Strafdusche – Leonie – Keine U-Haft für Vater ?

Straf-Story „herausgelockt“

Leonie: Verteidiger des Vaters attackiert Polizei

Leonie: Verteidiger des Vaters attackiert Polizei

Alex S. (26) mit Kindsmutter (© privat)

Nach dem Tod der kleinen Leonie am Montag im SMZ-Ost ist der Kindesvater, der seine Tochter durch heißes Wasser aus einer Dusche verbrüht haben soll, auf freiem Fuß. Sein Verteidiger wirft der Polizei vor, die Geschichte mit der Bestrafung aus dem Mandanten herausgelockt zu haben. Die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie übt hingegen harte Kritik an der Gesetzeslage. Der Vater könne die Zeugen beeinflussen, wenn er sich nicht in U-Haft befindet. Auch Manipulationen am Tatort seien möglich.

Die Verletzungen stammten angeblich von einer „Strafdusche“, bei welcher der Vater nach eigenen Aussagen versehentlich heißes statt kaltes Wasser aufgedreht hatte. Die Eltern hatten anscheinend mehrere Stunden zugewartet, ehe sie das Kind ins Krankenhaus brachten.

Verteidiger Roland Friis skizziert jedoch eine andere Version des Geschehens. Es stimme, dass er Leonie zwei, drei Mal mit kaltem Wasser angespritzt habe, als diese einen Tobsuchtsanfall gehabt hatte und er sich nicht anders zu helfen wusste. An dem fraglichen Abend wäre es aber eine ganz normale Dusche vor dem Schlafengehen gewesen, wobei der 26-Jährige versehentlich das brennend heiße Wasser aufgedreht habe.

Anwalt Friis: „nicht dramatische“ Wunde
Die Eltern hätten die „nicht dramatische“ Brandwunde am Rücken, so gut es ging, selbst versorgt und das Kind am nächsten Tag ins Spital gebracht, als es immer mehr vor Schmerzen gejammert hatte.

Die Polizei habe dem Verdächtigen die Geschichte mit der Strafe „herausgelockt“. Was sein Mandant bei der Polizei ausgesagt und unterzeichnet habe, wisse er nicht, da diesem kein Protokoll mitgegeben wurde, so Friis. Er habe noch keinen Polizeiakt, keinen Obduktionsbericht oder sonstige Unterlagen, sondern nur stundenlang mit dem 26-Jährigen gesprochen, der schilderte, was geschehen sei.

„Da stimmt etwas am Gesetz nicht“
„Wenn ein Kind nach einer Misshandlung stirbt und es gesetzlich nicht gedeckt ist, dass der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft genommen wird, stimmt etwas am Gesetz nicht“, erklärte Rosa Logar, Geschäftsführerin der Interventionsstelle.

Laut Staatsanwaltschaft liegt ein erster medizinischer „Kurzbericht“ des Spitals vor. Nun wird ein Gutachten erstellt, um den Tathergang zu klären, „ebenso ist ein Experte beauftragt, die sanitären Begebenheiten in der Wohnung zu untersuchen“, sagte Anklage-Sprecherin Nina Bussek. Nach dem Vorliegen beider Gutachten wird über das weitere Vorgehen in der Causa entschieden. Die Leiche des Kindes wurde bereits auf Anordnung des Staatsanwaltschaft von einem Gerichtsmediziner obduziert.

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Gegen die Mutter wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt, gegen den Vater darüber hinaus wegen Quälens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen mit Todesfolge. Da dieses Delikt mit maximal zehn Jahren bestraft wird, ist U-Haft nicht zwingend vorgesehen und wurde über Leonies Vater nicht verhängt. Dieser Umstand führte zu öffentlichen Diskussionen. „Wir sind baff“, sagte Logar am Freitag.

Gefahr von Manipulationen am Tatort?
„Wir finden es unerträglich, dass bei Gewalt in der Familie relativ selten Verdunkelungsgefahr als Grund für die Verhängung von U-Haft angenommen wird, obwohl damit in Zusammenhang gerade in diesem Bereich häufig die Gefahr der Zeugenbeeinflussung besteht“, erklärte die Expertin. Außerdem bestehe die Gefahr von Manipulationen am Tatort, um etwas zu verschleiern.

Der Vater hat Betretungsverbot für die gemeinsame Wohnung, allerdings ein Besuchsrecht für den jüngeren der beiden Söhne. Laut Herta Staffa, Sprecherin des Wiener Jugendamtes, wurde bisher aber kein Besuch beantragt: „Wäre dies der Fall, muss man sich das Ganze natürlich genau ansehen, die Anwesenheit einer Besuchsbegleitung wäre auf jeden Fall notwendig.“

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Darüber hinaus ortet Logar von der Interventionsstelle ein weiteres Manko: „Der Anspruch auf Prozessbegleitung wird bei Kindern viel zu selten angewendet.“ Anspruch auf einen solchen – kostenlos – haben Opfer von Gewalt. Im Gegensatz zu Erwachsenen können Kinder ihn nicht selbst beantragen. Das übernimmt in der Regel ein Elternteil, häufig die Mutter.

Fehlender Kollisionskurator
Im Fall Leonie war das, wie Logar erläuterte, wegen einer Interessenskollision nicht möglich, da gegen die Mutter der Kleinen ermittelt wird. Daher hätte ihrer Überzeugung nach ein sogenannter Kollisionskurator bestellt werden müssen, und zwar unmittelbar nach der Anzeige, die das Krankenhaus unverzüglich erstattet hat. Ein solcher Kollisionskurator hätte bei Gericht einen Prozessbegleiter beantragt. Dessen Aufgabe ist es, die Rechte des Kindes zu wahren und eine lückenlose Aufklärung zu garantieren.

Das ist an sich Aufgabe der Staatsanwaltschaften, die Logar allerdings durch großen Arbeitsdruck aufgrund von Personalmangel belastet sieht. „Es gibt eine hohe Einstellungsrate bei Gewalt in der Familie“, konstatierte die Leiterin der Interventionsstelle.

Wien 14.11.2014, Werden Sie Fan von Heute.at!
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art69346,1096136

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