Audio: Was hat sich beim neuen Vater konkret verändert im Gegensatz zum alten Vater?

Audio :

Neue Väter, neue Mütter Wenn sich Geschlechterrollen ändern

Die Geschlechterrollen ändern sich, die Familie baut sich um: Männer und Frauen lösen sich aus den alten Traditionen. Was passiert mit den Töchtern und Söhnen, wenn sich die Familie verändert, welche Geschlechterrollen werden sie übernehmen und bevorzugen?

Das untersuchte die Soziologin Professor Karin Flaake vom Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen.

 

Geschlechterrollen im Wandel – welche Rolle übernimmt das Kind?

Was hat sich beim neuen Vater konkret verändert im Gegensatz zum alten Vater?

Flaake: Da hat sich viel verändert. Heutige Väter, auch wenn sie Vollzeit erwerbstätig sind, kümmern sich vielmehr um die Kinder als Väter der 60er-, 70er- oder 80er-Jahre. Allerdings: Wenn sie eben voll arbeiten, fehlt ihnen leider auch die Zeit, sich gefühlsmäßig richtig auf die Kinder einzulassen, es fehlt die Zeit, sich früh auf innige Beziehungen einzulassen. Bei Familien, in denen Väter die Arbeitszeit reduzieren konnten, tritt das Problem nicht auf.

Aber dennoch: Der heutige Vater ist – egal ob er Vollzeit arbeitet oder nicht – viel empathischer, richtig?

Flaake: Da haben Sie völlig recht, das ist das Entscheidende. Nur, die Begrenzungen, denen arbeitende Väter heute durch den Beruf unterliegen, sind viel viel größer als bei denjenigen, die mehr Freiräume haben, die sich aus dem Beruf auch mal ausklinken können.

Der neue Vater: emotionaler und empathischer

Halten wir fest: Der neue Vater kümmert sich mehr um die Kinder, ist empathischer, emotionaler. Wird sich diese neue Rolle auf die Söhne übertragen, so dass sie, wenn sie später selbst Väter werden, das neue Rollenbild praktizieren?

Flaake: In Grenzen. Ein Ergebnis unserer Studie war, dass sich die Qualität der Vater-Sohn-Beziehung entscheidend verändert: Alle Familien, die wir untersucht haben, zeigen, dass die Väter und Söhne im Alltag viel Zeit miteinander verbringen, es geht um emotionale Qualität. Es gibt aber ein Problem bei diesen Beziehungen: Das ist das Zulassen weicher verletzlicher Seiten, das Zulassen körperlicher Nähe. Da gibt es noch viele Tabus, die den neuen Vätern im Wege stehen.

Welche Tabus sind das?

Flaake: Ein Tabu sind die homoerotischen Aspekte. Zärtlichkeit zwischen Väter und Söhnen wird tabuisiert. Dann beherrschen uns immer noch die traditionellen Männerbilder, die suggerieren, man komme als Mann mit Weichheit und Emotionalität nicht weiter. Das gilt als unmännlich.

Das zeigt aber auch, dass die moderne Familie noch mit einem Bein in der Tradition steht?

Flaake: Ja klar, weil die Eltern ja in erster Linie in traditionellen Verhältnissen aufgewachsen sind. Unsere Studie zeigt: Väter und Mütter müssen sich mit alten Geschlechterrollen kritisch auseinandersetzen, der Vater muss das Weiche, Verletzliche zulassen, die Frau muss sich damit auseinandersetzen, dass sich ihre eigene Bedeutsamkeit ändert: Sie ist nicht mehr die alleinige Bezugsperson des Kindes, nicht die Übermutter, sondern jetzt teilt sie sich das mit dem Vater.

Väter und Mütter müssen sich mit alten Geschlechterrollen kritisch auseinandersetzen

Kommen wir also zu den Frauen, den Müttern, den Töchtern. Was macht das mit der Tochter, wenn sie erlebt, dass ihre Mutter täglich zur Arbeit geht und manchmal wie ein Mann vom Beruf gestresst ist und keine Zeit hat?

Flaake: Na ja, die Tochter erlebt nicht nur die gestresste Mutter, sondern auch eine Frau, die im Beruf Erfolg hat, der das Arbeiten außer Haus Spaß macht. Die Frauen haben die Möglichkeit, kontinuierlich erwerbstätig zu sein und langfristig wichtige Ziele zu verfolgen. Viele Frauen, die wir gesprochen haben, sagen, dass der Beruf zwar anstrengend sei, aber er sei wichtig fürs Selbstbewusstsein, das vermitteln sie dann auch den Töchtern.

Aber es geht doch auch um die Zerrissenheit der modernen Familie, um den Konflikt zwischen Beruf und Kindern?

Flaake: Ja, aber es sind ja Frauen, die sich bewusst für ein neues Modell entschieden haben. Sie arbeiten eng mit dem Partner zusammen, müssen vieles koordinieren, eben um weiter berufstätig sein zu können. Sie wollen genau dieses Lebenskonzept realisieren.

Was sind Risikofaktoren für heutige Familien, Faktoren, die diese Familien auch scheitern lassen können?

Flaake: Ein großer Faktor sind die Belastungen, die mit diesem Modell verbunden sind: Es gibt zu wenig Hilfsangebote, die diesen Familien helfen könnten, etwa genügend Ganztagsschulen, genügend Kitas, ausreichend Betreuung der Kinder außer Haus; ich vermisse ebenfalls die Familienarbeitszeit, die es möglich macht, dass beide Elternteile zu 20% ihre Arbeitszeit reduzieren können und dafür bekommen beide Teile einen Lohnersatz. So würde es selbstverständlicher werden, dass beide zugunsten der Familie die Arbeit reduzieren könnten.

Für Doppelverdienerfamilien sind fehlenden Betreuungsangebote eine Bedrohnung

Wie wird es in Zukunft weitergehen, werden sich die Geschlechter angleichen, die Männer weiblicher und die Frauen männlicher?

Flaake: Ich würde es nicht so ausdrücken. Ich glaube, es gibt eine neue Form des Zusammenlebens der Geschlechter, in der beide Familienarbeit verrichten. Das hat in erster Linie nichts mit männlich oder weiblich zu tun.

Stand: 27.5.2015, 11.51 Uhr

http://www.swr.de/swr2/wissen/wenn-sich-geschlechterrollen-aendern/-/id=661224/did=15587832/nid=661224/vexzxs/

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s