SPÖ – Und das soll für Frauen eine Belohnung sein ?

Und das soll für Frauen eine Belohnung sein?

Das niedrigere Frauenpensionsalter ist eine höchst zweifelhafte Wohltat, auch wenn die SPÖ das Gegenteil behauptet.

Immer wieder erstaunlich, wie es SPÖ und ÖGB schaffen, das Frauenpensionsalter als Belohnung darzustellen und mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Nüchtern betrachtet, ist es eine höchst zweifelhafte Wohltat, dass Frauen, ob sie wollen oder nicht, fünf Jahre früher als gleich alte Männer aus dem Beruf verabschiedet werden können. Denn das bewirkt vor allem eines: niedrigere Pensionen – lebenslang.

Die Warnung, dass sich die fehlenden Jahre am Ende der Berufslaufbahn ungünstig auf die Pensionshöhe auswirken können, hört man aus der Arbeiterpartei nie. Das ist umso bemerkenswerter, als sie pausenlos trommelt, wie ungünstig es sich auf die Pensionshöhe auswirken kann, wenn Frauen nach der Geburt eines Kindes nicht schleunigst an den Arbeitsplatz zurückkehren – und das tunlichst Vollzeit.

Wie passt das zusammen? Gar nicht.

Immer wieder wurde darüber diskutiert, mit der 1992 (!) beschlossenen Angleichung des Frauen- an das Männerpensionsalter vor 2024 zu beginnen und sie vor 2033 abzuschließen. 2033: Das wäre mehr als 40 Jahre (!) nachdem das unterschiedliche Pensionsalter als gleichheitswidrig erkannt wurde. Nun ist die letzte Chance. Gibt es in dieser Legislaturperiode keine Einigung (samt notwendigen Begleitmaßnahmen), ist es zu spät. Denn Änderungen im Pensionssystem treten nie sofort in Kraft, Stichwort: Vertrauensschutz. Es geht realistischerweise nur noch darum, mit der Angleichung fünf Jahre früher zu beginnen: 2019, wenn – was kaum bekannt ist – die Erhöhung des Frauenfrühpensionsalters startet. Das hieße, dass nicht erst ab 1964 geborene Frauen nach und nach länger arbeiten dürfen, können oder sollen, sondern schon die zwischen 1959 und 1963 geborenen.

Ein Blick auf diese Frauen: Die ältesten feiern heuer ihren 56er, die jüngsten ihren 52er. Falls sie Kinder bekommen haben, sind diese aus dem Haus. Von Kinderbetreuungsangeboten, wie es sie heute zum Teil sogar gratis gibt, konnten sie nur träumen. Von engagierten Jungvätern oder einem Karenzgeld in heutiger Höhe auch. Folge: Viele dieser Mütter haben, sofern es keine allzeit verfügbare Oma gab, in ihrem Lebenslauf Versicherungszeiten von bescheidenem Wert oder gar Lücken. Die sich potenzieren, weil es rechtens ist, sie auch noch fünf Jahre früher aus dem Erwerbsleben auszusortieren – in die Arbeitslosigkeit, in die Frühpension oder in die Pension. Nüchtern betrachtet, müsste man das eine doppelte Bestrafung von Müttern nennen. Es als Belohnung darzustellen, ist zynisch.

Von Inge Baldinger | 25.03.2015 – 06:00 | Kommentieren
http://www.salzburg.com/nachrichten/meinung/standpunkt/sn/artikel/und-das-soll-fuer-frauen-eine-belohnung-sein-143041/?nc=1

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