Jugendämter – Kindeswohl – Wenn Profitinteressen Familien zerreißen (Teil I)

Die Jugendämter und das Kindeswohl – Wenn Profitinteressen Familien zerreißen (Teil I)

Die Jugendämter und das Kindeswohl – Wenn Profitinteressen Familien zerreißen (Teil I)
RT-Reporterin Maria Janssen im Gespräch mit der vierfachen Mutter Andrea Kuwalewsky.
Zwei Geschichten, zwei Dramen. Undurchsichtig arbeitende freie Träger und deutsche Jugendämter entfernen immer öfter Kinder aus ihrem Zuhause, manchmal aus fadenscheinigen Gründen. Allein zwischen 2014 und 2015 ist die Zahl der Inobhutnahmen um rund 30 Prozent auf 77.645 angestiegen. RT Deutsch-Reporterin Maria Janssen stellt betroffene Familien vor.

Viele Jugendämter in Deutschland sind personell unterbesetzt und beklagen Überforderung. Das ist mit ein Grund dafür, dass die Behörden oft Aufträge an freie Träger weiterreichen.

Und hier beginnt oft ein folgenschwerer Interessenkonflikt. Denn die freien Träger sind oft gemeinnützige Vereine oder private Firmen, die für die Betreuung von Kindern aus vermeintlich oder tatsächlich schlechtem Hause vom Jugendamt hoch entlohnt werden.

Ein kurzer Blick in die Tabellen des statistischen Bundesamtes genügt, um festzustellen, dass die Zahl der Inobhutnahmen in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Vor allem religiöse Familien und Einwanderer sollen überdurchschnittlich häufig von den weitreichendsten Maßnahmen betroffen sein, die die Ämter ergreifen können.

Doch was bedeutet der Kindesentzug für die betroffenen Familien? RT Deutsch-Reporterin Maria Janssen besuchte Eltern, denen das Jugendamt die Kinder entzogen hat. Die Betroffenen berichteten, dass die freien Träger in ihren Gutachten oft mit Lügen und falschen Tatsachenbehauptungen arbeiten.

Aufgrund dieser mit Fake News oder willkürlichen, oft ideologisch unterfütterten, Hypothesen angereicherten Gefälligkeitsgutachten schreibt das Jugendamt dann Aufenthalte vorgeschrieben oder erteilt Betreuungsaufträge. Regelmäßig an den Träger, der das jeweilige Gutachten organisiert hat.

Reiner Schmitt (Name geändert) hat sich selbst an das Jugendamt gewandt in der Hoffnung, seine Tochter aus einer kindeswohlgefährdenden Umgebung bei ihrer Mutter retten zu können. Doch der freie Träger kam zum Ergebnis, das Kind soll unter Betreuung eines freien Trägers bei der Mutter bleiben. Folglich ging es dem Teenager immer schlechter.

So beschrieb die jahrelange Klassenlehrerin das Mädchen als schwer verwahrlost und auch die Noten rutschten in den Keller. Der Direktor des Psychiatrie-Klinikums in Karlsruhe stellte unter anderem „depressive Verstimmungen“ und „suizidale Gedanken“ bei dem Teenager fest. Kontakt zu seiner Tochter hat der Vater seit mehreren Jahren nicht mehr.

Video:

Nach der Trennung von ihrem gewalttätigen Mann zog Andrea Kuwalewsky die vier gemeinsamen Kinder alleine groß. Ihren Ex-Mann hat die damalige Polizeiinspektorin wegen schwerer Körperverletzungen angezeigt. Es dauerte nicht lange, bis dieser das Jugendamt einschaltete mit der Behauptung, Andrea Kuwalewsky sei psychisch krank.

Das Jugendamt in Bad Dürkheim beauftragte einen freien Träger mit der Erstellung eines Gutachtens über die Mutter. Dessen nicht approbierte Gutachterin sprach lediglich eineinhalb Stunden mit Andrea Kuwalewsky und diagnostizierte eine Borderline-Störung. Daraufhin entzog das Jugendamt der Mutter das Sorgerecht über ihre vier Kinder. Nach zehn Monaten in einem katholischen Heim kehrten die Kinder zur Mutter zurück, die ihre geistige Gesundheit mittlerweile erfolgreich belegen konnte.

Anmerkung der Redaktion: Die Aussage von Rainer Schmitt bei Minute 07:28 „Ich konnte das Gegenteil beweisen. Sie haben gelogen.“ bezieht sich auf den freien Träger „Kleiner Muck“ und nicht auf das Jugendamt Bonn.

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2013 ein Drittel mehr Inobhutnahmen als im Vorjahr

Landkreis Giessen16.08.2014

Die Gewaltbedrohung von Kindern im Gebiet des Landkreises Gießen steigt: In 68 Fällen musste das Jugendamt 2013 einschreiten. Dieses Jahr sind es bisher schon wieder 30.	<br />
Foto: red

Die Gewaltbedrohung von Kindern im Gebiet des Landkreises Gießen steigt: In 68 Fällen musste das Jugendamt 2013 einschreiten. Dieses Jahr sind es bisher schon wieder 30.
Foto: red

 KREIS GIESSEN – (red). 42 100 Kinder und Jugendliche haben die Jugendämter in Deutschland 2013 in Obhut genommen. Das Jugendamt des Kreises musste in 68 Fällen die Notbremse ziehen und ein Kind aus einer Familie nehmen: „Kinder von ihren Eltern zu trennen, ist immer das äußerste Mittel. Unsere Aufgabe ist es, die Kinder zu schützen. Unser Ziel ist es, dies zu erreichen, ohne die Mädchen und Jungen in Obhut nehmen zu müssen“, sagt Dirk Oßwald, Erster Kreisbeigeordneter und Jugenddezernent: „Leider ist das nicht immer möglich.“ Jugendamtsleiterin Claudia Warnat unterstreicht, wie schwer es sich die Mitarbeiter machen: „Leicht fällt dieser Schritt nie. Diese schwerwiegende Entscheidung fällt auch niemals am Schreibtisch“, erläutert sie. „Wir gehen raus und machen Hausbesuche. Schließlich müssen wir uns ein genaues Bild verschaffen, um zum Wohl des jeweiligen Kindes entscheiden zu können.“ Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass immer mehr Kinder diese Hilfe brauchen.

2012 verzeichnete das Jugendamt des Kreises 43 Inobhutnahmen, ein Jahr zuvor waren es 34. Allerdings steigt seit den vergangenen Jahren nicht nur die absolute Zahl, sondern auch der Gießener Anteil der Inobhutnahmen in der deutschlandweit geführten Statistik. Während er 2011 noch bei unter 0,1 Prozent lag, machen die Inobhutnahmen im heimischen Landkreis mittlerweile 0,16 Prozent der Fälle in Deutschland aus.

Zum ersten Halbjahr 2014 liegen für den Kreis noch keine belastbaren Daten vor, in mindestens 30 Fällen mussten die Mitarbeiter des Jugendamts beim Landkreis Gießen bislang einschreiten und ein Kind in Sicherheit bringen. Hinweise auf mögliche Misshandlungen bekommt das Jugendamt von aufmerksamen Nachbarn, Bekannten, Kinderärzten, Schulen und Kindertagesstätten. Einige Kinder und Jugendliche melden sich aber auch selbst. Die Mitarbeiter des Jugendamts kümmern sich um jeden einzelnen Fall. 68 stuften sie im vergangenen Jahr nach reiflicher Überlegung als so schwerwiegend ein, dass sie die Mädchen und Jungen aus ihren Familien herausholen mussten. In solchen Fällen leiden Kinder und Jugendliche unter akuten Gefahren. Sie erleben schwere Konflikte in der Familie, Misshandlungen, sexuelle Gewalt. Dann ist die Inobhutnahme der letzte Ausweg.

 

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/landkreis/2013-ein-drittel-mehr-inobhutnahmen-als-im-vorjahr-notwendig-gewesen_14456080.htm