Moratorium. Das braucht Zeit.“ Im Moment überwiegt das Bedürfnis nach Ruhe – für alle.

*Name von der Redaktion geändert
Lisa Boekhoff 28.12.20170 Kommentare

https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-vater-wuenscht-sich-ruhe-_arid,1684146.html
Tags: Umgangsrecht – Familie – Familienrecht – Mobbing – Gleichberechtigung Gleichstellung – psychische Gewalt – Scheidung – Trennung – Vaterschaft – Vaterlose Gesellschaft