Neues Urteil: Trennungskind soll pendeln

Obwohl es gesetzlich nicht vorgesehen ist, teilt ein Gericht einem Kind Hauptwohnsitze bei Mama und Papa zu. Laut Politik bestehe kein Handlungsbedarf.

Foto © detailblick – Fotolia.com

In Schweden, Frankreich, Dänemark und Belgien ist es üblich, dass Scheidungskinder abwechselnd eine Woche bei der Mutter, eine Woche beim Vater leben. Gesetzlich ist dies in Österreich nicht vorgesehen und nur möglich, wenn sich Mama und Papa privat darauf einigen. Trotzdem wurde am Wiener Landesgericht erstmals entschieden, dass ein Kind gleichteilig bei beiden Elternteilen aufwachsen soll. Es soll wöchentlich zwischen Mutter und Vater pendeln. Für Anhänger dieser Lösung ist das Urteil ein Meilenstein.

Die in Österreich seit zwei Jahren existierende gemeinsame Obsorge sieht diese sogenannte „Doppelresidenz“ nämlich nicht vor. Der Passus wurde damals aus dem Gesetzesentwurf gestrichen. Weil die Eltern des Kindes, um das es im Rechtsstreit geht, nicht verheiratet sind, hat die Mutter die alleinige Obsorge. Das Kind lebt jedoch seit zehn Jahren halbe-halbe bei Vater und Mutter. Der Vater wollte deshalb seinen Status als halber Unterkunftsgeber legitimieren – was die Mutter allerdings ablehnte. Laut Gesetz wäre in diesem Streitfall der Wohnort eines Elternteils als Hauptwohnsitz zu bestimmen gewesen – das wäre in diesem Fall wohl jener der Mutter gewesen. Doch das Gericht entschied anders und brach mit Paragraf 177 des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches. Der Richter begründete sein Urteil damit, dass die Fortführung des gewohnten Lebensstils das Beste für das Kind sei. Schließlich sei auch das Kindeswohl zu berücksichtigen. Und dieses wäre gefährdet, so die Gerichtssprecherin, wenn die Eltern wegen einer nicht genehmigten Doppelresidenz mehr streiten würden.

Vätervertreter bejubeln das Urteil. In einer Aussendung der Plattform Doppelresidenz bezeichnete deren Obmann Anton Pototschnig die Entscheidung als Meilenstein: „Österreich macht damit einen Schritt in Richtung europäischer Normalität.“ Das Urteil weise darauf hin, dass die Gesetzeslage bald geändert wird.

Doch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist anderer Meinung. „Kinder brauchen in solchen Situationen Sicherheit und klare Verhältnisse“, heißt es aus dem Ministerium. Außerdem könne man sich privat ohnehin auf alles einigen – hier gehe es nur um strittige Scheidungen und Trennungen vor Gericht. Man sehe daher keinen Anlass, das Gesetz zu ändern.

7 Kommentare

Kommentar erstellen

aufewigrot am 31.10.2014, 16:06Kommentar melden

Frau Heinisch-Hosek, verschwinden Sie endlich!

Sie sind doch im Familienreicht seit Amtsantritt nur Steigbügelhalterin für erpresserische Kindesmütter.
§177 muss und wird in der heutigen Form fallen.
Gehen Sie endlich mit samt Ihren Vorgängern und pervertierten Kampfemanzen zur Hölle, damit auch Österreich endlich ein Familienrecht bekommt, in dem tatsächlich mal von KINDESWOHL VORRANGIG die Rede ist.
Euch verdammten iPhone-Frauenrechtlerinnen sind die Kinder in Wahrheit egal. Euch geht es nur um KOHLE.
Ihr zerstört für eure dummen Egozismen nicht nur Kindheiten, sondern auch ganze Existenzen.
Und Tschüss!!!! 

1

ja, das gibt es schon länger und öfter,

als man meint. 
Und NEIN, diese Kinder brauchen keinen Psychiater, weil ihre Eltern eben NICHT streiten und sie – die Kinder – bei beiden willkommen sind.
Davon können viele andere Kinder nur träumen.

2

Kluger Richter,Kindeswohl

nach vorne. Und die Ministerin für Fisch und Fahrrad fordert wieder mal Stabilität wo es um weibliche Gruppeninteressen geht,nicht ums Kind.Irgendwie ist da in Fleisch und Blut übergegangen,daß die eigenen Interessen die allgemeinen seien,erinnert mich als Kärntner immer ein wenig an die FPK.Und während das Blaubestrumpfte eine recht neue Mutation ist hatten wir schon ein gutes,altes,wohlbewährtes Rechtsgut das eisern stabil war,die Patria potestas,wenn mans wieder haben will,nur zugreifen und ansonsten ein bißchen mehr reflektieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.