Eizellenspende in Österreich: Ist es jetzt mein leibliches Kind? Und was werden uns die Kinder einmal sagen ?

Wien  In wenigen Wochen wird es ein Gesetz zur Eizellenspende in Österreich geben. Es bleibt wenig Zeit, wesentliche Gesichtspunkte zu diskutieren. Bis dato sind in der Öffentlichkeit zu dem Thema nur Mediziner und Genetiker zu Wort gekommen. Die psychologischen Aspekte dürfen jedoch nicht unberücksichtigt bleiben.

Symbolbild

Auch eine Eizellenspende bedeutet, ein “fremdes” Kind anzunehmen. Ein Kind, das eine andere genetische Mutter hat, als die Mutter, die das Kind austragen wird. “Wir wissen aus unseren Erfahrungen mit Adoptiveltern, dass die Annahme eines “fremden” Kindes ein Prozess ist, der damit beginnt, sich von dem Wunsch eines leiblichen “eigenen” Kindes zu verabschieden. Das Ende dieses Prozesses ist die Sicherheit in sich zu finden, ein “fremdes” Kind annehmen zu können”, so Mag. Maria Eberstaller, Psychologin beim Verein Eltern für Kinder Österreich.

“Diese Vorbereitung und Reflexion ist bei der Eizellenspende bislang nicht vorgesehen. Was bedeutet es nun, eine “fremde Eizelle” in seinem Körper heranwachsen zu lassen? Die Verantwortung darf hier nicht den Frauen alleine übertragen werden, die zu diesem Zeitpunkt durch den starken Kinderwunsch oft nicht in der Lage sind, alle Aspekte zu berücksichtigen.

Vielmehr wird den Frauen suggeriert, sie könnten durch die Eizellenspende ihr “eigenes leibliches” Kind haben”, so Eberstaller weiter.

Erfahrungsberichte von Frauen, die im Ausland eine Eizellenspende hatten und in Österreich das Kind geboren haben, zeigten aber, dass viele erst während der Schwangerschaft festgestellt haben, dass sie mit der Situation psychisch überfordert waren.

Auch über das wichtige Thema Biografiearbeit ist noch gar nicht gesprochen worden. Wie vermittle ich dem Kind, dass es eine zweite biologische Mutter hat und wie gehe ich als Eltern dann mit den Fragen des Kindes um? Oder begehe ich womöglich den Fehler, ihm seine Herkunft zu verheimlichen? Auch hier sind zukünftige Eltern bislang alleine gelassen. Hoffentlich wird die Eizellenspenderin in dem neuen Gesetz so wie jetzt schon der Samenspender in einer Datenbank erfasst. Das Recht des Kindes, über seine Herkunft aufgeklärt zu werden, steht an oberster Stelle.

Es gibt auch die Idee, dass die Eizellenspenderin aus der eigenen Familie kommen könnte. Wie werden wir dann mit den neu kreierten Verwandtschaftsverhältnissen umgehen, und welche möglichen Konflikte züchten wir uns innerfamiliär?

Es gibt noch eine lange Liste an psychologischen Fragestellungen, die sich aus dieser neuen Möglichkeit ein Kind anzunehmen, ergeben. Es bleibt zu hoffen, dass jetzt neben den Medizinern auch andere Experten zu Wort kommen, damit schlussendlich ein vernünftiges Gesetz zustande kommt.

Verein “Eltern für Kinder Österreich”, wurde 1980 gegründet und ist ein parteiunabhängiger, überkonfessioneller Verein und eine gesetzlich anerkannte freie Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung. Schwerpunkte des Vereins sind Betreuung und Begleitung von Tageseltern, Pflegeeltern, Adoptivfamilien, die Führung einer Familienberatungsstelle und Sozialprojekte im In- und Ausland.

 http://www.efk.at/

ots.at

Veröffentlicht: 21.11.14, 13:54 | Aktualisiert: 21.11.14, 13:54
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Tags: Transgenderkinder – Kinderrechte – Kindeswohl

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