Schleichts eich, es Faschisten! SPÖ Veranstaltung 1.Mai 2015

Zitat:

»Schleichts eich, es Faschisten!«

Auch heute machten – wie an jedem 1. Mai – viele Mütter und Väter auf die Missstände im Österreichischen Familienrecht aufmerksam und artikulierten friedlich ihren Wunsch, das Kindern auch nach Trennung der Eltern ihre Väter als solche erhalten bleiben sollen.

Unter den vielen Passanten entdeckte ich auch Scheidungsanwältin Helene Klar, die »Speerspitze der SPÖ Frauenbewegung« und – beauftragt von Heimisch Hosek und dem ORF – Verfasserin des epochalen Machwerkes »Scheidungsratgeberin für Frauen«. Ich begrüsste sie freundlich und versuchte ihr ein Informationsblatt über die Doppelresidenz zu überreichen. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Reaktion:
Frau Klaar schrie mich an »Schleichts eich, es Faschisten!«

Ich konnte es nicht glauben und fragte nach: »Haben sie mich jetzt wirklich als Faschisten beschimpft?« Sie schrie noch lauter: »Es seids jo olle Faschisten!« Auch ihr Begleiter – mit roter Nelke am Revers – beschimpfte mich zur Bestätigung noch einmal als Faschist.

Ich überlasse es jedem selbst, sich eine Meinung über die geistige Verfasstheit einer Person zu machen, die auf offener Straße ihr wildfremde Personen in solcher Art und Weise beschimpft.

Auch darf sich gerne jeder selber fragen, inwieweit es mit dem Ansehen des Anwaltsberufes zu vereinbaren ist, in der Öffentlichkeit ein derartiges Benehmen zur Schau zu stellen.

Für mich persönlich hatte diese verbale Attacke eine durchaus aufschlussreiche Facette. Ich frage mich seit langem, wie so eine Person ihr eigenes Spiegelbild noch ertragen kann, wenn sie tagtäglich dazu beiträgt, dass Kinder den Kontakt zu ihren Vätern verlieren. Die Lösung lautet »Schuldumkehr«. Alle Väter, die sich so sehnlich wünschen für ihre Kinder da zu sein, sie auf ihrem Weg ins Leben zu begleiten und ihnen als Vater auch nach einer Trennung erhalten zu bleiben, pauschal zu diffamieren und zu beschimpfen macht es ihr vielleicht erträglich, sich am Leid von Kindern zu bereichern.

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„Ich will nicht warten, bis die Männer endlich tot sind oder freiwillig ihren Platz räumen.“

ULRIKE BAUREITHEL – Autorin und Vielfachbewegte in Berlin

21.09.2011 | 17:55 2

Die 60 Apostelinnen

Vorbild-Frauen „Leadership“ und „Frauenbewegung“ – trifft sich das nicht eher im Unendlichen? Ein globales Netzwerk erfolgreicher Frauen kämpft für die Beschleunigung des Prozesses

Wow! Patriarchale Kultur, wann habe ich das zum letzten Mal gehört? In den Achtzigern vielleicht.

„Ich wünsche mir, dass die Frauen mehr Selbstvertrauen entwickeln und an sich selbst glauben“, sagt Shirin Ebadi, erste iranische Richterin, ruhig. Dann blitzt sie mich an: „In meinem Land sind 65 Prozent aller Akademiker Frauen. Sie glauben an sich! Aber es ist die patriarchale Kultur, die sie hindert, ihr Ziel zu erreichen.“

Patriarchal. Dass dieser Begriff an diesem Vormittag wiederholt fällt, nicht nur aus dem Mund einer Friedensnobelpreisträgerin, sondern seitens einer Frauenaktivistin aus Afghanistan oder der pakistanischen „Philanthropin“ Nadira Panjwani, die dafür sorgt, dass in ihrem Land Krankenhäuser und Schulen gebaut werden, katapultiert mich zurück in eine Zeit, in der sich Frauen alle noch gleich und einig fühlten. Nun trifft man sich im 7. Stock im Kulturkaufhaus Dussmann anlässlich einer Buchvorstellung, dessen Titel Heiterkeit erregen könnte: Die Macht der Frauen

Darin werden Female Leader porträtiert, die sich für mehr Bildung von Mädchen und Frauen einsetzen und an diesem Vormittag in Berlin den 22. September zum offiziellen „Weltmädchentag“ ernennen. Zudem unterzeichnen sie am Abend einen Aufruf an die UN.

Kleine und große Frauen

„Die Macht der Männer ist die Geduld der Frauen“, hatte es früher einmal geheißen. Aber die superschicken Damen, teilweise mit locker übergeworfenem Kopftuch, das die schönen Haare freigibt, haben überhaupt keine Geduld mehr. Sie wollen, dass die Mädchen und Frauen der Welt mehr Bildung erhalten, denn das ist ihr Ausgang aus der nicht selbst verschuldeten Abhängigkeit. Kerstin Plehwe hat deshalb 60 erfolgreiche Frauen in aller Welt interviewt und sie danach gefragt, was für sie „Leadership, Erfolg und Glück“ bedeutet. Es soll eine „Bibel der Frauenbewegung“ werden, wünscht sich die charmante Catherine von Fürstenberg-Dussmann, die das Event gesponsert hat. So wie drei große „frauenfreundliche“ Firmen das ganze Projekt, dessen Erlös Mädchen- und Frauenförderprojekten in Asien, Südamerika und Afrika zugute kommen soll. Aber „Leadership“ und „Frauenbewegung“? Das trifft sich ja eher im Unendlichen.

„Die ‚großen’ Frauen sollen etwas für die ‚kleinen’ Frauen tun“, sagt die Autorin Kerstin Plehwe, und, na ja, die Anführungszeichen kann man sich dazu denken. Die „kleinen“ Frauen sind die zwei Drittel aller Analphabeten weltweit, sie stellen drei Viertel der Arme und verfügen über nur zehn Prozent des globalen Einkommens und gar nur ein Prozent des Besitzes. Die Zahlen sind irgendwie bekannt, aber sie bleiben, räumt Plehwe ein, auch für sie abstrakt. Wenn man sich Deutschland im Jahre 2011 anschaut, weiß man auch nicht, ob man bedauern soll, dass es nur 20 weibliche Staatschefinnen gibt.

„Chance“ und „Erfolg“ waren vielfach bemühte Vokabeln an diesem Vormittag. Bei Dussmann versammelte sich der liberale Flügel einer Frauenbewegung, der von jeher daran geglaubt hat, dass die Frauen – mit Unterstützung der „großen“ natürlich oder vielleicht auch eines wohl gesonnenen Vaters – ihres Glückes Schmied sind. Jedenfalls diejenigen, die aus den gemäßigten Zonen Europas oder den USA stammen. Was das „Spezifische“ erfolgreicher Frauen sein könnte, ob es nur darum gehen kann, in eine Führungsposition zu gelangen oder zig Sportmedaillen zu erringen, wurde jedoch kaum erörtert. Und auch erstaunlich: Fast alle im Buch porträtierten Frauen hatten keine Vorbilder.

Unglück bedeutet es allemal, dass 78 Prozent aller Mädchen in Afghanistan keine Schule besuchen dürfen. Denn das verfügbare Geld, konstatiert Suraya Pakzad, Trägerin des „Women of Courage“ des amerikanischen Außenministeriums, kommt den Söhnen der Familien zugute, weil die Auffassung herrscht,  sie könnten eher eine Familie ernähren. Stimmt aber gar nicht: Würde ein Prozent der Mädchen eines Landes eine vernünftige Ausbildung genießen, stiege das Pro-Kopf-Einkommen um 0,3 Prozent; das wären bei zehn Prozent der Mädchen schon drei Prozent mehr Wohlstand – davon träumen europäische Staaten.

Keine Vorbilder

Interessanterweise wandten sich die Repräsentantinnen aus den so genannten muslimischen Ländern vehement gegen die Unterstellung europäischer Journalistinnen, der Islam sei an allem Schuld. „Die patriarchale Kultur ist es!“, fährt die würdige Ebadi, unterstützt von den Kombattantinnen, dazwischen. Sie war es auch, die daran erinnerte, dass Frauen eben nicht nur Opfer, sondern auch Mitträgerinnen dieser Kultur sind, qua Erzieherinnen ihrer Söhne. Feministinnen hierzulande haben das früher „Mittäterschaft“ genannt. Die „Frieden stiftenden“ Frauen, die die österreichische Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst in Anschlag brachte, kamen da nicht so gut an; aber sie erntete heftigen Beifall, als sie sich als konsequente Verfechterin der Quote outete: „Ich will nicht warten, bis die Männer endlich tot sind oder freiwillig ihren Platz räumen.“

„Sind denn die Frauen wirklich stärker als die Männer?“, fragte ein Berliner Kabarettist, der sich in die journalistische Runde verirrt hatte. „Ich frage manchmal meinen Mann, ob er unsere sechs Kinder, den Haushalt, meinen Job usw. alleine bewältigen könne. Dann sagt er ganz ehrlich: ‚Nein’“, entgegnete die afghanische NGO-Kombattantin Pakzard souverän. Multitasking heißt heute, was man früher „weibliches Arbeitsvermögen“ nannte. Aber gerade in Afghanistan müssen die Frauen das beherrschen: „Wenn nämlich in der Familie was schief läuft, verbietet der Mann, der Vater oder der Bruder, dass die Frau arbeiten geht“, sagt Pakzard. „Wir müssen eben überall perfekt sein.“ Irgendwie kennt frau das doch.

Männer sterben früher, neigen eher zum Selbstmord, müssen länger Arbeiten, erleben oft keine Pension . . . – Männerbericht . . .

Männer Diskriminerung
Männer sterben früher, neigen eher zum Selbstmord, werden öfter arbeits- und obdachlos und sind an den Hochschulen längst in der Minderheit.

Dafür interessiert sich bestenfalls die Statistik Austria. Warum die Politik die Probleme von Männern so hartnäckig ignoriert.

Der vorgelegte Band hatte 303 Seiten und wurde von der Kritik gnadenlos zerrissen: „eine Farce ohne Nutzen“; „viel beschriebenes Papier ohne Substanz“; „fehlerhaft und ohne Antworten“. Außerdem bediene das Machwerk „eine revisionistische, frauenfeindliche Politik“, „das klassische Rollenprinzip“ und „patriarchalische Strukturen“. Auch in formaler Hinsicht kannten die Frauensprecherinnen von SPÖ und Grünen, Gabriele Heinisch-Hosek und Brigid Weinzinger, keine Gnade: Was ihnen da zugemutet wurde, entspreche „über weite Strecken nicht den Anforderungen der geschlechtsneutralen Formulierungen“.

Geschlechtsneutralität war vom „1. Österreichischen Männerbericht“ wohl auch nicht unbedingt zu erwarten, den Sozialministerin Ursula Haubner, BZÖ, im April 2006 präsentierte. Im Gegensatz zur Premiere stieß die nächste Aufführung auf komplettes Desinteresse. Als Sozialminister Rudolf Hundstorfer, SPÖ, im Herbst 2011 den „2. Österreichischen Männerbericht“ vorlegte, reagierte weder die rote noch die grüne Frauensprecherin. Auch ÖVP, FPÖ und BZÖ sahen keinen Anlass für einen Kommentar oder eine Aussendung. Gerade mal im Sozialausschuss des Nationalrats wurde der 463-seitige Bericht im März 2012 zur Kenntnis genommen. 

Der „3. Österreichische Männerbericht“ ist im Herbst 2016 fällig. Mit erhöhter Aufmerksamkeit oder gar Aufregung ist wieder nicht zu rechnen. Denn abgesehen von propagandistischen Streitereien stehen Männerthemen im Ranking der Parteien ganz unten. 48,8 Prozent der Bevölkerung werden so schleichend politisch marginalisiert – ohne wahrnehmbaren Protest. 

Zwar verfügen die sechs Parlamentsklubs über eigene Bereichssprecher für Vertriebene, Tierschutz, Zivildiener, Transgender oder Sekten, doch keine einzige Fraktion nominierte einen Abgeordneten für Männerthemen. Allein in der vergangenen Woche stellten Mandatare 30 Anfragen an die Regierung zu so unterschiedlichen Themen wie „Brain Drain – fehlende Willkommenskultur“, „Ausschreitungen beim Cup-Spiel Austria Salzburg gegen Sturm Graz“ oder „Cannabis-Werbung der Jungen Grünen“. Männerpolitik wird im Plenum dagegen seltener behandelt als der Pflanzenschutz.

Dabei wären spezifische Defekte und Benachteiligungen von Männern durchaus plenartagsfüllend:

• Die Lebenserwartung von Männern ist signifikant niedriger. Sie sterben mit 78 Jahren, Frauen mit 83.

• Im Jahr 2013 nahmen sich in Österreich 967 Männer das Leben, die Zahl weiblicher Suizide betrug 324.

• Männer sterben häufiger an Krebs, Herzinfarkten und Lungenerkrankungen.

• Die Arbeitslosigkeit von Männern stieg gegenüber September 2013 um 13,5 Prozent, jene von Frauen um 9,9 Prozent. Insgesamt waren 2013 7,0 Prozent der Frauen, aber 8,2 Prozent der Männer arbeitslos.

• Das gesetzliche Pensionsantrittsalter von Männern liegt bei 65 Jahren, von Frauen bei 60 Jahren.

• Männer sind gesetzlich zur Absolvierung eines Wehr- oder Ersatzdienstes verpflichtet.

• Nur noch 40 Prozent aller Universitätsabsolventen sind Männer.

• Knapp die Hälfte aller Mädchen eine Jahrgangs machen Matura, bei Buben schaffen es nur 34 Prozent zur Reifeprüfung. 

• 7367 Buben besuchten 2012 eine Sonderschule, aber nur 4467 Mädchen.
Europaweit sind zwei Drittel der Schulabbrecher Burschen.

• 15-jährige Buben lesen laut PISA-Studie deutlich schlechter als Mädchen. 

• Von den etwa 350.00 Alkoholkranken in Österreich sind zwei Drittel Männer. 

• Die Wiener Caritas betreute im Jahr 2012 etwa 9000 obdachlose Menschen, darunter 6500 Männer.

Wären Selbstmörder, Alkoholiker und Schulversager überwiegend weiblich, würden die Frauensprecherinnen aller sechs Parteien Regierung und Parlamentsbetrieb mit Petitionen lahmlegen. Um die Männer kümmert sich maximal die Statistik Austria. Und Johannes Berchtold.

Berchtold leitet das Büro für „Männerpolitische Grundsatzfragen“ im Sozialministerium, die wahrscheinlich kleinste Abteilung der österreichischen Ministerialbürokratie – zuständig für den Männerbericht, den jährlichen Boys Day und allgemeines Männerwesen. Als der damalige freiheitliche Sozialminister Herbert Haupt die Männerabteilung 2001 gründete – warum er das ausgerechnet am internationalen Frauentag tat und sie im Organigramm ausgerechnet mit der Nummer VI/6 versah, blieb ein Amtsgeheimnis –, bezeichnete sich Berchtold als „konsequenter Feminist“, der „die Geschlechterverhältnisse revolutionieren“ wolle. Im März 2009 erklärte er gegenüber profil seine Wandlung vom Revolutionär zum Beamten: „Ich war am Anfang in einer semipolitischen Rolle. Damals hatte die Provokation den positiven Effekt, meine Abteilung bekannt zu machen.“

Mittlerweile darf Berchtold gar nicht mehr reden. Trotz Nachfrage wollte Rudolf Hundstorfers Kabinett keine Gesprächserlaubnis erteilen. Die Deutungshoheit über Männerpolitik soll wohl Chefsache bleiben. Vielleicht war Berchtold auch nur überlastet. Montag und Dienstag dieser Woche findet in Wien eine Konferenz zu Männerpolitik statt, gemeinsam organisiert vom Sozialministerium und vom Berliner Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zu dem Männerpolitik in Deutschland ressortiert – was ja auch zweckmäßiger erscheint. Ein offizielles Ressort für Familie, Senioren, Frauen, Männer und Jugend wird es freilich auch in Deutschland noch lange nicht geben. Hauptthema der deutsch-österreichischen Konferenz ist die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, der Männer bekanntlich mit verbaler Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre gegenüberstehen.

Weil „männerpolitische Grundsatzfragen“ klarerweise gesellschaftspolitische Grundsatzfragen und damit frauenpolitische Grundsatzfragen betreffen, wird ideologisch scharf geschossen – so klein kann eine Ministerialabteilung gar nicht sein. Im „1. Männerbericht“, unter FPÖ-Ägide von einem Salzburger Team von Psychotherapeuten verfasst, wurden den Feldern „Scheidungsfolgen für Männer“ und „Vaterentbehrung“ eigene Kapitel gewidmet. Schließlich bilden zornige, vom Leben in all seinen Facetten gezeichnete Männer eine Zielgruppe der Freiheitlichen. Bei der Nationalratswahl 2013 erreichte die FPÖ unter Männern mit 28 Prozent eine klare Mehrheit.

Im „2. Männerbericht“, unter roter Ägide vom Meinungsforschungsinstitut IFES verfasst, lag der Fokus auf „Männer in frauentypischen Berufen“ und „Gewalterfahrung und Gewalttätigkeit“. 

Während der erste – blaue – Bericht postuliert, Buben benötigten mehr männliche Kindergartenpädagogen und Volksschullehrer für ihre Entwicklung, sieht der zweite – rote – dafür keinen empirischen Nachweis. Während der erste Burschen als die neuen Bildungsverlierer qualifiziert, argumentiert der zweite, „der Anteil der Schulversager und -verweigerer sei bei den Buben und Burschen immer schon höher gewesen“. 

Im Ergebnis ist es wohl egal, ob junge Männer erst neuerdings oder „immer schon“ daran scheitern, aufwendigere Texte (etwa Männerberichte) sinnerfassend zu lesen. Eine ähnlich fatalistische Formulierung in Zusammenhang mit Mädchen würde aber wohl alle Repräsentanten des Staates aufscheuchen – vom Bundespräsidenten bis zum Volksanwalt.

Man muss nicht so weit wie der Schweizer Soziologe Walter Hollstein gehen, der in seinem Wutbuch „Was vom Manne übrig blieb“ die „nur noch ideologisch aufrechterhaltene feministische Doktrin von der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts“ und die „frauenfokussierte Einseitigkeit in der Betrachtung der Geschlechterfrage“ kritisiert. Schließlich bewies soeben die SPÖ bei der Nachbesetzung des Nationalratsmandats von Barbara Prammer, dass in Österreich weibliche Bewerber um eine Spitzenfunktion auch im Jahr 2014 noch diskriminiert werden – diesfalls sogar mit dem Segen der roten Frauenministerin. 

Man darf sicher so weit gehen wie der deutsche Publizist Thomas Gesterkamp, laut Eigeneinschätzung „ein linker Profeminist“, der „Teilen der Frauenbewegung“ vorwirft, „männliche Nachteile in bestimmten Lebensbereichen zu leugnen“ und damit „möglicherweise auch zum Auftauchen und Erstarken antifeministischer Männerrechtler“ beizutragen. Gesterkamp könnte sich bei seinem Besuch der Männerkonferenz in Wien mit Teilnehmerinnen aus dem Frauenministerium kurzschließen. Deren Chefin Heinisch-Hosek verneinte in einem „Standard“-Interview die Existenz von Männerdiskriminierungen, außer „in Fußballstadien und Discos, wenn es um den Preis für die Karten geht“.

Als die Medizin-Uni Wien 2012 Aufnahmetests gegendert auswertete, um mehr jungen Frauen – trotz schlechterer Ergebnisse im Vergleich mit männlichen Kandidaten – einen Studienplatz zu verschaffen, sprach Heinisch-Hosek von einem „mutigen Schritt“. Kritik an der Diskriminierung der männlichen Bewerber bezeichnete sie als „mittelalterlich“.

Bekennende „Profeministen“ in Wissenschaft und in den Männerberatungsstellen – jene in Wien feiert ihr 30-jähriges Jubiläum – könnte man wegen ihres patriarchatskritischen Ansatzes als die Frauenversteher unter den Männer-Forschern bezeichnen. Wer ihre Haltung nicht teilt, gerät freilich rasch unter den Generalverdacht, ein antifeministischer Maskulist zu sein. Ihrerseits kämpfen die Profeministen mit dem Vorhalt, gegenüber dem Feminismus „Züge von Unterwerfung ohne eigene männerpolitische Position“ zu tragen, so der Psychoanalytiker Josef Aigner, Professor am Institut für Psychosoziale Intervention der Universität Innsbruck. 

Selbst wenn die Politik die Benachteiligung von Männern zur Kenntnis nimmt, dürfen diese doch nur Opfer zweiter Klasse sein. Zu hoch ist noch die patriarchale Dividende, von der alle Männer klassenübergreifend profitieren – in Form von höheren Gehältern, höheren Jobs und höherem Status. Die Folge dieses fehlgeleiteten Gerechtigkeitsempfinden: Frauen erlangen den Opferstatus allein aufgrund ihres Geschlechts, Mann sein allein reicht für eine ernstzunehmende Diskriminierung dagegen nicht aus. So erklärt der Leiter der Gruppe „Sozialpolitische Grundsatzfragen“ im Sozialministerium, Marc Pointecker, die Bildungsdefizite von Burschen seien weniger geschlechtsspezifisch als vielmehr sozial bedingt. Auch die Autoren des „2. Männerberichts“ plädieren für „eine differenzierte Sichtweise“ unter Einbeziehung „eines sozio-ökonomischen Hintergrunds“. Wenn man nur lange genug differenziert, verschwindet jede Diskriminierung. Die einfache Wahrheit, dass Burschen schlechtere Schüler sind, scheint politisch nicht opportun. Oder, wie Gabriele Heinisch-Hosek 2009 gegenüber der „Wiener Zeitung“ kategorisch erklärte: „Ich sehe Buben nicht als Opfer.“
Mitunter helfen auch gewitzte Kon­strukte, um eklatante Benachteiligungen von Männern zu relativieren. Dass in Wien deutlich mehr Männer obdachlos sind als Frauen, erklären Experten mit dem Phänomen der „verdeckten weiblichen Wohnungslosigkeit“. Frauen würden aus Scham private Unterkünfte statt öffentlicher Notstätten aufsuchen und daher statistisch nicht erfasst werden. Dies erinnert ein wenig an das Konzept vom „masked character of female crime“, dem skurrilsten Ansatz zur Erklärung des eklatanten Mann-Frau-Gefälles in der Kriminalstatistik: Frauen seien schlicht talentierter darin, ihre Verbrechen zu verdecken.
Dass Männer im Vergleich intellektuelle Mängelwesen sind, gestand der Pionier der Männerbewegung, Volker Elis Pilgrim, in seinem Buch „Der Untergang des Mannes“ schon 1973 demütig ein: „Der Mann ist sozial und sexuell ein Idiot.

Was durch die Männerberichte des österreichischen Sozialministeriums nur teilweise belegt wird.

Von Gernot Bauer
http://www.profil.at/articles/1440/980/378116/wie-politik-probleme-maenner