Falschbeschuldigungen – Jörg Kachelmann – wie er nach dem Freispruch im Prozess um eine Vergewaltigung um seine verlorene Ehre kämpft

Jörg Kachelmann steht an der Bürger-Universität Rede und Antwort

Als prominenter Gast der Bürger-Universität an der Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen erklärte Wetter-Experte Jörg Kachelmann am Mittwochabend, wie er nach dem Freispruch im Prozess um eine Vergewaltigung um seine verlorene Ehre kämpft.

Nein, auf Rache sei er nicht aus; die sei ihm wesensfremd. „Dafür geht es mir zu gut“, sagt Jörg Kachelmann, als er am Mittwochabend auf dem Podium der Bürger-Universität an der Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen Platz nimmt und zwei Stunden lang Rede und Antwort steht, während sich seine junge Frau samt gemeinsamem Kind im Krabbelalter im Hintergrund hält. Aber vier Jahre, nachdem der Schweizer Wetter-Experte vom Vorwurf der Vergewaltigung, den seine Ex-Freundin gegen ihn erhoben hatte, freigesprochen wurde, hängt dem früheren TV-Moderator die ganze Geschichte freilich immer noch nach.

Vergeben und vergessen? „Ich will nicht, dass Gras drüber wächst“, sagt der 56-jährige Kachelmann. Er wolle anderen Falschbeschuldigten Mut machen, gegen „durchgeknallte Polizisten und Richter“ anzugehen. Er sieht sich als Opfer eines Verbrechens und will, dass die Täter bestraft werden. Deshalb verklagt er nicht nur die Frau, die ihn der Vergewaltigung bezichtigt hatte, sondern auch die Mannheimer Staatsanwaltschaft. Er geht gegen die Medien vor, die sein Privatleben breitgetreten und ihn vorverurteilt hätten, will Schadenersatz in Millionenhöhe von der Bild-Zeitung und großen Magazinen.

Im Disput mit dem Politik-Wissenschaftler Joachim Behnke präsentiert sich Kachelmann als streitbarer Unterhaltungs-Profi, der sich trotz langjähriger Fernseh-Abstinenz seines Sendungsbewusstseins immer noch gewiss ist. Trotz aller Betroffenheit kokettiert der früher in den Medien omnipräsente Wetter-Mann mit der eigenen Leidensgeschichte inklusive der 132 Tage Untersuchungshaft. Vielleicht ist das sein Weg, damit umzugehen, dass er nach eigener Aussage alles verloren hat, sogar seine Anteile an der Firma verkaufen musste, die er vor über 20 Jahren gegründet hatte und mit der er der Wetter-Experte schlechthin im deutschsprachigen Raum geworden war, um materiell wieder Fuß zu fassen. „Es gibt einen Freispruch, aber der nützt mir nichts“, erklärt Kachelmann, dessen Karriere mit der Inhaftierung als mutmaßlicher Vergewaltiger jäh endete. „Es wird nie aufhören, dass die Menschen denken: Wer weiß, was vielleicht doch dran war?“, sagt er vor 300 Gästen im ZU-Foyer. Er glaubt selbst nicht daran, dass ihn dieser Freispruch rehabilitiert hat.

An diesen Gedanken gewöhnen will sich Jörg Kachelmann aber nicht. Und so beißt er verbal auch an diesem Abend zu, wenn er „Dreckszeitungen“ geißelt oder behauptet, Falschbeschuldigungen – und das seien, sagt er, die Mehrzahl der angezeigten Vergewaltigungen – seien ein Massendelikt geworden und würden in Sorgerechts-Streitigkeiten etwa als „todsichere Waffe“ eingesetzt. Ein fast schon beleidigender Wortwechsel mit einem Medienvertreter demonstriert, dass Jörg Kachelmann nicht nur pauschal verurteilt, sondern die Interpretation von Recht und Gesetz in die eigenen Hände genommen hat. Nur: Wer will es ihm verdenken nach seinen Erfahrungen mit der dritten und der vierten Macht im Staat?

17.04.2015
http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/friedrichshafen/Joerg-Kachelmann-steht-an-der-Buerger-Universitaet-Rede-und-Antwort;art372474,7784712

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