Kindesentführung – Vater in Angst: Wo ist Lara ?

Vater in Angst: Wo ist Lara?

Seit dem 2. Oktober findet Thomas K. aus Ditzingen keine Ruhe. Seine vierjährige Tochter Lara ist verschwunden. Unter Anwendung von Gewalt, so die Polizei, hat die leibliche Mutter, die Polin Joanna S., das Mädchen mitgenommen. Der Gipfel eines Sorgerechtsstreits.

Beim Ludwigsburger Amtsgericht hat man an diesem Dienstag vergeblich gewartet. Joanna S. kam nicht, auch ihr Anwalt hatte sich Stunden zuvor krankgemeldet. An diesem Dienstag hätten die Richter im Fall des Sorgerechts für die kleine Lara entscheiden sollen. Doch am vergangenen Donnerstag, 2. Oktober, ist die leibliche Mutter, Joanna S., der Entscheidung des Amtsgerichts zuvorgekommen, so interpretiert es zumindest der Vater des Kindes, Thomas K., und hat die Kleine mitgenommen. Aufenthaltsort unbekannt.

Rückblick: Gegen 7.30 Uhr wird die neue Partnerin von Thomas K. in Ditzingen attackiert. Joanna S. und ein Unbekannter haben die 23-Jährige und die Kleine direkt vor dem Kindergarten abgepasst. Es kommt zu einem Gerangel. Der 23-Jährigen wird laut Polizeibericht Pfefferspray ins Gesicht gesprüht – und das Kind entrissen. Die Angreifer flüchten per Auto. Eine Erzieherin findet die Verletzte, ruft die Polizei. Eine Fahndung unter Einbeziehung grenznaher Polizeidienststellen führt aber ins Leere.

Die Kindesentziehung ist der Höhepunkt eines Streits zwischen den leiblichen Eltern von Lara, der seit 2011 schwelt. Im Juli vor drei Jahren löst Thomas K. die Verlobung. Der 43-Jährige berichtet von Streit, von Gewaltausbrüchen seiner Ex, von mehreren Paartherapien. Als sie ihn schließlich des sexuellen Missbrauchs der Tochter bezichtigte – was sich später als haltlos herausstellte -, trennte sich Thomas K. von der 35-jährigen Polin, erzählt er.

Was seither folgte, war und ist ein Sorgerechtsstreit, „der in der Form nicht alltäglich ist“, wie Peter Widenhorn, der Polizeisprecher aus Ludwigsburg, sagt. Kurz nach der Trennung brachte Joanna S. die kleine Lara erstmals gegen den Willen ihres Vaters nach Polen, nachdem sie ihren Ex gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Vater überwältigt hatte. Es folgten lange juristische Querelen in Deutschland und Polen. Thomas K. holte schließlich im Mai 2012 Lara zurück nach Ditzingen – in dem Fall wiederum gegen den Willen der Mutter.

Im Sommer 2013 standen sich die Eltern schließlich vor dem Ludwigsburger Amtsgericht gegenüber. Zuvor hatte ein Familiengericht per einstweiliger Verfügung angeordnet, dass das Kind vorläufig beim Vater bleiben sollte. Zudem erhielt Joanna S. einen Strafbefehl von 560 Euro wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung.

Im Dezember 2013, so schildert es Thomas K., hat Joanna S. einmal mehr versucht, Lara mitzunehmen. Zu dem Zeitpunkt habe ihr lediglich Umgang in Begleitung zugestanden. Passanten vereitelten den Übergriff auf offener Straße, erzählt Thomas K. Am 2. Oktober jedoch waren keine Passanten in der Nähe.

Seither fehlt von der Juristin Joanna S. und Lara jede Spur. Thomas K. sucht vor allem über Facebook. Der Staatsanwaltschaft in Stuttgart wirft der Vater vor, keinen Haftbefehl gegen Joanna S. zu erlassen. „Sie ist eine Wiederholungstäterin“, empört er sich. Claudia Krauth, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, entgegnet jedoch: „Es gibt keinen Haftgrund. Das Sorgerecht ist nicht geklärt. Sie ist Polin, sie ist nach Hause gefahren, es ist keine Flucht.“ Die Staatsanwaltschaft müsse erst prüfen, ob sich Joanna S. überhaupt strafbar gemacht habe, so Claudia Krauth weiter, das Sorgerecht sei indes eine Angelegenheit des Familiengerichts.

Auch der Polizei seien aktuell die Hände gebunden, berichtet der Polizeisprecher Peter Widenhorn. „Solange das Sorgerecht geteilt ist, ist es keine Entführung, allenfalls eine Kindesentziehung“, sagt er. Aus seiner Sicht sei nicht zu befürchten, dass die Mutter dem Kind Schaden zufügen werde. Wohl habe sich Joanna S. durch die Attacke mit dem Pfefferspray der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, die reiche aber nicht aus für einen Haftbefehl.

Für Thomas K. sind diese Aussagen unbefriedigend. Er lebt in Sorge um sein Kind, wie er sagt. „Ich habe riesige Angst, Lara spricht kein Polnisch, sie ist in einer fremden Umgebung. Ich habe auch eine riesige Wut in mir. Aber das Schlimmste ist: Ich bin hilflos. Ich habe keine Handhabe.“

Am 14. Oktober wird Lara fünf Jahre alt.

Info

Joanna S. hält sich womöglich in Stettin auf. Sie ist etwa 1,65 Meter groß, schlank und hat glattes, halblanges Haar. Sie spricht gebrochen Deutsch. Lara ist etwa 1,16 Meter groß und war zur Tatzeit mit einer Jeans mit Sternen-Aufdruck, einem rosa Sweatshirt mit Herzen und einem gelben Unterhemd bekleidet. Sie trug dunkelgraue, glitzernde Schuhe. Ihre Haare sind schulterlang und aschblond. Das Mädchen hat rosa lackierte Fingernägel mit Glitzerpartikeln. Der Unbekannte ist etwa 1,80 Meter groß, 30 bis 35 Jahre alt, schwarze Haare, Jeansjacke. Hinweise nimmt die Kripo Ludwigsburg unter Telefon (07141) 189 entgegen. Mehr zum Thema in der Facebook-Gruppe „Help find Lara“.

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