Wien – islamische Kindergärten – Radikalisierung verhindern

Audio Studienautor Aslan im Gespräch:

Studienautor Aslan: Radikalisierung verhindern

Die Studie über islamische Kindergärten in Wien hat große Diskussionen ausgelöst. Minister Kurz warnt vor Islamisierung im Kindergarten. Autor, Universitätsprofessor Ednan Aslan vom Institut für islamische Studien, betont im Ö1-Mittagsjournal, dass er weder die Politik des Ministers unterstützen noch die Stadt kritisieren wollte. Aber es gebe Kindergärten in Wien, die Kinder zu Isolation ermutigen. Hier fange Radikalisierung an und dann sei man bereits gescheitert.

Der Islamwissenschafter Ednan Aslan wünscht sich mehr Kooperation mit der Stadt Wien bei der Analyse von muslimischen Kindergärten. In der Vergangenheit habe er zwei Mal entsprechende Projekte eingereicht, diese seien von der Stadt aber abgelehnt worden, sagt er im Ö1-Mittagsjournal. Aslan betont aber, dass er mit seiner Studie nicht Politik machen, sondern den Kindern helfen wolle.

„Mir geht es nicht darum, dass ich die Politik von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) unterstütze oder die Politik der Stadt kritisiere“, so der Leiter des Institut für islamische Studien an der Uni Wien. Man wollte die Debatte versachlichen und verstehen, wo Radikalisierung ansetze – nämlich sehr früh, wenn die Betreuungseinrichtungen die Kinder zur Isolation ermutigen.

Aslan wies einmal mehr Kritik zurück, dass seine Studie, die er selbst als Vor-Studie bezeichnet, nur sehr oberflächlich durchgeführt wurde. „Wir wissen, was wir tun“, verwies er darauf, dass die Arbeit seines Institut auch international Anerkennung finde. Jedenfalls habe sich herausgestellt, dass viele Kindergärten einiges zu verbergen hätten. Mit entsprechender Unterstützung der Stadt Wien wäre mehr Zugang zu Institutionen, die bisher den Einblick verwehrten, möglich, hofft Aslan.

10.12.2015
http://oe1.orf.at/artikel/426586
Tags: Kita – Kindergarten – Paris – Terror – Erziehung – Integration – Gewalt – Kindeswohl –

Vfgh – enscheidet die Doppelresidenz (Wechselmodell) ist rechtens!!!

Doppelresidenz - Verfassungsgerichtshof
Doppelresidenz – Verfassungsgerichtshof

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VfGH: Doppelresidenz rechtens

Kinder von getrennten und geschiedenen Paaren dürfen abwechselnd und je zur Hälfte bei Mutter und Vater leben. Diese Entscheidung hat der Verfassungsgerichtshof heute bekannt gegeben. Er hat eine gesetzliche Regelung, die diese „Doppelresidenz“ eines Kindes verhindern sollte, zwar nicht aufgehoben. Aber der Verfassungsgerichtshof sagt: Wenn es für das Kindeswohl am besten ist, dann ist es schon mit der bestehenden Gesetzeslage möglich, dass das Kind abwechselnd bei Mutter und Vater lebt.

Abwechselnd eine Woche bei der Mama, dann eine Woche beim Papa. Wenige aber immer mehr getrennt lebende Eltern einigen sich – auch auf Wunsch ihrer Kinder auf diese sogenannte Doppelresidenz. Die Gerichtsenate aber waren gespaltener Meinung, ob das auch erlaubt ist bzw. gerichtlich festgelegt werden kann. Nun sagt Verfassungsgerichtshofpräsident Gerhart Holzinger: dort wo das Kindeswohl das gebietet, könne eine derartige zeitlich gleichteilige Betreuung des Kindes durch beide Elternteile erfolgen. Die Gerichte können das auch in obsorgerechtlichen Verfahren dahingehend entscheiden.

Der Verfassungsgerichtshof beruft sich mit dieser Interpretation der Gesetzeslage auf die Kinderrechte und auf die Menschenrechtskonvention. Insbesondere aber auf einen Artikel des Justiz-Sektionschefs Georg Kathrein in einer Juristenzeitschrift. Dort hat Kathrein argumentiert: Wenn es im Sinne des Kindeswohl ist, müsse die Doppelresidenz möglich sein – trotz gegenteiliger Gesetzeslage. Und in zumindest einem Fall haben ein Bezirksgericht und das Landesgericht Wien eine Doppelresidenz bereits ermöglicht.

Verfassungsgerichtshofs-Präsident Gerhart Holzinger spricht nun allerdings von einer Einschränkung – was die Eltern betrifft. Einzige Ausnahme: die Eltern müssen sich auf einen Hauptwohnsitz des Kindes einigen.

Nicht klar vom Verfassungsgerichtshof geregelt bleibt, ob die Eltern auch je zur Hälfte die Familienbeihilfe beziehen sollen und ob Unterhaltszahlungen wegfallen, wenn die Eltern halbe-halbe machen bei der Kinderbetreuung.

Was die grundsätzliche Möglichkeit der Doppelresidenz betrifft aber schreibt der Verfassungsgerichtshof in eine Aussendung, dass es sich bei dieser Gesetzesinterpretation um eine verpflichtende Vorgabe handle.

Eine erste Reaktion gibt es von SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Sie spricht sich seit Jahren gegen die Möglichkeit einer gerichtlich festgesetzten Doppelresidenz aus und zeigt sich nun zufrieden, dass der Gerichtshof festgestellt hat, dass es wichtig sei dass jedes Kind einen Hauptwohnsitz hat.

Mittagsjournal, 23.10.2015, Bernt Koschuh

http://oe1.orf.at/artikel/421159

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Österreich | Politik

Scheidungskinder können zwei Wohnsitze haben

Ein Verbot, offiziell bei beiden Elternteilen zu wohnen, existiert nach Ansicht des Höchstgerichts nicht.

Scheidungskinder können zwei Wohnsitze haben

Gerhart Holzinger vom Verfassungsgerichtshof.

Bild: SN/APA/HERBERT NEUBAUER

Die „Doppelresidenz“ von Trennungskindern bei beiden Eltern ist auf Basis der bestehenden Gesetzeslage erlaubt, hat der Verfassungsgerichtshof (VfGH) nun entschieden. Ein Verbot, offiziell bei beiden Elternteilen zu wohnen, existiert nach Ansicht des Höchstgerichts nicht. Einen Hauptwohnsitz muss das Kind dennoch haben, und auch unterhaltsrechtlich ändert sich durch die Entscheidung nichts.In Hinblick auf den Schutz des Familienlebens (Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention) sei das Gesetz – konkret die Bestimmungen des Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuchs – von den Gerichten dahin gehend auszulegen, dass eine „Doppelresidenz“ (zeitlich gleichteilige Betreuung) bei gemeinsamer Obsorge möglich sei, wenn es aus Sicht des Gerichts für das Kindeswohl am besten ist, gab VfGH-Präsident Gerhart Holzinger am Freitag in einer Pressekonferenz bekannt.

Eine gegenteilige Rechtsprechung des Obersten Gerichtshof gebe es nicht, und auch in der Literatur werde eine solche Interpretation als zutreffend bezeichnet, argumentierte Holzinger. Die Gerichte hätten dies bisher unterschiedlich interpretiert.

Die vom Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien vorgebrachten Argumente, dass das Gesetz die „Doppelresidenz“ ausschließt und daher verfassungswidrig ist, treffen bei der Lesart, wie sie der VfGH nun verpflichtend vorgibt, nicht zu. Der Antrag, die Bestimmung aufzuheben, wurde daher abgewiesen.

Die Rechtsnorm sei nun auf formale Konsequenzen reduziert, etwa dass es mit dem Hauptwohnsitz einen formalen Zuordnungspunkt des Kindes brauche. Nichts zu tun habe die Entscheidung mit den unterhaltsrechtlichen Regelungen, betonte der VfGH-Präsident. Bei der „Doppelresidenz“ gehe es um Ausnahmefälle, in denen sich die Eltern auch vor der Trennung schon die Kinderbetreuung geteilt hätten. Wenn dies so sei, „dann sollte es das Gesetz nicht verhindern“, sagte Holzinger.

Von Apa | 23.10.2015 – 15:25

http://www.salzburg.com/nachrichten/oesterreich/politik/sn/artikel/scheidungskinder-koennen-zwei-wohnsitze-haben-170764/


Tags: Doppelresidenz – Wechselmodell – alternierenden Obhut – Verfassungsgerichtshof VfGH – Gesetze Österreich – Gleichberechtigung Gleichstellung – Justiz – Kindeswohl – Scheidung – Trennung – Umgangsrecht Kontaktrecht Besuchsrecht – Väter – Gericht – Familienrecht

Audio: Was hat sich beim neuen Vater konkret verändert im Gegensatz zum alten Vater?

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Neue Väter, neue Mütter Wenn sich Geschlechterrollen ändern

Die Geschlechterrollen ändern sich, die Familie baut sich um: Männer und Frauen lösen sich aus den alten Traditionen. Was passiert mit den Töchtern und Söhnen, wenn sich die Familie verändert, welche Geschlechterrollen werden sie übernehmen und bevorzugen?

Das untersuchte die Soziologin Professor Karin Flaake vom Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen.

 

Geschlechterrollen im Wandel – welche Rolle übernimmt das Kind?

Was hat sich beim neuen Vater konkret verändert im Gegensatz zum alten Vater?

Flaake: Da hat sich viel verändert. Heutige Väter, auch wenn sie Vollzeit erwerbstätig sind, kümmern sich vielmehr um die Kinder als Väter der 60er-, 70er- oder 80er-Jahre. Allerdings: Wenn sie eben voll arbeiten, fehlt ihnen leider auch die Zeit, sich gefühlsmäßig richtig auf die Kinder einzulassen, es fehlt die Zeit, sich früh auf innige Beziehungen einzulassen. Bei Familien, in denen Väter die Arbeitszeit reduzieren konnten, tritt das Problem nicht auf.

Aber dennoch: Der heutige Vater ist – egal ob er Vollzeit arbeitet oder nicht – viel empathischer, richtig?

Flaake: Da haben Sie völlig recht, das ist das Entscheidende. Nur, die Begrenzungen, denen arbeitende Väter heute durch den Beruf unterliegen, sind viel viel größer als bei denjenigen, die mehr Freiräume haben, die sich aus dem Beruf auch mal ausklinken können.

Der neue Vater: emotionaler und empathischer

Halten wir fest: Der neue Vater kümmert sich mehr um die Kinder, ist empathischer, emotionaler. Wird sich diese neue Rolle auf die Söhne übertragen, so dass sie, wenn sie später selbst Väter werden, das neue Rollenbild praktizieren?

Flaake: In Grenzen. Ein Ergebnis unserer Studie war, dass sich die Qualität der Vater-Sohn-Beziehung entscheidend verändert: Alle Familien, die wir untersucht haben, zeigen, dass die Väter und Söhne im Alltag viel Zeit miteinander verbringen, es geht um emotionale Qualität. Es gibt aber ein Problem bei diesen Beziehungen: Das ist das Zulassen weicher verletzlicher Seiten, das Zulassen körperlicher Nähe. Da gibt es noch viele Tabus, die den neuen Vätern im Wege stehen.

Welche Tabus sind das?

Flaake: Ein Tabu sind die homoerotischen Aspekte. Zärtlichkeit zwischen Väter und Söhnen wird tabuisiert. Dann beherrschen uns immer noch die traditionellen Männerbilder, die suggerieren, man komme als Mann mit Weichheit und Emotionalität nicht weiter. Das gilt als unmännlich.

Das zeigt aber auch, dass die moderne Familie noch mit einem Bein in der Tradition steht?

Flaake: Ja klar, weil die Eltern ja in erster Linie in traditionellen Verhältnissen aufgewachsen sind. Unsere Studie zeigt: Väter und Mütter müssen sich mit alten Geschlechterrollen kritisch auseinandersetzen, der Vater muss das Weiche, Verletzliche zulassen, die Frau muss sich damit auseinandersetzen, dass sich ihre eigene Bedeutsamkeit ändert: Sie ist nicht mehr die alleinige Bezugsperson des Kindes, nicht die Übermutter, sondern jetzt teilt sie sich das mit dem Vater.

Väter und Mütter müssen sich mit alten Geschlechterrollen kritisch auseinandersetzen

Kommen wir also zu den Frauen, den Müttern, den Töchtern. Was macht das mit der Tochter, wenn sie erlebt, dass ihre Mutter täglich zur Arbeit geht und manchmal wie ein Mann vom Beruf gestresst ist und keine Zeit hat?

Flaake: Na ja, die Tochter erlebt nicht nur die gestresste Mutter, sondern auch eine Frau, die im Beruf Erfolg hat, der das Arbeiten außer Haus Spaß macht. Die Frauen haben die Möglichkeit, kontinuierlich erwerbstätig zu sein und langfristig wichtige Ziele zu verfolgen. Viele Frauen, die wir gesprochen haben, sagen, dass der Beruf zwar anstrengend sei, aber er sei wichtig fürs Selbstbewusstsein, das vermitteln sie dann auch den Töchtern.

Aber es geht doch auch um die Zerrissenheit der modernen Familie, um den Konflikt zwischen Beruf und Kindern?

Flaake: Ja, aber es sind ja Frauen, die sich bewusst für ein neues Modell entschieden haben. Sie arbeiten eng mit dem Partner zusammen, müssen vieles koordinieren, eben um weiter berufstätig sein zu können. Sie wollen genau dieses Lebenskonzept realisieren.

Was sind Risikofaktoren für heutige Familien, Faktoren, die diese Familien auch scheitern lassen können?

Flaake: Ein großer Faktor sind die Belastungen, die mit diesem Modell verbunden sind: Es gibt zu wenig Hilfsangebote, die diesen Familien helfen könnten, etwa genügend Ganztagsschulen, genügend Kitas, ausreichend Betreuung der Kinder außer Haus; ich vermisse ebenfalls die Familienarbeitszeit, die es möglich macht, dass beide Elternteile zu 20% ihre Arbeitszeit reduzieren können und dafür bekommen beide Teile einen Lohnersatz. So würde es selbstverständlicher werden, dass beide zugunsten der Familie die Arbeit reduzieren könnten.

Für Doppelverdienerfamilien sind fehlenden Betreuungsangebote eine Bedrohnung

Wie wird es in Zukunft weitergehen, werden sich die Geschlechter angleichen, die Männer weiblicher und die Frauen männlicher?

Flaake: Ich würde es nicht so ausdrücken. Ich glaube, es gibt eine neue Form des Zusammenlebens der Geschlechter, in der beide Familienarbeit verrichten. Das hat in erster Linie nichts mit männlich oder weiblich zu tun.

Stand: 27.5.2015, 11.51 Uhr

http://www.swr.de/swr2/wissen/wenn-sich-geschlechterrollen-aendern/-/id=661224/did=15587832/nid=661224/vexzxs/