Erregung um Groer-Denkmal geht weiter

Rund um eine Gedenktafel für den umstrittenen Kardinal Hans Hermann Groer an einer Kirche im oberösterreichischen Hohenzell (Ried im Innkreis) geht die Aufregung weiter.

Die beanstandete Tafel befindet sich schräg unter einem Denkmal, das die Diözese Linz auf Anfrage von religion.ORF.at als „Lebensschutz-Denkmal“ bezeichnete. Die Tafel weist mit Datum darauf hin, dass hier Kardinal Groer einmal gebetet habe. Die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt hatte vergangene Woche an der unter dem Denkmal in die Kirchenmauer eingelassenen Tafel einen Mühlstein, der um ein Foto Groers herum befestigt war, angebracht – mehr dazu in Wirbel um Groer-Denkmal in Oberösterreich.

Ein Foto Herman Groers mit einem Mühlstein hängt an einem Denkmal für "Lebensschutz" an der Kirche in Hohenzell, OÖ

Platform Betroffener kirchlicher Gewalt

Das von der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt am Denkmal in Hohenzell angebrachte Foto Groers und der Mühlstein wurden wieder entfernt

Im Nachrichtenmagazin „profil“ (Onlineausgabe, Freitag) hatte der Hohenzeller Pfarrer erstmals zu der Sache Stellung genommen. Er wolle die Gedenktafel nicht entfernen lassen, sagte er zu „profil“: „Es hat keine gerichtliche Verurteilung Groers stattgefunden. Ich kannte ihn persönlich und kann mir nicht vorstellen, dass an den Vorwürfen etwas dran ist“, so der Pfarrer. Groer musste Mitte der 1990er Jahre aufgrund von Missbrauchsvorwürfen als Wiener Erzbischof zurücktreten.

„Denkmalsergänzung“ entfernt

Am Montag stellte sich wiederum Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt per Aussendung die Frage: „Wo ist er bloß, der Mühlstein …?“ Seine „Denkmalsergänzung“ sei „bei Nacht und Nebel“ entfernt worden, so Rothwangl. Er nimmt besonders in Hinblick auf die (ungeborenen) Kinder, von denen die Rede ist, Anstoß am „Verschweigen“ von Groers mutmaßlichen Missbrauchstaten.

Rothwangl bezog sich mit dem Mühlstein auf das auf dem Denkmal zitierte Bibelzitat, dessen erste Worte auf der Tafel stehen. (18:6-16 „Wer aber irgendeines dieser Kleinen, die an mich glauben, ärgern wird, dem wäre nütze, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“)

Diözese: Pfarrer sollte Tafel abnehmen

Die Behauptung der Plattform, die Diözese Linz stehe in der Sache hinter dem Pfarrer, dementierte Pressesprecherin Gabriele Eder-Cakl gegenüber religion.ORF.at. Es handle sich bei dem Denkmal nicht um ein „Groer-Denkmal“, sondern um eines für den Lebensschutz. Die diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt der Diözese Linz habe dem Pfarrer schon vor Wochen empfohlen, die an Groers Besuch erinnernde Tafel entfernen zu lassen, so Eder-Cakl. Sie nimmt an, dass das nun noch einmal urgiert werde.

Es sei „kein Wunder, dass diese scheinheilige Groer-Ehrungstafel an der Kirche von Pfarrer Bauer angebracht wurde“, so Rothwangl in seiner Presseaussendung, denn dieser gelte als „ultra-fundamentalistisch“. Der Pfarrer glaube an Teufelsaustreibungen und lasse Mädchen nicht ministrieren, lauten nur einige der Vorwürfe Rothwangls.

Die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt will offenbar nicht so schnell aufgeben: Rothwangl rief am Freitag zur „großen Mühlstein-Sammelaktion“ auf: „Wir möchten das Mahnmal neuerlich berichtigen, aber diesmal auf gewichtigerem Weg: Jeder, den diese Vorgänge ebenso empören wie uns, möge einen Mühlstein beisteuern, wir liefern ihn dann gerne in Hohenzell ab.“

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