Misshandlungen von Heimkind in privaten Jugendhilfeeinrichtung in Daleiden (Eifelkreis Bitburg-Prüm)

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Jugendhilfe-Mitarbeiter aus Daleiden

(Trier) Die Staatsanwaltschaft Trier hat ein Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter einer privaten Jugendhilfeeinrichtung in Daleiden (Eifelkreis Bitburg-Prüm) eingeleitet.
Es bestehe der Verdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Mittwoch in Trier.
  • Das Gebäude der Staatsanwaltschaft Trier an der Christophstraße. TV-Foto: Roland Morgen

In mehreren Fällen sollen Kinder wegen Fehlverhaltens «in inadäquater und unzulässiger Weise sanktioniert» worden sein. Nähere Angaben dazu machte er nicht.

Die Ermittlungen wurden nach einer Strafanzeige des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz in Gang gesetzt. Das Verfahren richte sich konkret gegen eine Mitarbeiterin, die für einen der Vorfälle verantwortlich sein soll, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Auf wessen Konto mögliche weitere Vorfälle gingen, sei noch unklar. «Wir stehen da noch ganz am Anfang», sagte Fritzen.

Das Landesjugendamt sprach von einem Verstoß gegen Kinderrechte und hatte Anfang Mai wegen unerlaubter Erziehungsmaßnahmen auf eine Schließung der Einrichtung gedrungen. Das Amt hatte auch die betreffenden Jugendämter informiert. Daraufhin waren zehn Kinder aus der Einrichtung genommen worden.

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Heimkind hat zur Strafe zwei Tage nur Wasser und Brot bekommen – Eifel in Daleiden

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In der Einrichtung der Jugendhilfe Eifel in Daleiden werden keine Kinder mehr untergebracht. Das Landesjugendamt entzog dem Betreiber am Freitag die Betriebserlaubnis.

Kinderhand wird festgehalten

(Symbolbild)

Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt, weil Kinder mehrfach in unzulässiger Weise bestraft worden sein sollen. Aus Mitarbeiterkreisen hieß es gegenüber dem SWR, ein Junge sei in einem Fall über zwei Tage zur Strafe in einem unsanierten Teil der Einrichtung untergebracht worden. Er habe von der Gruppenleitung nur Wasser und Brot bekommen. Dieser Teil des Gebäudes soll „Der verbotene Gang“ genannt worden sein. Die für die Maßnahmen Verantwortlichen sollen vom Betreiber inzwischen die Kündigung bekommen haben. Alle Kinder wurden aus der Einrichtung herausgenommen.

Der Betreiber der Jugendhilfe Eifel kündigte am Samstag an, die Begründung für den Entzug der Betriebserlaubnis prüfen zu wollen. Man erhoffe sich eine zeitnahe und wahrheitsgemäße Klärung, teilte die Gesellschaft dem SWR mit.

Strafanzeige des Landesjugendamtes

Das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung hatte die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mit einer Strafanzeige in Gang gesetzt. Es spricht von einem Verstoß gegen Kinderrechte in der Einrichtung in Daleiden (Kreis Bitburg-Prüm). Es gebe konkrete Anhaltspunkte, dass der Träger zu wenig und nicht ausreichend qualifiziertes Personal eingesetzt habe. Das Landesjugendamt ist nach Aussage seiner Leiterin jetzt dabei, Personalmeldungen auch für andere Einrichtungen des Trägers zu überprüfen.

30 Standorte

Der Jugendhilfe-Betreiber hat seit 2012 über 30 Standorte mit Jugendhilfe-Angeboten aufgebaut. Das Landesjugendamt sieht das kritisch: Die Leiterin sagte, ein schnelles Wachstum müsse immer mit besonderer Vorsicht betrachtet werden.

Geschäftsmodell Kind?

Insider der Branche berichten, dass Jugendämter mehrere Tausend Euro pro Kind im Monat zahlten. Hier gebe es schon Möglichkeiten, davon etwas zurückzubehalten, etwa, indem man Einrichtungen überbelege. Oder weniger Personal oder geringer qualifiziertes Personal einstelle als vorgesehen. Ob im Falle der Jugendhilfe Eifel solche Absichten eine Rolle spielten, müssen die Ermittlungen zeigen.

Stand: 23.5.2015, 11.39 Uhr
http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/trier/nach-misshandlungsvorwuerfen-gegen-jugendhilfe-eifel-familiengruppe-daleiden-dicht/-/id=1672/did=15552208/nid=1672/1cczv2a/

Tags: Missbrauch mit dem Missbrauch – Jugendaendamt – Erzieher – Sozialarbeiter – Freier Träger