Suizid wegen Sorgerechtstreit und negativen Urteil des Familiengerichts

Als Motiv nannte er den dauernden Streit ums Sorgerecht für die Kinder, der auch vor Gericht ausgetragen wurde. Auslöser für die furchtbare Tat dürfte wohl ein neues Urteil des Familiengerichts gewesen sein, das dem 50-Jährigen offenbar nicht gefallen hatte.
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Vater tötet Töchter (9 und 11) und sich selbst

Todesursache von Lilli und Anna ist klar – Suche nach dem Warum

München – Ein Vater hat sich und seine zwei Töchter in Trudering umgebracht. Die Todesursache ist inzwischen klar, über den Grund für diese schreckliche Tat kann nur spekuliert werden.

Zwei rote Grablichter stehen am Dienstag vor der Eingangstür eines Reihenhauses in Kirchtrudering. Nachbarn haben sie vor jene Tür gestellt, durch die noch wenige Stunden zuvor zwei fröhliche Mädchen gelaufen waren. Die übers Wochenende bei ihrem Papa (50) waren und am Montag wieder bei ihrer Mama in Milbertshofen sein sollten. Lilli (9) und ihrer großen Schwester Anna (11) ging es wie vielen Trennungskindern. Sie liebten sicher beide Eltern, lebten abwechselnd bei Papa und Mama.

Peter R.

Von ihrem letzten Wochenende mit ihrem Vater Peter R. kehrten die beiden Mädchen aber nicht wieder zurück. Eine Polizeistreife fand am Montag gegen 17 Uhr Lilli und Anna leblos in dem Reihenhaus ihres Vaters an der Kießlingerstraße. Auch den 50-Jährigen fanden die Beamten – mit einer Schlinge um den Hals. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod der Mädchen und ihres Vaters feststellen.

Obduktion liefert neue Erkenntnisse

Eine Obduktion hat inzwischen ergeben: Lilli und Anna sind wohl erstickt worden. Wahrscheinlich in der Nacht von Sonntag auf Montag, als die Schwestern in ihren Betten schliefen. Anschließend nahm sich Peter R. selbst das Leben.

Die Mutter hatte am Montagnachmittag versucht, ihre Kinder sowie ihren Ex-Mann telefonisch zu erreichen. Als sie auch nach mehrmaligen Anrufen niemanden erreichen konnte, wuchs von Minute zu Minute ihre Sorge. Bis die Frau schließlich aus lauter Verzweiflung die Polizei alarmierte.

Peter R., der als Geschäftsbereichsleiter für Großkunden bei einer Münchner Firma arbeitete, hinterließ einen Abschiedsbrief. Als Motiv nannte er den dauernden Streit ums Sorgerecht für die Kinder, der auch vor Gericht ausgetragen wurde. Auslöser für die furchtbare Tat dürfte wohl ein neues Urteil des Familiengerichts gewesen sein, das dem 50-Jährigen offenbar nicht gefallen hatte.

„Wir sind erstarrt“

„Es war jedoch keineswegs so, dass der Vater seine Kinder überhaupt nicht mehr hätte sehen können“, sagt ein Polizeisprecher. Dennoch fasste der 50-Jährige, den seine Nachbarn als wortkarg beschreiben, seinen schrecklichen Entschluss. Lieber sollten seine Töchter sterben, als dass sie öfter und länger bei ihrer Mutter wohnen sollten.

Der Tatort in Trudering, vor dem am Dienstag zwei Kerzen brannten.

In der Nachbarschaft in Kirchtrudering sitzt der Schock über die Familientragödie tief. Die ruhige und idyllische Seitenstraße war am Dienstag wie ausgestorben. Wo sonst Kinder auf der Straße spielen, herrschte eine bedrückte Atmosphäre. „Wir sind wie erstarrt. Wir brauchen, bis wir zum Alltag übergehen können“, erklärt eine Mutter ein paar Häuser weiter.

Auch die Nachbarn der Mutter sind erschüttert. Sie wohnt im Olympiadorf, wo die Schwestern unbeschwert mit ihren Fahrrädern unterwegs waren. Jetzt stehen die Räder vor der Wohnungstür. Lilli und Anna werden nicht mehr mit ihnen fahren.

Jam

Psychologe erklärt: „Der Täter denkt nur an sich“

Ein Mann tötet seine eigenen zwei Kinder – und dann sich selbst. Jeder stellt sich die Frage: Was treibt einen Menschen dazu, so etwas Schreckliches zu tun? Was geht in solchen Augenblicken in einem vor? Der Münchner Psychologie und Mediziner Dr. Heinz Golling ist Experte, wenn es um Angstzustände, Depressionen oder auch Persönlichkeitsstörungen geht. Die tz sprach mit dem Psychologen über die Tragödie in Kirchtrudering:

Herr Dr. Golling, ein Vater tötet seine eigenen Kinder. Warum?

Dr. Heinz Golling: In der kühlen Fachsprache nennen wir das einen erweiterten Suizid. Die Täter sind meist Menschen, die keinerlei Kontrolle über ihre Aggressionen haben. Zudem haben sie ein sehr geringes Selbstwertgefühl.

Aber die eigenen Kinder …

Golling: Ja, unfassbar. Aber es geht dem Mann in solchen Fällen darum, der verhassten – aber doch noch geliebten Frau – alles zu nehmen, was ihr wichtig ist. Zudem will der Täter alles auslöschen, was mit seiner eigenen Existenz verbunden ist. Also auch seinen Nachwuchs. Er will völlig verschwinden.

Die Kinder spielen also keine Rolle mehr?

Golling: Richtig. Die Tat wird wie in blinder Wut ausgeführt. Denken Sie an den Copiloten, der die Germanwings-Maschine gegen einen Felsen steuerte. Auch ihm waren die 149 anderen Passagiere völlig egal. Da saßen auch Kinder in dem Flugzeug. Zwar nicht seine eigenen , aber völlig Unschuldige. Er wollte ein Ende. Wir sprechen hier von einer narzisstischen Persönlichkeit. Also jemand sieht nur noch sich selbst.

Sind diese Menschen im Auftreten meist generell aggressiv? 

Golling: Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: Solche Personen treten meist sehr leise auf, sind psychisch total abhängig von ihrem Partner, sind immer sehr defensiv. Die grauen Mäuse. Deswegen bricht ja alles um sie herum zusammen, wenn der Partner sie plötzlich verlässt. Dann haben sie, wie schon erwähnt, ihre Aggressionen nicht mehr im Griff, drehen durch.

Gab es solche Taten immer schon?

Golling: Ja, das hat jetzt nichts mit irgendwelchen gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun.

Wie kann der Mutter nun geholfen werden? Der Verlust ist unbeschreiblich.

Golling: Ja, sie wird zeitlebens traumatisiert sein. Natürlich braucht sie nun psychologische Hilfe. Sie trifft aber keinerlei Schuld. Wichtig ist, ihr genau das nun immer wieder zu vermitteln.

Das wird den Schmerz nicht lindern…

Golling: Nein, aber es macht möglicherweise ein Leben nach dieser Tragödie für sie überhaupt erst möglich.

Armin Geier, Aktualisiert: 30.06.15 – 18:09

http://www.merkur.de/lokales/muenchen/ost/familiendrama-trudering-schwierige-suche-nach-warum-5188812.html.

Ein Gedanke zu “Suizid wegen Sorgerechtstreit und negativen Urteil des Familiengerichts

  1. Die Überschrift ist falsch. Es hat zwar auch ein Suizid stattgefunden, aber die vordergründigere, schrecklichere Tat war ja wohl der Doppelmord an zwei Kindern.

    „erweiterter Suizid“ wurde übrigens schon vor einigen Jahren zum Unwort des Jahres gewählt. Kann man googeln.

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