Kindesentführung – Kinderhandel in Chile

Als Säugling entführtSohn findet Mutter nach 41 Jahren über Facebook

Kurz nach der Geburt ihres Sohnes sagte man der Mutter, ihr Kind sei gestorben Beweise gab es nie. Ihr Schicksal ist in Chile kein Einzelfall…

Santiago de Chile – Seit seiner Geburt vor 41 Jahren hat Nelly Reyes versucht, den angeblichen Tod ihres Sohnes zu verarbeiten. Jetzt konnte sie ihn wieder in die Arme schließen. Der US-Sender „CNN“ begleitete das unglaubliche Wiedersehen.

Travis Tolliver (41) und seine Mutter (61) brachen wortlos in Tränen aus, als sie sich vor einigen Tagen am Flughafen von Santiago trafen.

Keiner spricht die Sprache des anderen: Die Mutter nur Spanisch, der Sohn nur Englisch. Doch sie verstehen sich auch ohne Worte: Mutter Nelly umarmt, herzt und küsst ihren Sohn nun täglich, bekocht ihn und kann ihm endlich ihre Mutterliebe zeigen.

Er sagt: „Endlich fühle ich mich als Ganzes.“ Sie sagt: „Ich werde ihn von nun an jeden Tag umarmen. Ich liebe ihn so sehr.“

 Als Säugling ans Klinik entführt: Sohn findet Mutter nach 41 Jahren über Facebook
Glücklich vereint nach 41 Jahren: Travis und seine Mutter Nelly
Foto: Travis Tolliver / http://www.gofundme

Die unglaubliche Geschichte der Kindesentführung

Nelly Reyes wurde 1973 mit 19 Jahren Mutter eines Sohnes. Anstatt ihr das Kind zu geben, sagte man Nelly, es habe einen Herzfehler und müsse gesondert behandelt werden. Kurz darauf erklärten die Ärzte, der Junge sei gestorben. Trotz allem Flehen der Mutter verweigerte man ihr, das Kind zu sehen. Sie bekam nie einen Totenschein.

Hintergrund

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Travis hingegen wurde in die USA verkauft. Von wem, weiß man bis heute nicht. Seinen Adoptiveltern in Tacoma im US-Bundesstaat Washington sagte man, er sei als Baby verstoßen worden.

Mit dieser Geschichte wuchs er traumatisiert auf, fühlte sich immer als Außenseiter und litt unter Trennungsängsten.

Die „Kinder des Schweigens“

Als er etwa 40 Jahre alt war, sah Travis im Fernsehen eine Dokumentation über den Handel mit illegalen Adoptivkindern aus Chile. Man nennt sie die „Kinder des Schweigens“.

Während der Pinochet-Diktatur soll es massenhaft solcher Kindesentführungen gegeben haben. Die Babys wurden gestohlen und verkauft. Andere wurden mithilfe der Großeltern und Dokumente fälschenden Ärzten weggegeben, wenn die Kinder außerehelich geboren wurden. Oft war auch die Kirche behilflich beim Verschwindenlassen der unehrenhaften Kinder.

Es gibt Institutionen, die die Fälle nun nach und nach aufklären, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen wollen. Doch da die meisten Fälle 15 bis 20 Jahre zurückliegen, sind sie meist verjährt.

Eine Organisation fand seine leibliche Mutter

Travis ließ die Dokumentation nicht mehr los. Er begann zu recherchieren und fand in den sozialen Netzwerken Kontakte nach Chile, darunter die Facebook-Seite „Chile Adoption Birth Family Search“.

Travis erzählt: „Ich gab ihnen alle Informationen, die ich hatte. Nach drei, vier Wochen hatten sie meine Mutter gefunden.“

Die Organisation stellte den Kontakt zu Travis und seiner Mutter her. Nachdem der DNA-Test positiv war, finanzierte er über die Crowdfunding-Plattform „GoFundMe“ eine mehrwöchige Reise nach Chile zu seiner leiblichen Familie.

In Chile lernte Travis nicht nur seine leibliche Mutter, sondern auch seine fünf Geschwister kennen.

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Travis mit seiner „neuen“ Familie
Foto: Travis Tolliver / http://www.gofundme

Er selbst bringt seine Frau und zwei Töchter mit in die Großfamilie. Seine Adoptiveltern liebt er wie eh und je.

Vor einigen Tagen fuhr Travis mit seiner Mutter an den Ort, wo das Krankenhaus stand, in dem er geboren wurde. Es wurde zerstört. Dort steht nun ein Kongresszentrum.

Das Wichtigste aber für Travis: „Ich wurde nicht von meiner Mutter verstoßen, wie ich all die Jahre dachte. Das fühlt sich wirklich wunderbar in meinem Herzen an. Ich bin nun im Reinen mit mir. Es ist einfach unglaublich!“

30.05.2015 – 10:00 Uhr
http://www.bild.de/news/ausland/chile/mutter-trifft-sohn-nach-41-jahren-wieder-41099734.bild.html
Tags: Kinderhandel – Menschenhandel – Geburt – Kindesentführung

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