Welcher Art von Rechtsstaat leben wir ? – Entfremdung im Familienrecht

Österreichischer Vater darf sein Kind nur 24 Stunden im Jahr sehen

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Nur 24 Stunden pro Jahr

Der Kampf um die Beziehung zu seinem zehnjährigen Sohn sei zermürbend, aber Helmut Zeiner gibt nicht auf.
Der Kampf um die Beziehung zu seinem zehnjährigen Sohn sei zermürbend, aber Helmut Zeiner gibt nicht auf.

Trennungsvater kämpft seit zehn Jahren um die Beziehung mit seinem Kind.

„Mir geht es in erster Linie darum, dass die Öffentlichkeit erfährt, in welcher Art von Rechtsstaat wir leben“, stellt Helmut Zeiner (48) von vornherein klar. „Ein Rechtsstaat, in dem es offensichtlich legitim ist, dass Vätern Kinder vorenthalten und entfremdet werden.“ Er sei übrigens kein Einzelschicksal. Vielen Trennungsvätern ergehe es wie ihm: „Sie dürfen ihre Kinder nur selten sehen, und wenn, dann nur unter Aufsicht im Besuchscafé. Müttern werden hingegen alle Rechte zugesprochen.“

Sein Kampf um die Beziehung mit seinem Kind begann vor zehn Jahren. Der Lustenauer lebte mit seiner Ehefrau in Schwechat, als 2005 Sohn Benjamin zur Welt kam. Die Eheleute trennten sich kurz darauf, geschieden wurden sie 2008.

Das Sorgerecht für das Kind wurde der Mutter zugesprochen, dem Vater ein Besuchsrecht. Zeiner, der zwischenzeitlich nach Vorarlberg zurückgekehrt war, fährt zu den Besuchszeiten – einmal im Monat zwei Stunden im Besuchscafé – immer nach Schwechat.

Im Jänner 2009 stellte er den Antrag auf ein erweitertes Besuchsrecht. „Doch das hat meine Ex-Frau verhindert. Sie behauptete vor Gericht, ich sei unberechenbar, hätte sie bedroht und geschlagen. Zudem würde ich das Kind mit Süßigkeiten vollstopfen.“ Die Anschuldigungen konnten nicht nachgewiesen werden. Der Elternkrieg führte indes zur Entfremdung zwischen Vater und Sohn. Der damals Vierjährige habe sich ihm gegenüber auf einmal zurückhaltend und eingeschüchtert verhalten, schildert Zeiner. „Ich bin nicht mehr an ihn herangekommen.“ Er ist überzeugt, dass Benjamin von der Mutter manipuliert wurde.

So kam es, dass Zeiner sein Kind monatelang überhaupt nicht mehr sehen konnte. Er meldete das dem Jugendamt Wien und dem Bezirksgericht Schwechat. „Das Jugendamt meinte, wir sollten uns wieder im Besuchscafé treffen. Doch das lehnte Benjamins Mutter ab.“

Nun folgten Klagen, Forderungen noch psychologischen Gutachten, die Einbeziehung eines Sozialarbeiters und später noch eines Kinderbeistandes, mehrere einstweilige Verfügungen und auch eine Beugestrafe gegen die Kindesmutter zur Durchsetzung des Besuchsrechts. Allerdings kam es immer wieder zu Verzögerungen, da die Kindesmutter zeitweise die Gerichtspost nicht annahm, weil sie sich ortsabwesend gemeldet hatte.

2011 stellte Zeiner den Antrag auf alleinige Obsorge für Benjamin. Doch es blieb beim ursprünglichen Besuchsrecht. Auch alle weiteren Anträge, dieses auf ein ganzes Wochenende pro Monat zu erweitern, wurden bislang abgelehnt. Noch immer trifft er seinen nun zehnjährigen Sohn nur zwei Stunden pro Monat im Besuchscafé. Das sind insgesamt 24 Stunden pro Jahr.

In seiner Not hatte Zeiner während seines jahrelangen Kampfes um sein Kind bei allen möglichen Stellen um Unterstützung angesucht. „Beim ifs konnte man mir nicht helfen. Man schickte mich zum Kinder- und Jugendanwalt.“ Michael Rauch sei dafür aber auch nicht zuständig – „er empfahl mir zwei spezialisierte Rechtsanwälte. Doch nicht einmal der von mir beauftragte Anwalt konnte etwas gegen die richterlichen Entscheidungen ausrichten.“

Trennungskinder als Waffe

Dann versuchte er es bei der Politik. Bei den großen Parteien hatte Zeiner keinen Erfolg. Schlussendlich wandte er sich an die Männerpartei, wo er zum ersten Mal erfahren habe, dass er nicht allein sei mit seinem Problem: „In ganz Österreich werden Trennungskinder oft als Waffe benutzt – hauptsächlich von Müttern gegen Väter.“ Was das Vaterrecht anbelangt, sei Österreich „sehr weit hinten. Andere Länder hingegen, wie Frankreich zum Beispiel, schützen ihre Kindesväter deutlich besser.“ Zermürbend sei das, klagt Zeiner. Aber aufgeben werde er trotzdem nicht: „Ich kämpfe weiter um mein Kind.“

Über 120 Fälle allein in Vorarlberg

schwarzach. Dem Bundesvorsitzenden der Männerpartei, Hannes Hausbichler (45), sind 123 Fälle von Kontaktverweigerung bzw. Kontakterschwernis in Vorarlberg persönlich bekannt. „Die 120 Männer und drei Frauen wurden oder werden vom Männerservice – einer Anlaufstelle, die männerspezifischen Schlechterstellungen entgegentritt – betreut“, gibt Hausbichler an. Die Ursachen solcher Kontaktverweigerungen liege laut Hausbichler „psychologisch gesehen in mangelnder Bindungstoleranz – Elternteile, die ihre Kinder vereinnahmen wollen, verhindern den Kontakt zum anderen Elternteil – und rechtlich gesehen darin, dass Gerichte sich zumeist durch Hinhalten davor drücken, das Kontaktrecht klar zu regeln und vor allem bei Verstoß auch wirklich durchzusetzen.“ Sowohl Vätern, die das Interesse an den Kindern verlieren, als auch Müttern, die zu Verweigerung tendieren, müsste bewusst gemacht werden, „dass für ein Kind beide Elternteile unersetzlich sind“, fordert Hausbichler. Zudem brauche es bei Konflikten klare Regelungen sowie die Durchsetzung bei Kontaktverweigerung oder -erschwernis, unter anderem in Form von Beugestrafen.

Doppelresidenz – Vorteile und Nachteile

Das Wechselmodell der Kinderbetreuung: Vorteile, Nachteile und was man beachten sollte

Gleichberechtigung war schon seit es diesen Begriff gibt, ein Zankapfel. Konservative taten sie von Anfang an als überflüssig ab. Befürworter halten sie für unabdingbar, wenn man in einer modernen Gesellschaft leben will. Das Wechselmodell soll Trennungsväter schützen. Doch es ist auch mit Vorsicht zu genießen.


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Beziehungen entstehen. Beziehungen vergehen. Nicht jede Liebesbeziehung hält ewig (faktisch sind es sogar nur sehr wenige), und wenn sich ein Paar entschließt, in Zukunft getrennt zu leben, dann ist das mit weitreichenden Konsequenzen verbunden. Das gilt im besonderen Maße, wenn Kinder aus der Partnerschaft hervorgegangen sind. Im Zuge einer Trennung spielt die Frage, wer, wann und wie oft die Kinder bei sich hat, eine wichtige Rolle. Das Wechselmodell soll Vätern helfen, gleichermaßen bei der Erziehung nach der Trennung beteiligt zu sein. Ein an sich guter Ansatz, der jedoch Tücken hat, die man bedenken muss, wenn man sich dafür entscheidet.

 

Der Klassiker versus das Wechselmodell

Die meisten Paare, die sich trennen, einigen sich früher oder später auf eine Regelung, die sich schnell einspielt. Das Kind (oder die Kinder) bleibt bei der Mutter, alle 14 Tage dann ist der Wochenendbesuch beim Vater im Kalender eingetragen. Dieses Modell hat auch Nachteile, denn den wirklichen, echten Alltag erleben Vater und Kind nicht miteinander. Vielmehr ist der Besuch bei Papa eher ein ständig wiederkehrendes kleines Urlaubserlebnis, Raum für alltägliche Dinge bleibt wenig. Andererseits hat das Kind Regelmäßigkeit und Orientierung, die Rollen sind klar verteilt, das kann durchaus funktionieren. Was aber ist beim Wechselmodell anders?

Das Wechselmodell sieht gewissermaßen gleiches Recht für alle vor. Anders ausgedrückt heißt das, dass Kinder zu gleichen Teilen ihre Zeit bei der Mutter und dem Vater verbringen. Das klingt zunächst einmal fair, birgt aber eine große Gefahr: die, dass die Kinder darunter leiden. Zumindest sah es das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz so. Es urteilte bereits im Jahre 2010, dass das Wechselmodell zur Belastung für Kinder werden kann.

 

Ohne Einigkeit geht nichts

Einigkeit ist bei Paaren, die sich trennen, nicht gerade das, was ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Im schlimmsten Fall wird mächtig viel „schmutzige Wäsche gewaschen“, im besten Fall geht die Trennung einigermaßen friedlich über die Bühne. Hier sah das OLG Koblenz den Knackpunkt, denn es folgte zwei Leitsätzen, die maßgeblich sind für das Funktionieren des Wechselmodells:

 

  1. Ein Betreuungs-Wechselmodell setzt die Bereitschaft und Fähigkeit der Eltern voraus, miteinander zu kooperieren und zu kommunizieren. Gegen den Willen eines Elternteils kann ein Betreuungs-Wechselmodell nicht familiengerichtlich angeordnet werden.
  2. Ein Betreuungs-Wechselmodell ist mit dem Kindeswohl nicht vereinbar, wenn das Kind durch den ständigen Wechsel belastet wird und keine Stabilität erfahren kann.

Im verhandelten Fall waren jedoch weder die Bereitschaft noch die Fähigkeit zu erkennen, dass das Wohl des Kindes im Vordergrund stand. Die Mutter beklagte, dass ihre Kinder unter dem häufigen Orts- Bezugspersonenwechsel litten und Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Der Vater sah das ganz anders und wollte die Weiterführung des Wechselmodells vor Gericht durchsetzen. Letztlich gewann die Mutter den Fall, es lief auf „den Klassiker“ hinaus, weil die Richter nicht sehen konnten, dass das Wechselmodell den Kindern guttat.

 

Wie es geht

Der Fall des OLG Koblenz zeigt, dass das Wechselmodell nur funktionieren kann, wenn eine gewisse Übereinstimmung bei den ehemaligen Partnern besteht. Die zu erreichen, erfordert eine Menge Beziehungsarbeit, auch und gerade weil die Beziehung nicht mehr existiert. Man muss es eher so sehen, dass eine neue Form der Beziehung erreicht werden muss, die darauf ausgerichtet ist, nach wie vor in erster Linie im Sinne des Kindes zu handeln. Früher ging das schließlich auch. Wenn sich beide Partner einig sind und nicht versteckte Machtkämpfe ausgefochten oder alte Verletzungen subtil mit hineinspielen, kann es klappen mit dem Wechselmodell. Und dann hat es durchaus Charme, denn wenn das Kind (zum Beispiel) eine Woche beim Vater und eine bei der Mutter lebt, ist nicht nur für die Regelmäßigkeit gesorgt, die es braucht. Auch erleben beide Elternteile Alltag und Freizeit in gleichem Maße. Immer ist das Wechselmodell jedoch nicht sinnvoll. Vor allem hat ein Kind aber auch deutlich mehr von seinem Vater, der im klassischen Modell deutlich zu kurz kommt.

 

Der weite Weg

Es gibt Konstellationen, die gegen das Wechselmodell sprechen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die getrennten Eltern sehr weit voneinander entfernt leben. Es ist das eine, wenn ein Kind alle 14 Tage (wobei natürlich auch andere Intervalle denkbar sind) eine recht lange Fahrt auf sich nimmt, um Zeit mit seinem Vater zu verbringen. Und das andere, wenn das in der Konsequenz bedeutet, dass sich quasi zwei Leben aufbauen lassen müssen. Wenn mit dem Wechselmodell deutlich längere Anfahrtswege zur Schule verbunden sind, wenn womöglich die besten Freunde nicht mehr ohne weiteres erreichbar sind oder Hobby wie Musik oder Sport zu einer kaum zu stemmenden Herausforderung werden, sollte das Wechselmodell ernsthaft überdacht werden. Wir sind an dieser Stelle wieder am Ausgangspunkt angekommen, dem Wohl des Kindes.

Ein gutes Wechselmodell ist eines, das dafür sorgt, dass es dem Kind gut so gut wie möglich geht, besser als das bei anderen Absprachen der Fall wäre. Ein schlechtes Wechselmodell ist eines, unter dem das Kind leidet. Und früher oder später ganz sicher auch die Eltern. Ein Modell, das vor Gericht landet, hat sich als nicht praxistauglich erwiesen. Egal, wie es heißt.

3 April, 2013 – 09:47
http://www.vaterfreuden.de/partnerschaft/scheidung-trennung/das-wechselmodell-der-kinderbetreuung-vorteile-nachteile-und-was-ma