Kindstötung – Flaach ZH – Lebenswandel der Eltern fragwürdig

Eltern lebten von iPhone-Betrug auf Ricardo

Sie betrogen auf Auktionsplattformen und zahlten keine Miete: Natalie und Mike K.s Lebenswandel war fragwürdig. Darum schalteten sich die Behörden ein.

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Nicolas (5) und Alessia (2) wurden am 1. Januar 2015 tot im Haus ihrer Eltern in Flaach ZH gefunden.
Nicolas (5) und Alessia (2) wurden am 1. Januar 2015 tot im Haus ihrer Eltern in Flaach ZH gefunden.Ihre Mutter Natalie K. (27) wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Sie hatte sich selber Verletzungen zugefügt.Im hinteren Hausteil (links) in Flaach lebte die Familie. Am 6. Januar gab die Rechtsmedizin bekannt, dass die beiden Kinder offenbar von ihrer Mutter erstickt wurden.Sie waren von der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) eigentlich im Heim platziert worden. Über die Feiertage durften sie zur Mutter. Am 3. Januar nahm die Kesb Stellung zum Tötungsdelikt. Offenbar gab es keine Hinweise auf die Tat.Mike K. ist der Vater der Kinder. Er und seine Frau Natalie waren am 4. November wegen Verdachts auf Betrug festgenommen worden. Zugleich wurden die Kinder des Paars in ein Heim in der Stadt Zürich eingewiesen.Mutter Natalie K. wurde wenige Tage danach wieder auf freien Fuss gesetzt. Sie konnte nicht verstehen, dass Alessia und Nicolas danach nicht wieder bei ihr leben durften.In dieser Wohnung in Flaach kam es am späten Abend des 1. Januars zur Tragödie.Vor der Haustür wurden am Tag nach der Tat Kerzen abgelegt.Die Mutter selbst rief nach der Tat gegen 21.30 Uhr die Polizei an. Diese kam mit einem riesigen Aufgebot. Rettungskräfte versuchten, die Kinder wiederzubeleben. Vergebens.Die 27-jährige Mutter hatte bei der Einkunft der Polizei die Wohnung bereits verlassen.Sie hatte sich mit einem grossen Messer an den nahen Waldrand begeben. Dort verletzte sie sich selbst.Die Einsatzkräfte konnten sie kurz darauf aufspüren. Die Verletzungen waren nicht lebensgefährlich.Ein Blick auf die Veranda der Wohnung: Das Spielzeug der toten Kinder steht immer noch da.Die Familie lebte offenbar sehr zurückgezogen. Man sah die Kinder kaum mal draussen spielen.Die Eltern von Natalie K. – die Grosseltern der Kinder – kamen aber öfter zu Besuch.Auch in jener Nacht soll Natalie K. auch den Grosseltern ein SMS gemacht haben, dass die Kinder jetzt im Himmel seien.Die Grosseltern fuhren darum sofort nach Flaach. Sie sahen die toten Enkel noch, bevor diese weggebracht wurden. «Sie sahen aus als ob sie schliefen, sagten sie gegenüber den Medien.»Ein Leser-Reporter beobachtete in der Nacht, wie ein Rega-Helikopter neben dem Haus landete.

Am Neujahrstag erstickte Natalie K. in Flaach ZH ihre beiden Kinder Nicolas (5) und Alessia (2). Als Begründung gab die junge Frau an, es gehe den beiden im Himmel besser. Unter Beschuss geriet die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Diese hatte die Kinder im Heim platziert, weil sie Zweifel an der Betreuungsituation hatte. Dass diese begründet waren, zeigt die Biografie von Natalie und ihrem Ehemann Mike K. So zogen die beiden jahrelang von Wohnung zu Wohnung und blieben nur wenige Monate an einem Ort.

Dafür gab es offenbar zwei Gründe: Einerseits scheint das Paar vom gewerbsmässigen Betrug gelebt zu haben. Gegen die beiden laufen Betreibungen über Beträge in sechsstelliger Höhe. Gemäss der «Sonntagszeitung» verkaufte Mike K. auf der Auktionsplattform Ricardo iPhones, lieferte aber nie welche. «Es geht um Internetverkäufe, bei denen er die Waren nie zugestellt hat», bestätigt der Anwalt von Mike K. Aufgrund der ständig wechselnden Adressen war das Paar für Justiz und Geprellte aber schwer fassbar.

Gefälschte Betreibungsauszüge und Referenzen

Andererseits blieben die beiden den Mietzins meist schuldig. In Amlikon TG, wo Mike und Natalie K. gewohnt hatten, sagt die Hausbesitzerin: «Sie haben nie bezahlt, ich musste sie hinauswerfen.» Geschickt umgingen sie es oft auch, das Depot einzuzahlen. «Sie baten im Voraus um den Schlüssel, um bereits einige Sachen zu bringen», so ein weiterer ehemaliger Vermieter. Hatten sie die Wohnungsschlüssel, blieben die Zahlungen aus. 

Um an einem neuen Ort einen Mietvertrag zu erhalten, wurden offenbar gefälschte Mietreferenzen und Betreibungsauszüge eingereicht. Als Beruf gab Mike K. meist an, eine hohe Stellung bei der Armee zu haben – ebenfalls eine Lüge.

Eltern reagierten auf eingeschriebenen Brief nicht

Im Sommer 2014 wollte das Paar nach Rüdlingen SH. Den Zuschlag für die 4½-Zimmer-Wohnung hatten die beiden bereits. Doch bevor sie einzogen, bemerkte die Verwaltung dass die beiden bei den Unterlagen geschwindelt hatten und erteilte eine Absage. Natalie und Mike K. fanden aber schnell Ersatz im wenig entfernten Flaach ZH. Weil das Paar Sohn Nicolas bereits in Rüdlingen im Kindergarten angemeldet hatte, ging dieser nach den Sommerferien auch dort hin.

Die Rüdlinger Schulbehörde teilte Natalie und Mike K. daraufhin per eingeschriebenem Brief mit, dass Nicolas den Kindergarten in Flaach besuchen müsse. Die Eltern holten den Brief aber nie ab und brachten ihren Sohn weiterhin in den Rüdlinger Kindergarten. Auch bei ihren betrügerischen Geschäften benutzten die beiden offenbar die Rüdlinger Adresse. «Mich riefen geprellte Geschäftspartner an», sagt ein Nachbar. 
In den Flaacher Kindergarten wechselte Nicolas erst, als sich die Behörden einschalteten. In diesem Zusammenhang machte Rüdlingen auch eine Gefährdungsmeldung an die Kesb.

U-Haft wegen Wiederholungsgefahr

Mike und Natalie sitzen derzeit Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau ermittelt gegen Mike K. wegen gewerbsmässigem Betrug und Urkundenfälschung. Weil Kollusions- und Wiederholungsgefahr besteht, wurde er noch nicht entlassen. Seine Frau Natalie kam nach der ersten Verhaftung wieder frei. «Das Verfahren gegen die Frau ist keineswegs eingestellt», sagt Sprecher Stefan Hafter von der Staatsanwaltschaft Thurgau.

Natalie K. war nach der Tötung ihrer Kinder am 1. Januar wieder verhaftet worden. Sie hat die Tat gestanden.

(ann)

Tags – KESB
11. Januar 2015 16:21; Akt: 11.01.2015 17:31
http://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/31086093

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