Inobhutnahmen – 40 Milliarden Steuergelder € kostet die Kinder- und Jugendhilfe

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Unbegleitete Flüchtlingskinder: Daten, Zahlen, Kosten


Inobhutnahmen 2014 - Jugendamt
Inobhutnahmen 2014 – Jugendamt

Staatliche Betreuung und Versorgung von Kindern ist teuer: Annähernd 40 Milliarden € kostet die Kinder- und Jugendhilfe die öffentliche Hand in Deutschland. Damit haben sich die Kosten in den letzten 10-15 Jahren in etwa verdoppelt. Vor allem die chronisch klammen Kommunen ächzen unter der finanziellen Last.

Ein Grund für die Verdoppelung ist der massive Ausbau der Kinderbetreuung, der politisch forcierte Wandel hin zu einer „Institutionenkindheit“: Eltern sollen ihre Kinder von klein auf in „professionelle Hände“ geben, weil sie zuhause angeblich nicht die nötige Förderung erhalten.

Um diese These zu legitimieren, wurde mit großem medialen Echo vielfach ein Zerrbild gezeichnet von Kindern, die in Familien verwahrlosen wie etwa die tragischen Fälle von Kindesmisshandlung (z.B. Lea-Sophie 2007) zeigen sollten (1). Den Jugendämtern wurde „Versagen“ attestiert, worauf diese reagierten, indem sie Kinder schneller der Obhut ihrer Eltern entzogen. In der Folge ist Zahl der „Herausnahmen“ und „Inobhutnahmen“ sprunghaft gestiegen (2).

Nach solchen „vorläufigen Schutzmaßnahmen“ müssen Kinder in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht werden, wenn es nicht möglich erscheint, sie ihren Eltern zu lassen. Das betrifft vor allem Kinder, deren Eltern sich getrennt haben: Fast die Hälfte der Heimerziehungsmaßnahmen gilt Kindern von Alleinerziehenden,  ein weiteres Viertel betrifft Kinder, deren Eltern mit einem neuen Partner zusammenleben. Weniger als ein Fünftel der Heimkinder kommt aus Kernfamilien, die offenbar seltener öffentliche Erziehungshilfen für Kinder erforderlich machen. Beim restlichen Zehntel der Kinder sind die Eltern „unbekannt“ (3). Diese Kategorie erscheint zunächst rätselhaft, wird aber verständlich, wenn man die Fälle von sogenannter „Unversorgtheit“ junger Menschen betrachtet. Sie tragen maßgeblich zum jüngsten Boom der „Hilfen zur Erziehung“ bei. Nach den jüngsten Zahlen (für 2014) haben diese Hilfen einen neuen Höchststand erreicht (4). Vor allem in der Altersgruppe der 15-18-Jährigen Jungen hat die Zahl dieser Fälle sprunghaft zugenommen; hier ist ihr Anteil an den Heimunterbringungen innerhalb weniger Jahre von 20% (2010) auf 40% (2014) gestiegen (5). Offensichtlich handelt es sich hier meist um „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, deren Zahl sprunghaft angestiegen ist (6).

Für diese Annahme spricht, dass die Zahl der jungen Menschen in den Heimen, die „zuhause kein Deutsch sprechen“ stark zugenommen hat: Ihr Anteil an den männlichen Heimbewohnern ist von 15,5% auf 28,9% gestiegen. Bei den weiblichen Heimbewohnern  hat er nur leicht (von 12,1% auf 14,7%) zugenommen, was das Bild einer vorwiegend „männlichen Migration“ bestätigt. Auffällig ist, dass die Gruppe der 16- und 17-Jährigen für die Zunahme ausschlaggebend ist: Im Jahr 2014 entfielen mehr als die Hälfte der neu gewährten Heimerziehungsmaßnahmen auf diese beiden Altersjahre junger Männer (7).

Das wirft Fragen auf, nicht zuletzt nach den Altersangaben von Migranten, denen oft zuverlässige Ausweisdokumente fehlen. Polizisten und Behördenmitarbeiter berichten von widersprüchlichen Altersangaben, je nach Opportunität. Auch werden medizinische Untersuchungen (z. B. Röntgen der Knochen), die das tatsächliche Alter verifizieren könnten, abgelehnt (8). Die Kosten dieser sehr speziellen Form von „Erziehungshilfen“ werden kaum beachtet, obwohl jeder Heimplatz mehrere tausend Euro im Monat kostet.

Die Heimerziehung zeigt damit exemplarisch, wie teuer es ist, wenn der Staat an die Stelle der Familie tritt. Im Vergleich zu solchen Kosten ist das 150-Euro-Betreuungsgeld ein Klecker-Betrag. Aber selbst das wollten viele Politiker, sekundiert vom BVerG und etlichen Medien, den „Normalfamilien“ wieder streichen. Stattdessen sollen die Normalfamilien für immer mehr Staatsbetreuung zahlen, nun auch die von zugewanderten (Halb)Erwachsenen aus fernen Ländern. Das ist die Logik eines Neo-Etatismus, der sich gegen jeden Zweifel selbst immunisiert. Für seine Gläubigen dient jedes Problem nur als neuer Beweis dafür, dass noch mehr Staat benötigt wird. Man darf sich fragen: Wohin führt solch eine Logik? Zu mehr Freiheit sicher nicht.


(1)  In der Betroffenheit über die schockierenden Einzelfälle wurden die positiven Trendzahlen vergessen, die einen längerfristigen deutlichen Rückgang der Kindesmisshandlungen zeigten. Eingehender hierzu: http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2014/02/15/artikel/kindstoetungen-schockierende-einzelfaelle-aber-ruecklaeufige-zahlen.html.
(2)  Vgl. „Herausnahmen von Kindern im Zeitvergleich“, Abbildung ebd.
(3)  Vgl. Heimerziehung in Deutschland: Mehr als zwei von drei Fällen geht die Scheidung der Eltern voraus, Abbildung in: i-DAF-Nachricht der Woche, 2014/6, 16.03.2014, http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2014/03/16/artikel/kinderarmut-hauptgrund-ist-die-trennung-der-eltern.html.
(4)  Sandra Fendrich/Agathe Tabel: Hilfen zur Erziehung auf neuem Höchststand – eine Spurensuche, S. 2-5, in: Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe, Dezember 2015 Heft Nr. 3/15 18. Jg., S. 2.
(5)  Ebd., S. 4.
(6)  Siehe hierzu: Mehr „Inobhutnahmen“ durch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (Abbildung).
(7)  Sandra Fendrich/Agathe Tabel: Hilfen zur Erziehung auf neuem Höchststand, a.a.O., S. 3.
(8)  Gegen diese Verfahren wird ihre mangelnde Exaktheit angeführt. Aber selbst näherungsweise Einschätzungen des Alters könnten helfen, bestimmte Missbräuche aufzudecken. Aufschlussreich hierzu: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/medizinische-altersbestimmung-entscheidet-ueber-fluechtlingsschicksale–108690012.html.
Nachricht des Monats, 2016 / 2, 23.02.2016
Tags: UMF – Staatserziehung – staatliche Erziehung – Kinderheim – Heimkinder – Familienrecht –  Jugendamt Statistik – Sorgerecht

Die Rückführungsquote der Kinder soll möglichst hoch sein . . .

„Ziel ist es, so viele Kinder wie möglich zu ihren Familien zurückzuschicken.“

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 Katholisches Kinderheim Pauline von Mallinckrodt in Siegburg

Das Heim kann die Familie nicht ersetzen

Immer mittendrin und obenauf: Vor sieben Jahren stieg die Psychologin Sonja Boddenberg (39) in die Heimleitung auf. Das katholische Kinderheim Pauline von Mallinckrodt in Siegburg-Wolsdorf beschäftigt 157 Mitarbiter und betreut 120 Kinder.  Foto: Quentin Bröhl
Als Leiterin der Kindereinrichtung „Pauline von Mallinckrodt“ in Siegburg-Wolsdorf ist Sonja Boddenberg rund um die Uhr im Einsatz. Doch trotz einer Betreuung rund um die Uhr, könne die eigene Familie für die Kinder trotzdem niemals ganz ersetzt werden. 

Von Jan Schulte

Siegburg. So richtig bei der Sache sind sie nicht, die Jugendvertreter des katholischen Kinderheims Pauline von Mallinckrodt in Siegburg-Wolsdorf. In der einen Ecke bemalen sich zwei Mädchen gegenseitig mit Kugelschreibern, in einer anderen reden zwei Jungs so laut, dass es Sonja Boddenberg irgendwann zu viel wird. Sie seufzt laut, guckt die Mädchen an, ermahnt die beiden Jungen. Danach herrscht einigermaßen Ruhe. Seit einer knappen Stunde sitzt Heimleiterin Sonja Boddenberg mit den Kindern und Jugendlichen zusammen. Einmal im Monat treffen sich die Vertreter der einzelnen Wohngruppen im Partyraum des Heims, um über Probleme und Projekte zu diskutieren.

Heute geht es in der „Kinder- und Jugendvertretung“ darum, ob man jugendliche Betreuer im Heim zulassen möchte. Denn nicht alle Kinder des Heims würden mit ihren Problemen zu den erwachsenen Betreuern gehen, finden die Gruppenvertreter. Seit sie die Stelle als Heimleiterin übernommen hat, sitzt Boddenberg immer mittendrin, hört zu, macht sich Notizen und moderiert die Sitzungen.

Weniger Kontakt zu den Kindern

Sie freue sich immer auf diese monatlichen Treffen, sagt Boddenberg. Denn seit ihrem Wechsel 2008 in die Heimleitung habe sie sehr viel weniger direkten Kontakt zu den Kindern als während ihrer vorherigen Arbeit als Psychologin. Heute ist sie vor allem Geschäftsführerin einer Institution mit 157 Mitarbeitern und 120 Kindern. Zu den Mitarbeitern gehören allein 100 Pädagogen, die größtenteils in Schichten arbeiten, da die Kinder auch nachts betreut werden.

Hinzu kommen Gärtner, Küchenmitarbeiter, Hausmeister und junge Leute, die im Heim ein freiwilliges soziales Jahr machen. „Ich habe viele Termine, viele Facharbeitskreise und muss viele Bewerbungsgespräche führen“, beschreibt Boddenberg ihren Arbeitsalltag. Die 39-Jährige verbringt die meiste Zeit in ihrem Büro, kümmert sich um die Finanzen, initiiert neue Projekte, spricht viel mit ihren Mitarbeitern und hält Kontakt zu verschiedenen Jugendämtern, die für die Zuweisungen zuständig sind.

Die meisten Kinder kommen aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Auch Diskussionen mit den Eltern, die sich von ihren Kindern trennen mussten, gehören zu Boddenbergs Aufgaben. Die seien häufig anderer Meinung, was das Beste für ihr Kind sei, sagt sie, brächten manchmal auch einen Anwalt mit.

Eigene Familie bleibt unersetzbar

Trotz der 24-stündigen Betreuung und dem Leben in kleinen Gruppen könne die eigene Familie nie ersetzt werden, sagt Boddenberg. „Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Ziel ist es, so viele Kinder wie möglich zu ihren Familien zurückzuschicken.“ Solange die Kinder jedoch im Heim sind, sollen sie sich dort angenommen fühlen.

Sie kennt jedes Kind beim Namen und zum Geburtstag hat sie für jeden eine Tüte mit Süßigkeiten parat. Fallen an einem Abend einmal überraschend zu viele Betreuer für eine Gruppe aus, übernachtet sie auch mal in der Wohngruppe. Zum Kinderheim Pauline von Mallinckrodt gehören insgesamt fünf Häuser mit insgesamt 15 Wohngruppen und ein Kindergarten für kleine Heimbewohner, aber auch für Kinder von außen.

Die meisten der Kinder sind im Haupthaus an der Jakobstraße in Siegburg-Wolsdorf untergebracht. Auch Boddenberg und der Rest der Verwaltung sitzen dort. Für die Wohngruppen des Haupthauses und den Kindergarten gibt es dort eine zentrale Küche. Die vier Außenwohngruppen sind in Siegburg verteilt. Es gibt unter anderem eine Gruppe für Kinder mit Entwicklungsstörungen, Ängsten, Unruhen oder Leistungsschwächen. Dann gibt es eine Gruppe für Kinder, die plötzlich aus ihrer Familie herausgenommen werden mussten, und bei denen nicht klar ist, ob sie wieder zu ihren Eltern zurück können.

Arbeit mit Kindern immer ein Traum

„Jedes Kind in einem Heim musste früher heftige Erlebnisse erleiden“, sagt Boddenberg, die auch für die pädagogischen Konzepte der Gruppen verantwortlich ist. Auf diese Aufgabe ist sie gut vorbereitet. Denn als sie 2001 als Psychologin in dem Heim anfing, diagnostizierte sie die Probleme von neu ankommenden Kindern, ordnete sie einer Gruppe zu und entschied über geeignete Therapieformen. Schon vor ihrem Psychologiestudium in Bonn war klar, dass sie später mit Kindern arbeiten wollte.

Mit 18 Jahren leitete sie verschiedene Pfadfindergruppen, organisierte gemeinsame Ausflüge und das Sommercamp. Ganz am Ende der Kinder- und Jugendvertretungssitzung passiert es dann doch: Nach gut einer Stunde voller Diskussionen wirft eines der Mädchen, die sich zuvor gegenseitig mit Kulis bemalt hatten, das volle Wasserglas von Sonja Boddenberg um. Die Kinder halten den Atem an, doch die Leiterin beendet die Sitzung in aller Ruhe.

Kölnische Rundschau  Erstellt 21.08.2015

http://www.rundschau-online.de/siegburg/katholisches-kinderheim-pauline-von-mallinckrodt-in-siegburg-das-heim-kann-die-familie-nicht-ersetzen,28692138,31522990.html
Tags: Familie – Familienrecht – Rückführung – Inobhutnahme – Kindesabnahme – Gefährdungsmeldung – Kinderheim – Kindeswohl –