Video – Reportage – Die Geschäfte der Gutachter

Sendung vom 10.10.2014 | 09:15

http://www.servustv.com/de/Medien/Servus-Reportage35

Sie sind überall: Gutachter. Sie urteilen darüber, wie schwer ein Unfallschaden in der Halswirbelsäule oder am Auto wiegt, und ob der Wasserschaden in der Mauer ein Fall für die Versicherung ist. Sie geben Empfehlungen ab, ob ein verurteilter Mörder künftig in Freiheit oder sicherungsverwahrt leben soll, oder ob der Mutter oder dem Vater die Obsorge zugesprochen wird.

Als Gutachter müssen sie es besser wissen – denn sie sind per Definition sachkundig, unabhängig und neutral. Kein Wunder, dass Richter ihnen die Expertise zu den wichtigsten Themen anvertrauen – in rund 90 Prozent der Fälle, so Schätzungen, sollen zum Beispiel Familienrichter dem Vorschlag des Gutachters folgen.

 Dubiose Verstrickungen: Gutachter sind mit Justiz oder Industrie nicht selten „bestens bekannt“

Gravierende Auswirkungen auf das Leben Betroffener
Für viele Betroffene kann das Urteil eines Gutachters dadurch gravierende Auswirkungen auf ihr weiteres Leben haben. Und wenn sie es vor Gericht mit einem Sachverständigen zu tun bekommen, sollte ihnen klar sein, dass es nervenaufreibend und extrem kostspielig wird, das Gerichtsgutachten im Fall der Fälle anzufechten.

Der Film zeigt anhand von konkreten Fällen, wie schwer es für Betroffene ist, ein Gutachten anzufechten, er zeigt aber auch die Verstrickungen von Gutachtern mit Justiz oder Industrie. Betroffene, Gutachter und Experten kommen zu Wort, die klare Forderungen in Bezug auf neue Regelungen für den Einsatz von Sachverständigen haben.

Die Geschäfte der Gutachter

Die Geschäfte der Gutachter

Alle Fakten & Hintergründe zur gleichnamigen Servus Reportage


Die Situation

Sie sind überall: Gutachter. Sie urteilen darüber, wie schwer ein Unfallschaden in der Halswirbelsäule oder am Auto wiegt, und ob der Wasserschaden in der Mauer ein Fall für die Versicherung ist. Sie geben Empfehlungen ab, ob ein verurteilter Mörder künftig in Freiheit oder sicherungsverwahrt leben soll, oder ob der Mutter oder dem Vater die Obsorge zugesprochen wird.

Als Gutachter müssen sie es besser wissen – denn sie sind per Definition sachkundig, was bedeutet, dass sie in ihrem Berufsfeld über eine große Sachkenntnis verfügen müssen. Und: Sie sollen unabhängig und neutral sein. Kein Wunder also, dass Richter ihnen die Expertise zu den wichtigsten Themen anvertrauen – in rund 90 Prozent der Fälle, so Schätzungen, sollen beispielsweise Familienrichter dem Vorschlag des Gutachters folgen.

Doch gerade im Zusammenhang mit dem Einsatz von Sachverständigen vor Gericht werden die Forderungen nach neuen Regelungen immer lauter, sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Denn die Qualität und Unabhängigkeit von Gutachtern ist umstritten.

VIDEO: Sind Gutachter unabhängig und neutral? >>

Grundsätzlich kann jeder Gutachter werden: Der Begriff ist nicht geschützt. Es genügen in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung und Erfahrung – und Klienten, die ein Gutachten in Auftrag geben wollen.

Die meisten Gutachter arbeiten in erster Linie außergerichtlich, ihre Aufträge bekommen sie in der Regel aus der Wirtschaft, zum Beispiel von den Versicherungen, aus der Industrie, von Behörden. Gutachter-Aufträge von Privatleuten sind eher selten der Fall. Meistens beginnt man erst dann über ein Gutachten nachzudenken, wenn man mit einem Erst-Gutachten konfrontiert wird, das zum eigenen Nachteil ist.

Wenn Betroffene es vor Gericht mit einem Gutachter zu tun bekommen, sollte ihnen klar sein, dass es nervenaufreibend und extrem kostspielig wird, dessen Gutachten anzufechten. Zwar sollten Sachverständige ihre Expertise jederzeit unabhängig und neutral erstellen. Doch es kommt immer wieder vor, dass sogar Gutachter, die vom Gericht beauftragt werden, mit der Wirtschaft verstrickt sind – oder gar mit der Justiz selbst.

Die Lage in Österreich

Die Lage in Deutschland

Grundsätzlich gibt es in Österreich freie und im Verband organisierte Gutachter und Sachverständige. Beide Begriffe – „Gutachter“ und „Sachverständiger“ – sagen übrigens dasselbe aus, in den Gesetzes-Texten und vor Gericht wird aber in der Regel immer von „Sachverständigen“ gesprochen.In Österreich sind die meisten Gutachter in der Liste der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen geführt. Um aufgenommen zu werden, müssen sie ihr Wissen nachweisen, und als Arzt beispielsweise nach dem abgeschlossenen Hochschulstudium fünf Jahre eigenverantwortlich gearbeitet haben.

In Österreich gibt es außerdem ein eigenes bundesweites „Sachverständigengesetz“, in dem vor allem die Rolle der Gutachter genauer definiert wird.

In Deutschland ist der Gutachter-Markt wesentlich unübersichtlicher: Zwar genießen auch dort diejenigen Gutachter das höchste Ansehen, die Mitglied im Verband der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen sind. Daneben gibt es in Deutschland aber auch viele weitere Verbände, in denen Gutachter organisiert sind.Hinzu kommt, dass Psychologen und Ärzte in Deutschland nicht im Verband der öffentlich bestellten Sachverständigen organisiert sind – hier reicht bei einem Arzt die Approbation und bei einem Psychologen schon ein abgeschlossenes Studium aus, um gutachten zu können.

Keine Vorschriften zur Kontrolle von Gutachtern

Richter bedienen sich in Österreich fast ausschließlich aus der Liste der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen, in Deutschland meist aus dem Verband der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Theoretisch kann ein Richter aber auch einen freien Sachverständigen berufen und so zum Gerichtssachverständigen machen.

Auch wenn in beiden Ländern die Situation unterschiedlich ist, so sind die grundsätzlichen Problematiken ähnlich gelagert: Es fehlen vor allem Vorschriften, die die gutachterliche Tätigkeit als Ganzes kontrollieren und die Unabhängigkeit der Sachverständigen überprüfen. Daher kommt es immer wieder zu Abhängigkeiten, beispielsweise zur Justiz: Beauftragt ein Richter immer wieder denselben Gutachter, und bezieht der Sachverständige selbst den größten Teil seines Einkommens aus diesen Gerichtsgutachten, liegt an sich schon ein Abhängigkeitsverhältnis vor.

Für Betroffene bedeutet das: Mögliche Falschgutachten, die meist gravierende Auswirkungen auf ihr weiteres Leben haben, können durch diese Abhängigkeit noch schwerer angefochten werden – die folgenden vier Fälle belegen das eindringlich…

Quelle:, http://www.servustv.com/de/Sendungen/Die-Geschaefte-der-Gutachter

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